Angeklagte sind einsichtig: „Das war nicht schlau...“

Werdohl - Wer straffällig zu werden wünscht, sollte sich unbedingt über die dafür zu erwartende Strafe informieren. Sonst könnte es ihm gehen wie einem 20-jährigen Plettenberger, der gemeinsam mit zwei Werdohler Mitangeklagten (18 und 19) seit gestern auf der Anklagebank des Schwurgerichtsaals im Landgericht Hagen sitzt.

„Das war nicht schlau, was wir da fabriziert haben“, stellte der Älteste des Trios mit Blick auf einen Raubüberfall auf die Star-Tankstelle in Werdohl am 9. Februar 2015 fest. Marcus Teich, Vorsitzender Richter der 1. großen Jugendstrafkammer, konnte ihm nur Recht geben.

Während der 19-jährige Mittäter das Geschehen in der Tankstelle von außen beobachtete, gingen seine beiden Mittäter hinein. Dort hielt der 18-Jährige der Kassiererin (19) eine Pistole an den Kopf. Dass es sich dabei um eine nicht geladene Schreckschusspistole handelte, konnte die junge Frau nicht wissen. Sie öffnete die Kasse, aus der die beiden Räuber die Geldkassette entnahmen. Als der Bruder der Kassiererin aus einem Nebenraum hinzukam, wurde auch er mit der Pistole bedroht und zog sich zurück. Die Räuber rafften das heruntergefallene Geld vom Boden, ließen noch ein paar Euro liegen und flüchteten mit knapp 300 Euro, die sie später mit dem dritten Angeklagten teilten.

Alle legten vor Gericht weitgehende Geständnisse ab, wobei der 20-Jährige deutliche Anzeichen von Reue zeigte. Strafverteidiger Christian Simonis erklärte, dass sein Mandant, „sich hochgradig schämt und zu entschuldigen wünscht“. Die von dem Angriff psychisch schwer getroffene 19-Jährige lehnte eine solche Geste allerdings ab.

Private Ermittlungen führen zu den Tätern

Sie hatte für ihr Leben offenbar weitaus bessere Ideen als die kiffenden Angeklagten und war zur Tatzeit auf dem Weg zum Abitur: „Ich habe immer gelernt, wenn ich in der Tankstelle gearbeitet habe.“ Gemeinsam mit ihrem Bruder machte sich die junge Frau nach der Tat auf die Suche nach den Tätern, studierte Fotos auf der Internet-Plattform Facebook und erkannte dort sogar die Jacke wieder, die der 20-Jährige getragen hatte. Ihr Bruder und ein weiterer Zeuge stellten schließlich den 19-Jährigen zur Rede. Der packte aus, und so folgten noch weitere Gespräche mit den beiden anderen Tätern, die von Schlägen ins Gesicht berichteten. Davon könne keine Rede sein, versicherten die beiden erfolgreichen Privatermittler.

Völlig danebengegangen war bereits gut zwei Wochen vor dem Tankstellenraub der Überfall des 20-Jährigen auf die Bäckerei Kayser am Fritz-Thomée-Platz. Dort hatte sich die Verkäuferin trotz vorgehaltener Pistole mit einem klaren „Nein!“ geweigert, dem Räuber Geld auszuhändigen. Stattdessen lief sie zur Tür und schrie um Hilfe, worauf der verhinderte Räuber flüchtete.

Sein 18-jähriger Mittäter muss sich nicht nur für den Tankstellenraub, sondern auch für Handtaschenraub verantworten. Er gab zu, zwischen Dezember 2014 und Januar 2015 fünf Frauen Handtaschen mit Geld und persönlichen Wertsachen entrissen zu haben. Der Prozess wird am Donnerstag (11. Februar) fortgesetzt.

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