Awo-Schuldnerberaterin zieht Bilanz bei Überschuldungen

+
Ende Mai ging die langjährige Schuldnerberaterin Ulrike Weißberg (re.) in Ruhestand, ab Juli wurde die Stelle bei der Awo mit Marie Preising wiederbesetzt.

WERDOHL - Fünf Haushalte in Werdohl haben mehr als 100 000 Euro Schulden und werden von der Awo in dieser Angelegenheit beraten. Das ist ein Aspekt des Schuldnerberatungsberichtes 2015, den die neue Beraterin Marie Preising jetzt vorgelegt hat.

Die Awo bietet Schuldnerberatung auf der Lenneschiene und in Neuenrade an, für jede Kommune weist der jährliche Bericht eigene Zahlen aus.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 448 Ratsuchende langfristig beraten, dazu kamen 530 Kurzberatungen unter einer Stunde Zeitdauer. In Werdohl wurden 119 Personen betreut, die meisten im Alter zwischen 30 und 50 Jahre.

Allerdings sind auch die Verschuldungen bei zwischen 18- und 25-Jährigen bemerkenswert hoch. Fast 30 Prozent der Schuldner dieser Altersgruppe haben in diesem Lebensalter ihre erste Überschuldung erfahren. 30 Prozent sind im Alter zwischen 26 und 30 Jahre in die Schuldenfalle geraten.

Der Erwerbsstatus des Haushaltsvorstandes der Schuldner in Werdohl sagt viel aus: 57 der 119 sind arbeitslos, zehn sind Rentner, 40 Personen sind in Arbeit. 53 Schuldner sind deutsche Staatsangehörige, 11 sind Zuwanderer mit deutschem Pass und 55 sind Ausländer. In 31 Haushalten leben zwei Kinder, in 52 Haushalten keine, Familien mit drei und mehr Kindern sind seltener.

Immerhin 41 Personen in Ein-Personen-Haushalten haben ein Einkommen bis zur Pfändungsgrenze, das ist auch bei 19 Zwei-Personen-Haushalten der Fall. Die Haushalte mit mehr Personen haben in der Regel kein Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze. 53 verschuldete Werdohler beziehen ausschließlich Arbeitslosengeld II, immerhin 42 Personen haben Lohn oder Gehalt.

Grob gesagt ist die Hälfte aller Schuldner trotz regelmäßigen Einkommens verschuldet. Die meisten haben Schulden im Bereich zwischen 10 000 und 50 000 Euro. Die Hälfte aller Schuldner kann Bankkredite nicht mehr tilgen, etwa 30 Prozent haben Miet- und Energieschulden sowie Schulden bei Einzelhändlern und Dienstleistern.

58 Prozent können ihre Telekommunikationsrechnung nicht mehr bezahlen, 37 Prozent bedienen ihre Versicherungen nicht mehr und 41 Prozent wissen nicht mehr die Schulden aus Internet-Käufen zu begleichen. 45 Schuldner haben mit zwischen einem und fünf Gläubigern zu tun, elf Schuldner müssen zwischen 21 und 50 verschiedene Gläubiger bedienen. Die überwiegende Zahl – 98 von 119 – kommt aus eigener Initiative zur Schuldnerberatung.

Ein Viertel der Ratsuchenden ist durch Arbeitslosigkeit in Schwierigkeiten geraten, 20 Prozent durch Einkommensrückgang sowie 18 Prozent durch Unfall, Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit.

Die weiteren Ursachen sind mehr oder weniger selbst verschuldet: Zehn Prozent sind durch Scheidung und zehn Prozent durch Konsumverhalten in die Überschuldung geraten. Lediglich acht Personen hat die geplatzte Immobilienfinanzierung in den Ruin getrieben.

Die Schuldnerberatung der Awo ist wirksam: Von den 201 abgeschlossenen Beratungsfällen auf der Lenneschiene wurden 131 reguliert und 25 zumindest teilreguliert. Ungeregelt aus der Beratung entlassen sind 36 Fälle.

Schuldnerberaterin Marie Preising ist unter Tel. 0 23 92/50 53 93 (Mo. bis Do. 8 bis 12 und 13.30 bis 15 Uhr) zu erreichen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare