Notbetten und syrische Dialekte

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Flüchtlinge warten in einem beheizten Notzelt auf ihren Übertritt nach Deutschland.

Werdohl - Über die Kosten für die Aufwendungen zur Unterbringung der Flüchtlinge in Werdohl will Fachbereichsleiter Bodo Schmidt Dienstag vor dem Sozialausschuss berichten.

Aus der Vorlage für den Ausschuss (17 Uhr, Sitzungssaal Rathaus, öffentliche Sitzung) geht im Ergebnis hervor, dass es bislang weder nachbarschaftliche noch andere gesellschaftliche Probleme mit den rund 250 Menschen aus 25 Ländern gebe. Großen Anteil an dieser sozialen Integration der Ankommenden habe die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe.

Was Bodo Schmidt über die öffentliche Wahrnehmung der Situation der Flüchtlinge beschreibt, klingt positiv: In der täglichen Arbeit mit den Flüchtlingen treffe die Verwaltung auf eine aufgeschlossene und hilfsbereite Bürgerschaft. Die Versorgung der Flüchtlinge mit Wohnungen, über das ganze Stadtgebiet verteilt, verhindere eine Konzentration. Von Auseinandersetzungen in den Übergangswohnheimen oder nachbarschaftlichen Problemen sei der Verwaltung auch nichts bekannt. Die Schlussfolgerung von Bodo Schmidt lautet deshalb: „Die in den vergangenen Monaten gewählten sozialverträglichen Unterbringungs- und Betreuungsbemühungen werden deshalb unverändert fortgesetzt.“

Wenn die Verwaltungsmitarbeiter die Flüchtlinge untergebracht und an die ersten Dinge des täglichen Lebens herangeführt haben, erfolgt der Übergang zur ehrenamtliche Flüchtlingshilfe oft nahtlos. Auch hier schreibt Schmidt ganz nüchtern: „Bei der Stabilisierung der Lebensverhältnisse im sozialen und nachbarschaftlichen Umfeld der zugewiesenen Personen ist die Hilfeleistung der Flüchtlingshilfe Werdohl nicht hoch genug einzuschätzen.“

Die Abteilung Soziales im Rathaus leiste die Flüchtlingsunterbringung seit Mitte des Jahres in der „Einsatzweise eines Krisenstabes“. Noch vertretbar sei die Hintanstellung der eigentlichen Aufgaben. Trete allerdings keine spürbare Entlastung bei den Zuweisungszahlen ein, ließen sich befristete Personalaufstockungen oder externe Personalverstärkungen nicht vermeiden. Die gemeinnützige Arbeitsgruppe Asylsuchender und Flüchtlinge, die bisher mit Grünpflege und Stadtreinigung beschäftigt war, werde jetzt häufig für Arbeitseinsätze für die Flüchtlingshilfe der Verwaltung eingesetzt.

Schwierig sei die Beschaffung von Möbeln für die Erst-einrichtung von angemieteten Wohnungen oder städtischen Übergangseinrichtungen. Es seien derzeit kurzfristig keine preiswerten und funktionalen Möbel wie Betten, Matratzen, Schränke, Tische und Stühle zu erhalten. Das mache Notlösungen wie vom Schreiner angefertigte Notbetten erforderlich. Hausrat, Bettwäsche und Artikel des täglichen Bedarfs in einfachster Ausführung seien in diesen Mengen vom Groß- und Einzelhandel nur noch unter Schwierigkeiten zu besorgen.

Bei der täglichen Arbeit nehme die Verwaltung bei den sprachlichen Verständigungsproblemen Hilfen aus dem Kreis der Flüchtlinge in Anspruch. Die meisten Schwierigkeiten ließen sich mit dieser „Übersetzungshilfe“ lösen. Aus Syrien und aus dem Irak kämen in jüngster Zeit Personen, die einen selbst in ihrer Heimat nur selten vertretenen Dialekt sprechen. Auch hier formuliert Schmidt ganz nüchtern: „Problembereiche der Flüchtlinge hier hinreichend sicher zu bestimmen, ist sehr schwierig und bindet viel Zeitaufwand und Nervenkraft.“

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