Zwei Frauen stehen bei der Feuerwehr ihren Mann

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Schutz geht über Komfort: Viel zu tragen hat Feuerwehr-Frau Denise Bebensee, wenn sie die volle Einsatz-Kleidung anlegt. - Foto: Meyer

Werdohl -  Andere Menschen können an den Feiertagen die Seele baumeln lassen. Lea Langner und Denise Bebensee stehen hingegen immer auf Abruf. Die beiden jungen Frauen sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl. Einsätze an den Festtagen gehören für sie einfach dazu.

Leicht sei es aber nicht immer, Privatleben und Dienst unter einen Hut zu bringen, wissen die beiden Feuerwehr-Frauen. „Es ist schon doof, wenn wir an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum sitzen und dann der Melder piept“, sagt die 21-jährige Lea Langner, die „schon immer zur Feuerwehr“ wollte. Bei ihr zuhause bringt ein Einsatz die Festtags-Planung gehörig durcheinander. Schließlich sind auch ihre beiden Brüder bei der Feuerwehr. „Das ist aber alles Einstellungssache“, sagt ihre ein Jahr jüngere Kameradin Denise Bebensee.

Auch sie hat sich bewusst für das Ehrenamt entschieden. „Auch bei mir in der Familie sind alle bei der Feuerwehr. Das erste Mal zur Jugendfeuerwehr mitgenommen hat mich aber Lea.“ 14 Jahre alt war Denise Bebensee damals. Mittlerweile ist sie zwei Jahre bei der Löschgruppe Brüninghaus. „Wir sind wie eine große Familie. Hier ist immer jemand, zu dem du gehen kannst, wenn du ein Problem hast“, sagt Lea Langner, die seit dreieinhalb Jahren beim Löschzug Kleinhammer ist und mit zwölf Jahren bei der Jugend-Wehr anfing.

Rund 110 aktive Wehrleute gibt es in Werdohl. Hinzu kommen 30 Nachwuchskräfte. Lea Langner und Denise Bebensee gehören zu den insgesamt fünf Feuerwehr-Frauen in der Stadt. Vorbehalte gegenüber dem weiblichen Geschlecht gibt es nicht, sagt Stadtbrandinspektor Manfred Theile. „Bei uns werden keine Unterschiede zwischen Mann oder Frau gemacht.“ Egal, ob Funk, ABC, Lkw-Fahren, Maschinisten oder Truppführer: Frauen haben bei der Werdohler Feuerwehr die gleichen Ausbildungs-Chancen wie die Männer.

Die 21-jährige Lea Langner ist sich nicht zu fein, richtig anzupacken. Bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl sitzt die junge Frau am Steuer des großen Löschfahrzeugs. - Foto: Meyer

„Du darfst dir nicht zu fein sein, richtig anzupacken“, sagt Lea Langner. Sie ist Inhaberin eines Führerscheins der Klasse C, bei Einsätzen sitzt sie am Steuer des Löschfahrzeugs. Auf mögliche Vorurteile hat ihre Kameradin die passende Antwort: „Wir fahren natürlich auch ungeschminkt zum Einsatz. Wir sehen nämlich auch in Uniform schick aus. Bei langen Einsätzen merkst du schon die schwere Kleidung. Vor allem die Stiefel.“ Verzichten möchte und kann sie auf die Sachen aber nicht. „Die Feuerwehr-Leute setzen bei vielen Einsätzen für andere ihre Gesundheit aufs Spiel. Ihr Schutz muss deshalb mit den besten Mitteln gewährleistet sein“, erklärt Manfred Theile.

Stets einsatzbereit zu sein, erfordert einige Opfer. Der Brückenschlag zwischen Ehrenamt, Beruf und Privatleben ist nicht immer einfach, das weiß auch die junge Feuerwehr-Frau Denise Bebensee, die als Hauswirtschafterin in einer Großküche beschäftigt ist: „Wer in einer Beziehung lebt, muss viel Verständnis einfordern.“ Ihre Kameradin, die als Industrie-Mechanikerin arbeitet, fügt hinzu: „Wenn du bei Einsätzen bist, brauchst du einen Partner, der zuhause ist und auf die Kinder aufpasst.“

Wenn in der Neujahrsnacht Böller krachen und die Leute auf das neue Jahr anstoßen, werden Lea Langner und Denise Benensee immer ein Ohr am Einsatzmelder haben. Die beiden jungen Frauen begnügen sich dann mit einem kleinen Glas Sekt – alles eine Frage der Einstellung.

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