Einkaufs-Innenstadt Werdohl schützen und stärken

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Angelina Sobotta vom Kölner Planungsbüro Dr. Jansen hatte das Einzelhandelskonzept den Werdohler Politikern bereits im September vorgestellt.

Werdohl - In den vergangenen neun Jahren haben in Werdohl 22 Prozent der damaligen Einzelhändler aufgegeben, 18 Prozent Verkaufsfläche sind verloren. Die Umsatzleistung ist inflationsbereinigt um zehn Prozent zurück gegangen. Das ergibt die vergleichende Untersuchung zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes von 2006.

Die Planer empfehlen der Stadt eine Sicherung und Stärkung der Einkaufs-Innenstadt durch eine konsequente bauleitplanerische Steuerung, ohne diese allerdings näher zu beschreiben.

Der Hauptausschuss soll am 8. November das Konzept des Kölner Planungsbüros Dr. Jansen GmbH beschließen, Planerin Angelina Sobotta hatte das Konzept in Teilen schon vor einigen Monaten den Werdohler Politikern vorgestellt.

Der 130 Seiten starke Entwurf besteht aus zwei Teilen. Im ersten werden drei mögliche Profilierungsstrategien für den Einzelhandelsstandort Innenstadt vorgestellt, der zweite – umfangreichere – Teil stellt die eigentliche Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes für die Stadt vor. Das Konzept war 2006 zum ersten Mal erstellt worden, die jetzige Fortschreibung erlaubte Vergleiche mit den erhobenen Daten von vor neun Jahren.

Die Bestandserfassung ergab folgendes Bild: Die Stadt mit ihren 18 532 Einwohnern in neun Ortsteilen sei landesplanerisch ein Mittelzentrum. Die Innenstadt sei in jeder Hinsicht ein Zentrum, die Ortsteile eher ländlich geprägt. Den Werdohler Einwohnern stehe ein einzelhandelsrelevantes Kaufkraftpotenzial von 95,3 Millionen Euro zur Verfügung. Nur wenige Betriebe strahlten über das Stadtgebiet hinaus. Die zweite Zone des Einzugsgebietes bilde die Stadt Neuenrade.

Die Einzelhandelsausstattung der Stadt Werdohl umfasse aktuell 90 Betriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von 17 620 Quadratmetern und einer Bruttoumsatzleistung von etwa 62,2 Millionen Euro in 2014. Der Verkaufsflächenanteil des großflächigen Einzelhandels beträgt rund 47 Prozent und ist im interkommunalen Vergleich durchschnittlich. Zahl der Betriebe, Verkaufsflächen und Umsätze sind in den vergangenen neun Jahren immer geringer geworden.

Von dem einzelhandelsrelevanten Kaufkraftpotenzial in der Stadt Werdohl werden durch den Einzelhandel aktuell 56,7 Prozent gebunden, das sind etwa 54,1 Millionen Euro. Mit auswärtigen Kunden wird ein Umsatzanteil von 13,1 Prozent erzielt. Der Kaufkraftabfluss bewegt sich über alle Branchen hinweg in einer Größenordnung von etwa 41,2 Millionen Euro – also 43,3 Prozent der in Werdohl zur Verfügung stehenden Kaufkraft. Die von den Planern ermittelte „Einzelhandelszentralität“ mit einem Wert von 65,3 stellt dar, dass im Saldo deutlich mehr Kaufkraft abfließt als durch den Einzelhandelsstandort von außen angezogen wird.

Vor dem Hintergrund der weiter sinkenden Bevölkerungszahlen ergäben sich nur Entwicklungsmöglichkeiten in den Bereichen Sportgroßgeräte, Fahrräder, Spielwaren, Haushaltsgeräte, Möbel, Küchen und Bau- und Gartenbedarf.

Zur Sicherung und Stärkung der Innenstadt als Hauptzentrum des Einzelhandels sei eine konsequente bauleitplanerische Steuerung erforderlich, fordern die Planer. Eine Schlüsselrolle komme dabei der Reglementierung von innenstadtschädlichen Ansiedlungen in den Außenbereichen zu. Der zentrale Versorgungsbereich Stadtzentrum müsse abgegrenzt und die ergänzende Nahversorgung geschützt werden. Die Politiker sollen auch die so genannte „Werdohler Liste“ beschließen: Eine nach Wichtigkeit sortierte Liste von Einzelhandelsangeboten, die nahversorgungsrelevant, zentrenrelevant oder eben nicht relevant sind.

Drei Profilierungsstrategien hatten die Planer vorgestellt, wobei der Ausschuss für Stadtentwicklung sich für diese ausgesprochen hatte: Auf Servicequalität zu setzen und sich auf familienfreundliches und seniorengerechtes Einkaufen zu konzentrieren. Strategien, sich auf Fahrradtourismus zu spezialisieren oder den Akzent auf klimafreundliches Einkaufen zu legen, wurden nach hinten geschoben.

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