Fäkalien fließen im Keller an der Schützenstraße ins Grundwasser

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In diesem Bassin im Keller von Nadja Abd El Gawad sammelt sich Grundwasser, mit einer Pumpe wird das sonst klare und geruchslose Wasser noch oben in den Kanal befördert. Die Fäkalien vom defekten Abwasserkanal auf dem Nachbargrundstück verunreinigen das Grundwasser, vor allem stinkt es erbärmlich im ganzen Haus. Ab Del Gawad spült ständig mit Leitungswasser nach.

Werdohl - Betritt man das Haus von Nadja Abd El Gawad an der Schützenstraße 1 a, muss der Gast gar nicht erst darauf aufmerksam gemacht werden: „Riechen Sie das?“ Der üble Geruch steigt sofort in die Nase. Im ganzen Haus riecht es aufdringlich nach Kloake. Seit Oktober erträgt Abd El Gawad diese eigentlich unerträgliche Situation – obwohl der defekte private Abwasserkanal gar nicht auf ihrem Grundstück liegt.

Die Frau, die das hinter ihrem Elternhaus an der Schützenstraße 1 liegende Gebäude mit der Hausnummer 1 a im Jahre 1999 gekauft hat, ist eine ruhige und unaufgeregte Person. An der Schützenstraße ist sie aufgewachsen, sie kennt alle Verhältnisse.

Schon 1997 wurde das Problem mit den privaten Abwasserkanälen aktenkundig. Direkt unter ihrem Wohnzimmerfenster verläuft ein privater Abwasserkanal, der definitiv undicht ist und seit Monaten ihren Keller mit stinkenden Abwässern durchströmt.

Das Problem: Der Kanal liegt auf dem Grundstück eines Nachbarn, der sein eigenes Abwasser ordnungsgemäß in einen wieder anderen Kanal einleitet. In den defekten Kanal leiten sieben Anlieger von der hinterliegenden Friedrichstraße ein. Weder der Nachbar, durch dessen Grundstück der Kanal lediglich verläuft, noch die Anlieger aus der Friedrichstraße sehen sich freiwillig zuständig, den kaputten Kanal reparieren zu lassen. Natürlich hat sich Nadja Abd El Gawag mehrfach an verschiedene Stellen bei der Stadtverwaltung gewandt. „Meiner Meinung nach muss die Stadt dafür sorgen, dass der Mist aus der Friedrichstraße nicht in den Keller meines Hauses läuft“, meint die Hausbesitzerin.

„Es riecht im ganzen Haus nach Klo, meine Sachen riechen, ich kann vor lauter Gestank nicht mehr gut schlafen“, klagt Nadja Ab Del Gawad. „In den Herbstferien war ich praktisch jeden Tag im Rathaus“, so die Hausbesitzerin. Peter Erwig von der Bauabteilung der Stadt hatte sich den Kanal vor Ort angeschaut, weil er zu der Zeit der einzig technisch Zuständige war.

Der türkischstämmige Nachbar hatte sich an den SPD-Ratsherrn Ali Akdeniz gewandt, der sich auch vermittelnd im Garten umsah. Zuletzt hatte sie immer wieder Kontakt mit Thomas Schmidt vom Sondervermögen Abwasser. In ihrer Not wandte sich Frau Abd El Gawad an Bürgermeisterin Voßloh, ein versprochener Rückruf von Fachbereichsleiter Thomas Schroeder blieb bislang aus. Vor ein paar Tagen hatte sie deshalb die Kommunalaufsicht beim Kreis in Lüdenscheid angeschrieben.

„Mein eigener Kanal vor meinem Haus ist in Ordnung. Ich mache nichts falsch, aber in meiner Wohnung stinkt es trotzdem“, so Nadja Ab Del Gawad, und weiter: „Die Fäkalien fließen in unser aller Grundwasser.“ Bei der Stadt ist das Problem schon länger bekannt, antwortete am Montag auf Nachfrage Fachbereichsleiter Thomas Schroeder. Verantwortlich für die Reparatur des Kanals seien die sieben Anlieger aus der Friedrichstraße.

Bereits seit Monaten Gespräche

„Mit denen sind wir seit Monaten in Gesprächen, dass sie sich gemeinsam um die Sanierung ihres privaten Kanals kümmern“, so Schroeder. Pro Haushalt müsse mit etwa 2000 bis 3000 Euro Kosten gerechnet werden. Doch diese Gespräche auf freiwilliger Basis seien gescheitert. Kurzfristige Übereinkünfte seien wieder zurückgenommen worden, keiner wolle für den anderen mitbezahlen.

Die Stadt habe in mehreren Ortsterminen versucht, freiwillig Einigung herzustellen. Jetzt bleibe der Stadt nichts anderes als die Drohung mit der Anordnung, in den öffentlichen Kanal in der Friedrichstraße entwässern zu müssen. Schroeder: „Das wird für den Einzelnen garantiert viel teurer.“

Die Anlieger bekämen jetzt die Aufforderung, sich kurzfristig zur freiwilligen Reparatur zu erklären. Falls dies nach einer Frist nicht geschehe, werde der Anschluss an den Kanal in der Friedrichstraße zwangsweise angeordnet. Schroeder: „Mich ärgert persönlich, dass hier unser guter Wille bestraft wurde.“

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