„Nicht einfach sagen: So sind die Migranten halt“

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Evangelia Kasdanastassi von der Integrationsagentur berät Eltern, Vereine und Erzieherinnen, damit das multikulturelle Zusammenleben besser funktioniert.

Werdohl - Wer bei Evangelia Kasdanastassi ein interkulturelles Seminar besucht, lernt erst einmal: Bei aller Toleranz sollte niemand die eigene Position aufgeben. „Verständigung heißt nicht, dass ich alles gutheiße“, sagt die 54-Jährige, die die Integrationsagentur des Diakonischen Werkes Lüdenscheid-Plettenberg leitet. Diese ist – zusammen mit einigen weiteren Hilfsangeboten – im Sozialen Beratungszentrum an der Schulstraße untergebracht.

Seit 1989 lebt Kasdanastassi in Deutschland. „Ich wollte hier die Sprache lernen und später Deutsch studieren“, sagt die gebürtige Griechin. Nach dem Studium wollte sie nach Athen zurückkehren und dort eine Sprachschule übernehmen.

Doch es kam anders. Kasdanastassi studierte nach ihrem Deutschkursus am Goethe-Institut Iserlohn weiter, schrieb sich für Soziale Arbeit und Mediation ein. „Trotzdem hatte ich immer in Hinterkopf, nach Athen zurückzukehren“, sagt sie. Im Jahr 2001 wollte sie dort tatsächlich die Sprachschule eines Bekannten übernehmen. Kurz vorher aber bot ihr die Diakonie, für die sie bereits vorher in Teilzeit gearbeitet hatte, eine volle Stelle an. Seitdem arbeitet Kasdanastassi, die zwei Kinder und inzwischen auch zwei Enkelkinder hat, in Werdohl.

Während sie früher vor allem Einzelfallberatung für Migranten anbot, kümmert sie sich seit 2005 um die „strukturelle Integration“. „Die Integrationsagenturen sollen für das multikulturelle Zusammenleben da sein“, fasst sie ihre Tätigkeit zusammen. Konkret bedeutet das ein Aufgabenspektrum von Seminaren für Vereine über Elternkurse bis hin zum interkulturellen Training für Ämter.

Letzteres richtet sich an Verwaltungsmitarbeiter, aber auch an Erzieherinnen und Lehrer. „Ich vermittele Informationen über Migration und über verschiedene Religionen“, nennt die 54-Jährige Inhalte dieses Trainings. Auf dem Stundenplan der interkulturellen Seminare stehen aber auch Fallbeispiele. „Wir machen dann eine Situationsanalyse und erarbeiten Handlungsoptionen“, erläutert Kasdanastassi.

Ein solcher Fall könnte eine Mutter sein, die ihr Kind immer eine halbe Stunde zu spät zum Kindergarten bringt. Selbst wenn die Ursache für das Zuspätkommen gar nichts mit der Herkunft der Mutter zu tun hat: Um das Problem anzugehen, ist ein „kultursensibles Elterngespräch“ gefragt, sagt die Expertin. „Dann gibt es weniger Reibungsverluste.“ Die Erzieherinnen sollten beim Gespräch mit der Mutter deren Herkunft im Hinterkopf haben. Weiter möchte Kasdanastassi nicht ins Detail gehen, um zu vermeiden, dass sich Eltern in diesem Text wiedererkennen. Wichtig ist aber in jedem Fall: Falsche Toleranz bringt niemanden weiter. „Man sollte nicht einfach sagen: ‘So sind die Migranten halt’“, findet die Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes.

Damit sich Gruppen verschiedener Kulturkreise auch privat besser verstehen, bietet die Integrationsagentur Elternkurse an, die sich sowohl an Migranten als auch an deutsche Eltern richten. Oft werden diese Veranstaltungen rund um die Kindererziehung zweisprachig angeboten, um die Deutschkenntnisse der Migranten voranzubringen. Auch Seminare zur Stärkung der Vereine stehen nicht nur türkischen, griechischen und marokkanischen Kulturvereinen offen, sondern auch deutschen Gruppen.

Hilfe bei der Organisation

Da geht es zum Beispiel um Öffentlichkeitsarbeit und interkulturelle Kompetenzen. „Die Vereine sollen aufeinander zugehen“, sagt Kasdanastassi. Manchmal muss sie einfach nur ein bisschen nachhelfen. So hatte ein griechischer Kulturverein zu einer Veranstaltung eingeladen. Sie sollte offen für Gäste sein – aber die Mitglieder sprachen nur Griechisch. „Ich habe dann eine deutsch-griechische Veranstaltung mit dem Verein gemeinsam organisiert“, erzählt Kasdanastassi.

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