Vossloh trennt sich von spanischen Lokomotiven

Im spanischen Vossloh-Werk bei Valencia werden Lokomotiven wie die Euro 4000, die stärkste dieselelektrische Lokomotive Europas, gebaut. Jetzt haben die Werdohler diesen Standort aufgegeben.

Werdohl - Der Verkehrstechnikkonzern Vossloh hat sein defizitäres spanisches Lokomotiven-Geschäft verkauft. Das hat das Unternehmen am Mittwoch bekannt gegeben. Das Geschäftsfeld Rail Vehicles wechselt für 172 Millionen Euro den Besitzer. Die Vossloh-Aktie legte am Mittwochmorgen um rund zwei Prozent zu.

Im ersten Quartal 2016 soll demnach der Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail AG aus Bussnang/Schweiz neuer Eigentümer werden – mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Juli 2015. Stadler zahlt dafür 48 Millionen Euro in bar und übernimmt Schulden von 124 Millionen Euro. Die entsprechenden Verträge wurden Vossloh zufolge bereits unterzeichnet. Die Transaktion stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Wettbewerbsbehörden, teilte das Werdohler Unternehmen mit.

Der Aufsichtsrat der Vossloh AG hat der Transaktion offenbar schon zugestimmt. Dr. Hans Martin Schabert, Vorstandsvorsitzender von Vossloh: „Wir freuen uns sehr, mit Stadler Rail einen in der Branche erfahrenen, hoch reputierten und verlässlichen Käufer gefunden zu haben und sind überzeugt, dass sich Know-how, Erfahrung und Unternehmensverständnis beider Fahrzeug-Spezialisten ideal ergänzen. Rail Vehicles wird sich in der Stadler-Gruppe perspektivisch entwickeln können.“ Für Stadler ist der Zukauf der Eintritt ins Marktsegment des dieselelektrischen Antriebs und eröffnet den Zugang zu neuen Märkten. Rail Vehicles soll als neue Division „Latin“ in Stadler Rail integriert werden.

Rail Vehicles mit Sitz im spanischen Albuixech nahe Valencia wurde von Vossloh als eines von drei Geschäftsfeldern des zur Veräußerung stehenden Geschäftsbereichs Transportation geführt. Hier werden innovative dieselelektrische Lokomotiven sowie Nahverkehrsbahnen entwickelt und gefertigt. Im Geschäftsjahr 2014 sind Umsätze in Höhe von 223,2 Millionen Euro erzielt worden, in den ersten neun Monaten 2015 betrug der Umsatz 182,4 Millionen Euro. Es sei beabsichtigt, dass das Management und alle bewährten Funktionen von Rail Vehicles in Albuixech verbleiben und der Standort als Kompetenzzentrum für den Lokomotivenbau gestärkt wird, teilte Vossloh mit.

Mit der Vereinbarung zum Verkauf von Rail Vehicles setze der Vorstand von Vossloh die im Dezember 2014 verabschiedete Mittelfriststrategie mit dem Umbau des Konzerns zum Unternehmen für Bahninfrastuktur fort, teilte Vossloh mit. Für die Geschäftsfelder Locomotives (Kiel) und Electrical Systems (Düsseldorf), die die Werdohler ebenfalls veräußern wollen, sei noch kein Käufer in Sicht. Sie sollen aber bis spätestens Ende 2017 gefunden sein. Die operative Situation in Kiel habe sich in den letzten zwölf Monaten deutlich verbessert, teilte Vossloh mit. Umsatz und Ergebnis von Electrical Systems hätten sich im Vergleich zum Vorjahr erheblich erholt. Vossloh treibe die Entwicklung beider Zweige weiter voran, hieß es weiter.

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(03.11.2015)

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