Kreuzkirche als Mittelpunkt der ganzen Königsburg

Pfarrer Dirk Grzegorek verteilte zu Beginn der Jubiläumsfeier höchstpersönlich Sekt und Orangensaft an die Besucher. Immer wieder ging er mit frisch gefüllten Tabletts durch die Reihen der Gäste.

Werdohl - Kurz vor dem längst besiegelten Ende feierte die evangelische Kreuzkirche auf der Königsburg am Sonntag ihr 50-Jähriges. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um das Jubiläum gemeinsam zu feiern.

Drinnen und draußen tummelten sich die Menschen, aßen, klönten miteinander, erinnerten sich an Geschichten und Anekdoten, sangen zusammen, betrachten Bilder aus fünf Jahrzehnten und stießen gemeinsam an – Pfarrer Dirk Grzegorek verteilte zu Beginn höchstpersönlich Sekt und Orangensaft an die Besucher.

Einer von ihnen war Peter Sattler. Der Vorsitzende der Werdohler Bogenschützen feiert im kommenden Jahr seine Goldene Konfirmation „und ich hoffe, dass die auch hier in dieser Kirche noch stattfinden kann“.

Damit wäre ein Kreis geschlossen, denn vor 49 Jahren wurde Sattler auf der Königsburg konfirmiert. „Und vor 37 Jahren haben wir hier geheiratet“, ergänzt seine Gattin Wiebke. Ihr Mann erinnert sich: „Die Trauung hat Pastor Kurt Ziesen durchgeführt.“

Sattler sieht die bevorstehende Schließung des Gotteshauses pragmatisch: „Ich bin hier auf der Königsburg groß geworden. Aber auch die evangelische Kirche ist halt ein Wirtschaftsunternehmen“, führt er aus. „Und wenn die Gemeinde schrumpft, dann muss es eben einen Veränderungsprozess geben“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Dann jedoch gesteht er: „Aber ich persönlich bin schon traurig.“ Sattler holt tief Luft und betont nachdrücklich: „Deswegen genießen wir es, solange es noch geht.“

Mit einer früheren Nachbarin kommt der Ober-Bogenschütze dann ins Gespräch. Sie tauschen sich aus über ihre Erinnerungen an die „kleine Welt“, die sie als Kinder hatten, deren Eckpfeiler die Grundschule und die Kirche waren. Die Königsburg lag rund um das Gotteshaus. Alles Leben spielte sich im Quartier ab – eine scheinbar glückliche Zeit, in der es den damaligen Mädchen und Jungen an nichts fehlte.

Ein paar Meter weiter ist auch Pfarrer Grzegorek in ein Gespräch vertieft. Auch hier dreht sich alles um die baldige Aufgabe der Kreuzkirche. Der Geistliche blickt zurück: „Ich bin jetzt seit 2002 hier und rückblickend kann ich feststellen, dass sich die Gemeinde seitdem immer verändert hat.“

Er blickt nicht zurück in Trauer – sondern mit Freude und Zuversicht in eine ungewisse Zukunft.

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