Mehr Zeit, mehr Vielfalt

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Der Shantychor trat erstmals mit neuem Gitarristen auf. Unverändert war die Leichtigkeit des Sänger-Ensembles, mit dem sie das Publikum zum Mitklatschen animieren.

Werdohl - Günter Vogt trat auf die Bühne und sah einen nur zur Hälfte gefüllten Saal. Angesichts dessen sagte er zur Begrüßung zum mittlerweile 39. Gemeinschaftskonzert im Festsaal Riesei – die Premiere fand 1978 statt: „Nun, wir ärgern uns nicht über die, dei nicht da sind. Wir freuen uns über Sie, die Sie hier sind.“

Was folgte, waren zwei vergnügliche Stunden, die – aufgrund von Terminproblemen im Vorfeld – von lediglich vier Ensembles mit Programm gefüllt wurden. So hatte jede Musik- und Gesangsgruppe mehr Zeit und so wurde die Vielfalt, die jeder einzelne Verein im Repertoire hat, nur umso deutlicher.

Erneut moderierte Sebastian Hoffmann den Nachmittag. Das Tambourcorps Einigkeit Werdohl stellte er den Zuschauern mit den Worten vor: „Sie sehen hier sehr viele junge Leute. Das ist nicht bei jedem Verein so.“ Und für Nachwuchs scheint so weiterhin gesorgt zu sein: Eine Flötistin trat hochschwanger auf.

Beim Tambourcorps gingen leise Passagen, Dynamik und wunderschöne Melodien eine gelunge Symbiose ein. Im Publikum wippten sogleich die Füße und Knie im Takt. Besonders beim Stück „Spiel voran“ war die Musik ein wahrer Hochgenuss, denn in dieser Komposition tirilierte die Piccoloflöte derart ungestüm, dass vor dem geistigen Auge ein kleines Vögelein auftauchte und somit der Frühling schon anklopfte.

Vor der Pause spielten dann noch die Zauberlehrlinge der Musikschule Lennetal. Moderator Hoffmann wurde da auch zum musikalischen Leiter. Die Titelmelodie der TV-Serie „Pippi Langstrumpf“ kündigte er mit der Feststellung an: „Pippi müsste auch heute noch ein Vorbild sein.“ Aber er stellte besorgt fest, „dass die Kinder heute in der Schule mehr arbeiten als ein Erwachsener mit 40-Stunden-Woche und Überstunden“.

Bevor die Kleinen von der Bühne gingen, spielten sie eine Komposition namens „Irischer Tanz“. Diese stammt mitnichten von der grünen Insel – nein, Musikschullehrer Hoffmann hat sie erdacht und zwar, wie er sagte, eigens für dieses Gemeinschaftskonzert.

Nach der Pause lockte der Shantychor wieder zurück in den Saal. Er trat erstmals mit dem neuen Gitarristen Achim Benner aus Plettenberg auf. Ein Teil des Publikums folgte der Aufforderung der maritimen Sänger, mitzuklatschen, alsbald sehr gerne. Aus Johnny Cashs „The Lady From Baltimore“ machten sie einen Shanty. Aus der Geschichte, in welcher Cash eine Frau ausrauben wollte, sich aber in sie verliebte, machten sie eine von einem Seefahrer, der von einer leichten Dame beraubt wurde. Auch Heinos „Karamba, Karacho, ein Whiskey“ und „It’s a Long way to Tipperary“ von Jack Judge über einen irischen Gastarbeiter, der sich nach seinem Zuhause sehnt, fanden Platz in ihrem Programm.

Zum Schluss sang der Männerchor 1847/91, dessen Auftritt von Moderator Hoffmann eingeleitet wurde mit der Feststellung, dass es in Werdohl vor einem halben Jahrhundert noch neun Männer- und zwei gemischte Chöre gegeben habe: „Ihr seid die Letzten, die übrig geblieben sind. Das finde ich schade.“ Der Chor sang unter anderem das Bierlied: „Das ist, was ich am liebsten mag mit meinen Freuenden hier.“ Nun, nach dem Konzert mag es vielleicht ein kühles Blondes für die Sänger gegeben haben.

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