Komikerin De Frau Kühne begeistert in Bücherei

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Das Publikum in der ausverkauften Stadtbücherei kringelte sich ein ums andere Mal bei den Lebensbetrachtungen von De Frau Kühne.

Werdohl - Einen vergnüglichen Abend erlebten die Zuschauer in der ausverkauften Stadtbücherei bei der Komikerin De Frau Kühne am Freitagabend. Die Newcomerin überzeugte nicht auf ganzer Linie – manche Sprüche waren nicht sehr originell, einige Gags waren uralt – aber die Xantenerin riss ihr Publikum immer wieder mit.

Und umgekehrt: Mit Zwischenrufen brachten sich die Werdohler immer wieder in das Debüt-Programm der Komikerin ein. Als diese merkte, dass die Zuschauer mitdachten, sagte sie zerknirscht: „Ich mache jetzt Schluss. Das ist mir zu anspruchsvoll bei Euch.“ Dennoch ging es weiter. Die Sauerländer forderten die Künstlerin so richtig.

Frau Kühne – mit ihrem Soloprogramm erst seit Anfang 2015 unterwegs – schwärmt viel von den „guten alten Zeiten“, wenn von denen auch nicht mehr viel übrig ist: „Die Mark heißt heute Euro und zwei Pfund sind ein Kilo. Was bin ich froh, dass es noch ‘Äpfel’ heißt.“ Dann aber räsonierte sie: „Den ‘Weißen Riesen’ gibt es – glaube ich – noch, aber da wäscht keiner mehr mit. Es hat ja niemand eine 300 Meter lange Wäscheleine.“

Die gibt es wahrscheinlich selbst im schwedischen Möbelhaus nicht mehr zu kaufen, obwohl die sonst fast alles haben – vor allen Dingen Deko-Artikel. „Letztens war ich bei Ikea an der Kasse. Da sagte die Kassiererin zu mir: Sie haben ja gar keine Teelichter. – Da hat die mich doch tatsächlich in den Laden zurückgeschickt.“

Auch auf die Werbung neueren Datums hatte Kühne einen kritischen Blick: „Zum Beispiel der Tech-Nick. Der weiß ja alles. Aber in welchem ‘Saturn’ arbeitet der denn? Bei uns arbeitet der Kevin. Und der weiß gar nichts.“

Technik früher und heute sei sowieso ein Unterschied wie Tag und Nacht: „Damals, wenn wir in den Urlaub einen 36er-Film mitgenommen haben, waren wir schon wer im Dorf zuhause.“ Heute habe ihr Sohn beim Schulausflug schon 80 Fotos mit dem Handy gemacht, „bevor die überhaupt losgefahren sind“.

Die Mitglieder ihrer Familie hatten beim Programm der Frau Kühne nicht viel zu lachen – allen voran ihr Sprössling. Kühne weiß: „Kindernamen müssen kurz sein. Wenn ich unseren ‘Sven’ rufe, dann bleibt der stehen. Ruft eine andere Mutter ihren ‘Sebastian’, ist der doch schon vor den Bus gelaufen.“

Längst aber sei Sven ein Jugendlicher: „Als der die Tage ein Piercing wollte, habe ich zu ihm gesagt: ‘Halt doch erstmal Deine anderen Löcher sauber’.“

Auch Gatte Ralf dürfte beim Programm seiner Ehefrau wohl das ein oder andere Mal schlucken. So verriet die Komikerin über diesen: „Was der am Wochenende an Bier trinkt: Da kann ein Schiff drauf drehen.“

Ralf musste weiter leiden, als die 47-Jährige erzählte: „Wenn ich Auto fahre und mein Mann neben mir sitzt, habe ich immer das Gefühl, ich hätte das Fahren verlernt. Und wenn nicht, dann sagt er es mir.“

Kühnes Mutter bekam auch ihr Fett weg: „Die hat jetzt von ihrer Bank die Konto-Card 75plus bekommen: Die PIN ist nur noch einstellig. Dafür hat sie zehn Versuche, sie einzugeben.“

Weiter berichtet die gelernte Schriftsetzerin: „Letztens habe ich mein Smartphone bei meiner Mutter liegen lassen. Da hat die mir eine WhatsApp geschickt, um mir Bescheid zu sagen.“

Auch Kühnes Papa wurde nicht verschont: „Unser Weihnachtsbaum war jedes Jahr gleich: Spitze, Kugeln, Lametta – alles. Und doch sagte mein Vater jedes Jahr: So einen schönen Baum hatten wir noch nie.“

Auch sich selbst nahm die Komikerin aufs Korn. Sie fragte die Werdohler: „Kennt Ihr das, wenn ihr Euch schwört, die Sätze Eurer Eltern nie zu den eigenen Kindern zu sagen? Und kennt Ihr das Gefühl, wenn Ihr sie dann das erste Mal selbst aussprecht?“

Dann bedauerte sie: „Du wirst als Frau ja immer reduziert auf die paar Kilo, die Du zuviel hast.“ Dann beschloss Ingrid Kühne jedoch: „Ich nehme erst dann ab, wenn mir mein Schal nicht mehr passt.“

Das Publikum liebte sie dafür. In der Pause und nach der Vorstellung sponnen die Zuschauer Kühnes Gedanken weiter und amüsierten sich immer noch über einige Witze der Xantenerin. Nur ein Mann sagte traurig zum anderen: „Wir kamen bei ihr ja nicht gut weg.“

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