Leichter Aufschwung auf Werdohler Immobilienmarkt

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Mit einem Mobilkran wurden die bis zu sechs Tonnen schweren Bauteile an Ort und Stelle gebracht.

Werdohl - Im Eiltempo entstand jetzt Am Höltchen in Pungelscheid ein dreigeschossiges Einfamilien-Fertighaus mit Garage. Dazu rückte schweres Gerät an, um die einzelnen Betonteile an Ort und Stelle zu bringen.

Baukräne sind im Stadtbild zwar eher selten, doch auf dem Werdohler Grundstückmarkt ist dennoch Bewegung, sagt Hans-Peter Höffner, Immobilienberater der Volksbank im Märkischen Kreis.

Laut eines Berichtes des Gutachterausschusses für Grundstückswerte ist der Grundstücksmarkt im Kreis seit Jahren sehr ausgeglichen und stabil. In Werdohl finden Bauherren vergleichsweise günstiges Land. „Für 85 bis 105 Euro pro Quadratmeter bekommt man in der Stadt ein voll erschlossenes Grundstück“, sagt der Werdohler Immobilienberater. Die Schwierigkeit auf dem Markt sei allerdings, die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Neu- und Gebraucht-Immobilien, erklärt Hans-Peter Höffner, der dafür Zahlen vorlegt: „Die Gesamtkosten für ein schlüsselfertiges Standardhaus von 120 Quadratmetern belaufen sich inklusive der erhöhten Grunderwerbssteuer sowie Einfriedung und Garage auf rund 250 000 Euro. Für eine gute, gepflegte Gebraucht-Immobilie bezahlt man hingegen zwischen 60 000 und 300 000 Euro. Für viele, die sich nach einem Eigenheim umschauen, ist das eine Alternative. Sie bekommen eine fertige Immobilie in einem gewachsenen Umfeld,“ so der Immobilienfachmann.

Dennoch herrsche in der Stadt keine Bauflaute. Auch der Bauherr in Pungelscheid hat sich bewusst für Werdohl und fürs Bauen entschieden. Nach eigenen Aussagen sei für ihn der ausschlagende Punkt gewesen, für sich und seine Familie ein Zuhause zu schaffen. Bei der Planung des Hauses, für das lediglich vier Montage-Tage nötig wurden, legte er großen Wert auf Barrierefreiheit: „Das Haus ist vollkommen altersgerecht durchgeplant. Wir haben darauf geachtet, dass unsere Familie lange etwas davon hat und wir im Alter flexibel sind.“In Deutschland lasse sich von einem „Bauboom“ sprechen, sagt Jens Gerlach, Montageleiter der Firma Dennert Massivhaus aus Thüringen, die das Fertighaus in der Straße Am Höltchen aufgebaut hat.

Niedrige Zinsen geben Aufschwung

„Unsere Firma ist bundesweit unterwegs und unsere Auftragsbücher sind voll. Gerade an den Fertighäuser erkennt man den Trend sehr gut“, so Jens Gerlach. Die derzeitigen historisch niedrigen Baukreditzinsen – sie liegen zwischen 1,29 und zwei Prozent – würden dem Markt Aufschwung geben.

Von einem „Boom“ möchte Thomas Schröder, Leiter der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement der Stadt Werdohl, nicht sprechen: „Doch es bewegt sich etwas in diesem Bereich.“ Im derzeit einzigen Werdohler Neubaugebiet Düsternsiepen, das im Besitz der Stadt ist und dessen alleiniger Vermarkter die Volksbank ist, hat sich seit der Erschließung 2003 viel getan. Schröder: „Es läuft langsam aber sicher voll“, so der Bauamtsleiter. Gut die Hälfte der 61 Grundstücke, die zwischen 336 und 774 Quadrameter groß sind, seien bereits verkauft, kann Hans-Peter Höffner berichten.

Dennoch bleiben laut des Gutachterberichtes reine Bauland-Verkäufe in Werdohl eher die Ausnahme. In 2012 und 2013 wurden acht, in 2014 neun Grundstücke verkauft. Auch auf absehbare Zeit sei keine Erschließung von neuem Bauland im Stadtgebiet geplant, sagt Thomas Schröder. Die Geschäfte mit bebautem Land liefen hingegen besser – der Demografische Wandel spiele dabei eine große Rolle, da sind sich Schröder und Höffner einig. „In Werdohl ist genug Wohnraum vorhanden. Die Leute werden älter und ihre Kinder ziehen weg. Also warum sollten die Menschen dann noch an einem großen Haus festhalten“, sagt der Immobilienexperte. Dennoch sei es ihm in der letzten Zeit häufig gelungen, neue Bauherren aus der Region anzulocken. In Düsternsiepen sei etwa an vier oder fünf Lüdenscheider verkauft, so Höffner.

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