Ein unfassbar schönes Klangerlebnis zum Auftakt

Die französische Sängerin Yaelle Cinkey war kurzfristig eingesprungen und präsentierte Songs aus ihrem neuen Album, aber auch einen Klassiker von Edith Piaf. - Fotos: Koll

Werdohl - Den Gästen in der proppenvollen Musikkneipe Alt Werdohl stockt der Atem. Noch vor wenigen Augenblicken hatte Bassist Martin Engelien seine rechte Mühe damit, ein paar Kommunikationswillige im Saal zum Schweigen zu bringen, jetzt verstummen auch die Gespräche an der Theke weiter hinten in Kultwirt Pöngses Wohnzimmer.

Regie-Legende David Lynch würde sich, hätte er dem Quartett auf der Bühne in diesem Moment gelauscht, deren „Wicked Game“-Version als Ständchen zu seinem 70. Geburtstag am 20. Januar wünschen. Immerhin stammt der Hit von Chris Isaak aus seinem Film „Wild at Heart“. Doch so intim und berührend hatte man den Song bisher wohl noch nie gehört.

Die Go-Music-Veranstaltungsreihe von Klaus-Lage-Bassist Engelien ging am Freitagabend mit diesem unfassbar schönen Klangerlebnis ins nun bereits 20. Jahr. Nach dem Konzert waren sich die Konzertbesucher einig: „So was Gutes habe ich schon lange nicht mehr gehört, muss ich ehrlich sagen“, stellte der eine fest. Der nächste brachte seine Emotionen auf die einfache Formel: „Gänsehaut pur.“ Der Dritte rang nach Worten und stammelte: „Das ist der Hammer.“ Ein anderer Alt-Werdohl-Gast blickte zweieinhalb Stunden zurück, als er sagte: „Beim zweiten Stück brannte schon die Halle.“

Begeistert waren die Musikfans nicht nur von der spielend unter die Haut gehenden Stimme der Vokalistin Yaelle Cinkey, sondern auch vom intensiven Schlagzeugspiel Thomas Lievens sowie dem messerscharfen Groove von Jürgen Dahmen an den schwarzen und weißen Tasten seines Keyboards.

Improvisation ist die Maxime eines jeden Go-Music-Gigs – doch dieses Mal wohl noch mehr als sonst. Zwei Musiker des ursprünglich geplanten Quartetts waren im Laufe der Woche ausgefallen; Sängerin Cinkey war drei Tage vor dem Werdohler Auftritt dazu gestoßen, Drummer Lieven sogar erst am Tag des Konzerts.

Die Französin Cinkey präsentierte in Pöngses „Wohnzimmer“ ihr brandneues Debut-Album „Gonna Make a Change“, aus welchem sie die Songs „Pas l’impression“, „Say you love me“ und „Please believe me“ spielte. Ersteren hatte die 26-Jährige schon im Alter von zwölf Jahren geschrieben.

Doch auch die Cover-Versionen verzauberten die Fans in der Musikkneipe. Dazu gehörte auch eine Interpretation von „Two of us“ – im Original von Bill Withers. Am Freitag erklang sie als südamerikanische Kreuzung aus Tango und Samba, von Dahmen zum Schluss in Richtung Funk getrieben. Beim AC/DC-Klassiker „Highway to Hell“ bewies der Keyboarder später, dass er mit seinem Spiel sogar irgendwie adäquat krachende E-Gitarren-Riffs ersetzen kann.

Den krönenden Abschluss des Abends setzte jedoch erneut Sängerin Cinkey. Mit der Feststellung, dass sie Deutschland liebe, kündigte sie ihre wunderbare Inszenierung von Edith Piafs „Je ne regrette rien“ an – ein Erlebnis. Zum Schluss dankte sie Engelien, der auch ihr Album produzierte. Den Bassisten nennt sie deshalb auch längst „Papa“.

Was mag nach diesem ersten Go-Music-Höhepunkt des noch jungen Jahres noch kommen? Martin Engelien hatte zum Schluss des Abends doch auch auf diese Frage bereits eine Antwort: Im März kehrt er nach Werdohl zurück. Gemeinsam mit Gitarrist Dennis Hormes und Drummer Dirk Brand wird er dann ein Live-Album bei Pöngse aufnehmen – und zwar anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums des Sängers Gil Edwards. Der langbärtige Sänger stammt aus Amerika und lebt in Norwegen. Er kennt das Alt Werdohl und sein Publikum und wünschte sich diesen Ort für seine CD-Aufnahme.

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