„In der Lenne kann sie sich abkühlen“

Die Gemeingefährlichkeit einer alten Dame soll jetzt die vierte Strafkammer des Hagener Landgerichts beurteilen.

Werdohl - Die vierte große Strafkammer des Landgerichts Hagen verhandelt in einem Sicherungsverfahren gegen eine 74-jährige Werdohlerin. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, einen Nachbarn mit einem Messer angegriffen und seine Frau mit Äpfeln beworfen zu haben.

Vorfälle jenseits dieser Angriffe beschäftigten die Kammer gestern. Eine 43-jährige Zeugin berichtete, dass ihr Mann von der Beschuldigten mit einem Baseball-ähnlichen Schläger bedroht worden sei. Nach einem Schiedsverfahren habe sie sich dafür entschuldigen müssen. Ihre Tochter habe sich öfters auf anderen Grundstücken versteckt und zuhause angerufen, wenn ihr die alte Dame in die Quere kam: „Mama, rette mich.“ Weil die Familie die Pferde der alten Dame nicht mehr auf einem brachliegenden Baugrundstück dulden wollte, kaufte sie kurzerhand das Grundstück.

Zwei gute Jahre habe es mit dieser Nachbarin gegeben – vor 21 Jahren sei es „irgendwie anders“ geworden. An ein Ereignis, das den Umschwung hervorgebracht haben könnte, könne sie sich aber nicht erinnern. „Es waren Kleinigkeiten, die nervig sind und in der Masse Angst machen.“

Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen hakte nach: „Ist die richtig gefährlich, oder sind das Lästigkeiten?“ Die Zeugin beschrieb ihren persönlichen Eindruck: „Mein Gefühl sagt mir, sie ist eine alte kranke Frau, und die sollte nicht alleine leben.“

Ein 78-jähriger Rentner, Nachbar „seit 40 Jahren“ hatte „bis vor vier bis fünf Jahren“ ein gutes Verhältnis zu ihr. Dann „passierten Dinge, und die gute Nachbarschaft war gestört“. „Mein Auto wurde zerkratzt und meine Gartenanlage verwüstet.“ Dass die Beschuldigte dafür verantwortlich war, hatte der Zeuge nicht mit eigenen Augen gesehen. Doch einen Vorwurf der Gemeingefährlichkeit wollte der Zeuge nicht erheben.

Vorwürfe, die alte Dame habe ihren verstorbenen Ehemann gerne mal verprügelt, erhärteten mehrere Zeugen. „Ihr Mann saß im Rollstuhl, und sie schlug auf ihn ein“, erinnerte sich ein 44-Jähriger. „Ich habe ihr angeboten, sie in die Lenne zu schmeißen – da kann sie sich ein bisschen abkühlen.“ Der Zeuge berichtete auch von einer Verdrehung der Tatsachen, wie sie typisch zu sein scheint für die Wahrnehmung der 74-Jährigen: „Sie nahm ihre Zähne heraus und behauptete, ich hätte sie ihr rausgeschlagen.“

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