Unbegleitete Minderjährige „eine große Herausforderung“

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Allein gereiste junge Flüchtlinge werden bald bundesweit verteilt

Werdohl - 43 Flüchtlingskinder im Alter bis sechs Jahren und 38 zwischen sieben und 17 Jahren sind bisher in Werdohl angekommen. Das berichtete Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak am Dienstagabend.

„Es kommt noch eine Flut von Familien und Kindern auf uns zu“, kündigte Dworschak den Mitgliedern des Jugendhhilfeausschusses an. Ganz leicht seien die damit verbundenen Aufgaben nicht zu bewältigen. „Es gibt enorme sprachliche Barrieren“, sagte Dworschak. Hinzu komme in manchen Fällen ein gewisses kulturelles Unverständnis sowie die Tatsache, dass die Flüchtlinge aufgrund ihrer Erlebnisse zum Teil traumatisiert seien.

Eine große Herausforderung seien die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen. Das Landesjugendamt Rheinland weise allen Jugendämtern eine gewisse Anzahl dieser Jugendlichen zu. Insgesamt seien es circa 10.000. „Wenn es ganz schlimm kommt, könnte Werdohl zehn unbegleitete Minderjährige zugewiesen bekommen“, erklärte Dworschak und verdeutlichte: „Die untere Grenze wären vier – und das müsste hier vor Ort leistbar sein.“ Täglich kämen neue Informationen zur Verteilung dieser Personengruppe, ab dem 1. November könne mit dem Eintreffen der Minderjährigen in Werdohl gerechnet werden.

„Jeder Einzelne muss von uns in Obhut genommen werden“, sagte die Jugendamtsleiterin. Wohngruppen müssten geschaffen werden, und für jeden der Betroffenen müsse die Stadt einen Vormund stellen. Hinzu kämen weitere Vorgaben: „Geschwister dürfen nicht getrennt werden, Fluchtgemeinschaften sollen erhalten bleiben“, erklärte Dworschak. Das Jugendamt habe die Verpflichtung, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu hören und Familienangehörige ausfindig zu machen. „Die Erstversorgung wird uns sehr viel Zeit kosten“, stellte Sybille Dworschak fest.

14 Kita-Plätze für Flüchtlingskinder

In den Werdohler Kindertageseinrichtungen stünden 14 Plätze für Flüchtlingskinder zur Verfügung. „Wenn wir jede Überbelegung nutzen, könnten wir 23 weitere Plätze aktivieren“, berichtete die Jugendamtsleiterin. In diesem Bereich sei also ausreichend Bewegungsmöglichkeit vorhanden. Bezüglich der Frühen Hilfen plane das Jugendamt eine Ausweitung der Neugeborenenbesuche für Kinder im Alter bis zu einem Jahr, um bei Bedarf noch präventiv tätig werden zu können.

Einzelne Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien fänden inzwischen auch den Weg in städtische Jugendräume in Werdohl. Diese Durchmischung berge auch Konfliktpotenzial. „Beispielweise wird die Zu- oder Abneigung gegenüber Bevölkerungsgruppen in Konfliktgebieten hier weiter gelebt“, stellte Dworschak fest. Gravierende Probleme gebe es bisher aber nicht.

Mit Blick auf die Gesamtsituation sprach sie der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe in Werdohl erneut ein großes Lob aus: „Dort wird eine ungeheure Vorarbeit geleistet.“ Ganz wichtig sei auch der kreisweite Zusammenschluss der Jugendämter, der in vielen Bereich eine Kooperation ermögliche.

„Damit, dass jetzt schon 81 Kinder und Jugendliche in Werdohl sind, habe ich tatsächlich nicht gerechnet“, stellte der Ausschussvorsitzende Frank Jardzejewski nach diesem detaillierten Bericht fest. Er lobte die Jugendamtsleiterin und ihre Mitarbeiter: „Ich habe den Eindruck, dass sie die Situation sehr gut im Griff haben.“

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