Lenne-Fledermäuse nur daumengroß

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Gabi Grüne vom Naturschutzzentrum des Märkischen Kreises erzählte den Kindern, wie Fledermäuse jagen.

Werdohl - Ein bisschen unheimlich ist es offensichtlich schon. Die Kinder, die eben noch vorrannten und wild die Gegend erkundeten, wurden sichtlich ruhiger als der Aussichtspunkt näher kam. Denn an der Lenneplatte soll es Fledermäuse geben. Und genau die wollten rund 30 Werdohler am Freitagabend beobachten und kennenlernen. Dafür waren sie mit echten Fledermausexperten unterwegs.

Bei Einbruch der Dunkelheit ging es an der Uferpromenade in Höhe des Fritz-Thomée-Platzes los. Gabi Grüne vom Naturschutzzentrum des Märkischen Kreises und ihr Partner Ralf Blauschek von der Biologischen Station Hagen waren sich sicher: „Heute werden wir einige Fledermäuse sehen.“ Denn das Gebiet an der Lenne sei der ideale Lebensraum für die nachtaktiven Tiere.

Das Wasser, der nahe Wald und die vielen Höhlen und Felsvorsprünge bieten den Tieren ideale Bedingungen. „Ich wette, fast jeder von Ihnen hat schon einmal eine Fledermaus gesehen, aber sie schlicht nicht als solche erkannt. Sie sind so klein, dass sie schnell für einen Spatz oder eine Meise gehalten werden“, erklärte Blauschek. An der Lenne leben überwiegend Wasser- und Zwergfledermäuse. Die sind ungefähr so groß wie ein Daumen. Erst wenn sie ihre Flügel ausspannen, wirken sie deutlich größer.

Wie genau die kleinen Tiere aussehen, zeigte Blauschek anhand eines toten Tieres, das am Morgen bei ihm abgegeben worden war. So klein hatten sich die Kinder das Tier nicht vorgestellt, ist es doch in Büchern meist viel größer. Sofort schwand die Angst und wich einer schier unbändigen Neugierde. „Wie jagen die Tiere denn, wenn es so dunkel ist?“, wollte ein Junge wissen. Während Gabi Grüne den kleinen Teilnehmern erklärte, wie die Tiere mittels Schall ihre Beute erkennen und verfolgen, erklärte Blauschek den Erwachsenen den Fledermaus-Detektor, mit dem der Schall übertragen wird, mit dem die Fledermäuse kommunizieren und jagen. Doch die Fledermaus selbst ist auch Vorbild für andere Technik. „Über Jahrzehnte versuchen wir Menschen das Sonarsystem nachzubauen. Doch wir brauchen dafür einen großen Kasten, jede Menge Kabel und Technik. Die kleine Fledermaus nicht, das macht sie zu etwas ganz Besonderem“, erklärte der Experte. Blauschek ist ein echter Fan der kleinen Fledermaus: „Die Tiere sind quasi seit Millionen Jahren unverändert und viel älter als der Mensch. Außerdem sind sie die einzigen fliegenden Säugetiere.“

Was viele Besucher noch nicht wussten: Auch die Fledermaus zieht in ein Winterquartier. Allerdings nicht so weit. Gute 200 Kilometer geht es für sie im Herbst in Richtung Süd-Westen. „Daher sehen wir heute vermutlich Tiere, die bisher eher in Norddeutschland unterwegs waren“, erklärte Blauschek. Da es aber auch 200 Kilometer weiter südlich noch ziemlich kalt ist, halten Fledermäuse Winterschlaf – eine weitere Besonderheit bei Säugetieren. „Nur ganz wenige Säuger machen das so“, betont Blauschek.

Als die Vögel langsam verstummten, begann endlich die Zeit der Fledermäuse. Gespannt warteten die Teilnehmer auf die erste Sichtung – und die ließ nicht lange auf sich warten. Es waren nur Sekunden, aber nach all dem, was die Besucher bisher gelernt hatten, war klar: „Da war eine Fledermaus!.“

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