„Man kann mit Wasser nicht gut genug umgehen“

Vorher: Ein altes Wehr versperrte Fischen und Kleinstlebewesen den Weg. Die gewünschte Durchgängigkeit des Gewässers war nicht gegeben.

Werdohl - „Die Renaturierungsmaßnahmen, die wir in Werdohl umgesetzt haben, haben sich gelohnt. Man kann mit dem lebenswichtigen Gut Wasser nicht vorsichtig genug umgehen“, sagt Peter Erwig aus der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement im Werdohler Rathaus. Er berichtet von zwei Maßnahmen, die jetzt abgeschlossen werden konnten.

Sowohl an der Hammer- als auch an der Blumenstraße im Versetal sind die Bagger bereits wieder verschwunden. „In diese beiden Maßnahmen sind insgesamt 60 000 Euro investiert worden“, sagt Peter Erwig. Allerdings habe die Bezirksregierung 90 Prozent dieser Kosten übernommen.

In Kleinhammer fließt die Verse direkt neben dem Parkplatz der Firma Kehratec entlang. „Dort war ein Querbauwerk im Flussbett, das wurde entfernt“, erklärt Erwig. Wozu das circa 80 Zentimeter hohe und sechs Meter tiefe Bauwerk früher diente, ist nicht bekannt. „Wir haben jede Menge Schrott gefunden. Das deutet darauf hin, dass es zur Wasserentnahme genutzt wurde oder in Verbindung mit Wasserkraft stand“, stellt der Rathausmitarbeiter fest. Das eigentliche Betonbauwerk sei mindestens 40 Jahre alt, schätzt Erwig. Andere Bauteile seien aber wesentlich älter.

Im Zuge der Renaturierungsmaßnahme ab dem 14. September wurde das Flussbett auf einer Länge von insgesamt 35 Metern angehoben. „Um circa 80 Zentimeter“, schildert Peter Erwig. Wasserbausteine seien ins Versebett eingebaut worden, insgesamt hätten die Mitarbeiter des Unternehmens Gebrüder Schmidt aus Kirchen-Freusburg circa 400 Tonnen Material verbaut. Obwohl die Arbeiten zügig vorangingen, hätten die Mitarbeiter des Unternehmens auch mit Problemen zu kämpfen gehabt: „Es gab Untiefen in der Verse, die natürlich auf keiner Karte verzeichnet waren.“

Auf die Entfernung einer alten Stützmauer im Uferbereich wurde verzichtet. Der öffentliche Kanal verlaufe parallel zur Verse – in unmittelbarer Nähe der Mauer. „Den Kanal wollten wir nicht verlegen, das wäre zu aufwändig gewesen. Jetzt überlassen wir das Mauerstück der Natur“, erklärt der Rathausmitarbeiter. Das gilt auch für die Wurzeln der Bäume, die im Zuge der Maßnahme gefällt wurden. „Hätten wir die entfernt, wären Kraterlöcher entstanden“, erläutert Peter Erwig.

Seinen Dank richtet er an die Verantwortlichen der Kehratec GmbH: „Sie haben voll mitgezogen. Ansonsten wäre diese Maßnahme nicht möglich gewesen.“ So habe es sich auch ergeben, dass die Leitplanke, die bisher den Parkplatz vom Böschungsbereich der Verse abgrenzte, durch große Grauwacke-Blöcke ersetzt werden konnte.

Offiziell sei die Maßnahme erst abgeschlossen, wenn die wasserrechtliche Abnahme erfolgt sei. „Es kann sein, dass wir noch einige Schwarzerlen pflanzen sollen“, meint Erwig. Schwarzerlen sind typische Bewohner von Bachufern. Sie überstehen auch Dauerüberflutungen gut. Durch ihr ausgeprägtes Wurzelsystem können sie zur Befestigung des Uferbereiches beitragen.

Auch an der Blumenstraße, dort verläuft die Verse parallel zur Bundesstraße 229, wurde das Flussbett angehoben. Allerdings habe man dort die Bäume am Ufer größtenteils erhalten können, berichtet Erwig. Wie an der Hammerstraße sei das Gewässer nun auch an dieser Stelle für die Flusstiere – Fische und Kleinstlebewesen – wieder durchgängig passierbar.

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