Mofas und Roller am Donnerstagmorgen im Visier der Beamten

Vor dem Unterricht leuchtet die Anhaltekelle der Polizei

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Christoph Flesch (vorne) und Karsten Silz sind im Hauptverkehrsdienst der Polizei des Märkischen Kreises aktiv und kennen jeden Trick, wie man aus einem Mofa eine Rennmaschine macht.

Werdohl - Im Rahmen einer Schwerpunktkontrolle überprüfte die Polizei am Donnerstagmorgen gegen sieben Uhr Mofa- und Rollerfahrer. Auch ihre Fahrzeuge wurden von den Beamten unter die Lupe genommen.

Vom weiten ist bereits ein leises Brummen – ähnlich dem eines Rasenmähers – zu hören. Der Werdohler Polizeikommissar Tobias Felten greift zur Anhaltekelle und wartet, dass der Motorroller, der sich durch seine Geräusche ankündigt, die Stadionstraße passiert. Noch ehe der 16-jährige Fahrer ahnen kann, dass er in wenigen Augenblicken kontrolliert werden wird, beweist Karsten Silz, dass er ein Profi in Sachen Krafträdern ist: „Das ist kein Böser. Man hört schon, dass an dem Roller nichts gemacht wurde.“

Die Ohren des Hauptverkehrsdienst-Beamten sollen ihn nicht täuschen: Der Roller des 16-jährigen Werdohlers ist fabrikneu. Da der Fahrer im Besitz eines entsprechenden Führerscheins ist, darf er den auf 45 Stundenkilometer zugelassenen Roller ohne zusätzliche Drosselung fahren. „Weitere Manipulationen können ebenfalls ausgeschlossen werden“, urteilt Silz nach seiner Begutachtung. Dies bestätigt das ruhige und freundliche Auftreten des Rollerfahrers: „Als mir der Polizist das Anhalte-Signale gab, hab ich mir gar keine Sorgen gemacht. Ich wusste ja, dass es nichts zu verbergen gibt.“

Mofas und Roller im Visier der Polizei

Im Rahmen einer Schwerpunktkontrolle hatten die Beamten am Donnerstagmorgen Station auf einem gut getarnten Parkplatz, kurz vor der Albert-Einstein-Gesamtschule, bezogen. Ihr Ziel: Mofa- beziehungsweise Rollerfahrer und ihre Fahrzeuge zu kontrollieren. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Geschwindigkeit: „Mofas dürfen 25, Roller 45 Stundenkilometer fahren“, erklärt Karsten Silz. Für ein Mofa reicht eine Prüfbescheinigung, die Jugendliche bereits mit 15 Jahren erwerben können – eine praktische Fahrprüfung gibt es nicht. Um einen Roller fahren zu dürfen, muss in der Fahrschule ein entsprechender Führerschein mit theoretischer und praktischer Prüfung erworben werden.

Geschwindigkeit in Sekunden ermittelt

Mit einem mobilen Rollenprüfstand kann die Polizei in wenigen Sekunden die Drehzahl und damit die Geschwindigkeit des Zweirads ermitteln. Doch auch auf den allgemeinen Zustand des Fahrzeugs werfen die Beamten einen Blick: „Wir achten zum Beispiel besonders darauf, dass die Bremsen intakt sind.“ Wenn zusätzliche Umbauten, wie beispielsweise das Anbringen eines Sportauspuffs, getätigt wurden, werden diese – sofern sie den Zulassungsbestimmungen entsprechen – in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Fehlt eine solche Zulassung, erlischt die Betriebserlaubnis automatisch, eine Anzeige ist die Folge.

Wird eine solche Anzeige erstmals gegen einen Fahrzeugführer verhängt, kann dieser laut Karsten Silz darauf hoffen, dass sie ohne Folgen bleibt. „Die Anzeige ist in einem solchen Fall als erste und letzte Warnung zu verstehen.“ Sollte die Akte eines Fahrer im selben Bezug zum zweiten Mal auf dem Schreibtisch des Staatsanwalts landen, könne nicht mehr mit Milde gerechnet werden: „Sozialstunden sind dann mindestens fällig.“

Mit einem „komplett beratungsresistenten Rollerfahrer“ hatte es Silz vor einiger Zeit zu tun: „Nach der fünften Anzeige hat die Staatsanwaltschaft den Roller, der bis zu 113 km/h schnell fuhr, als Tatmittel eingezogen und verschrotten lassen.“

Gnade vor Recht

Soweit kam es gestern nicht. Das Mofa eines ebenfalls 16-Jährigen brachte 31 km/h auf den Prüfstand – sechs km/h zu viel: „Doch da wollen wir nicht päpstlicher sein als der Papst“, sorgte Karsten Silz für große Erleichterung beim jungen Werdohler, der auf dem Weg zur Schule war. Ihm rieten die Polizisten jedoch, schnellstens das Lenkkopflager seines Rollers erneuern zu lassen, dieses sei bereits stark verschlissen. Zudem muss er die Sozius-Fußrasten entfernen, Beifahrer sind auf Mofas nicht erlaubt.

"Wetttuning"-Trend nimmt ab

Allgemein habe das „Wetttuning“, dass vor rund zehn Jahren seinen Hochpunkt hatte, abgenommen. „Damals waren 80 Prozent der Roller getunt“, erinnert sich Karsten Silz. Doch der abnehmende Trend wurde durch die gestrige Schwerpunktkontrolle bestätigt: „Und darüber sind wir auch froh!“

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