Traditionell jedes Jahr andere Kompanie "dran"

Modus des Werdohler Königsschießens steht einmal mehr in der Kritik

Das Königsschießen am Lenne-Ufer. Manche Schützen möchten, dass es für alle Kompanien geöffnet wird.

Werdohl - Ein glücklicher Regent, vier mehr oder weniger enttäuschte Schützen – so stellte sich die Situation am Schützenfestmontag dar. Angesichts der fünf Königsanwärter in der vierten Kompanie wurden im Verein erneut Stimmen laut, die dafür plädieren, das Königsschießen für alle Kompanien zu öffnen.

„Wir sind diesbezüglich ja ständig in der Diskussion“, sagt Andreas Schreiber, der Vorsitzende des Werdohler Schützenvereins. Traditionell stelle aber in jedem Jahr eine andere Kompanie den König. „Natürlich gibt es auch Kritiker, die diese Regelung gerne abschaffen würden“, räumt Schreiber ein.

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In der Vergangenheit sei es hin und wieder vorgekommen, dass eine Kompanie Schwierigkeiten hatte, einen Anwärter auf den Thron zu finden. „Wenn sich dann tatsächlich kein Kandidat findet, hat die Kompanie ja immer noch die Möglichkeit, das Königsschießen freizugeben“, stellt der Vorsitzende fest. Allerdings gebe sich keine Kompanie gerne diese Blöße. „Der Druck, der so entsteht, ist ein Stück weit gewollt“, erklärt Schreiber, der selbst schon seit vielen Jahren Vereinsmitglied ist. Er erinnert sich: „Auch vor 27 Jahren war es schon mal so, dass es eine Pause gab, als nur noch der Rumpf hing. Auch damals wurde dann erst mal beraten, wer bis zum Ende draufhält.“

Vogelschießen beim Werdohler Schützenfest

Dass sich zu viele Königsschützen unter der Vogelstange versammelt hatten, und die, die kein Glück hatten, erst in vier Jahren wieder die Chance auf den Thron haben, sei bisher aber noch nie Anlass für kritische Überlegungen gewesen.

Finanziell würden die Schützenkönige an der Lenne längst nicht so stark belastet, wie es beispielsweise noch in einigen Bruderschaften in den Dörfern des Sauerlandes üblich sei. „Die Regentschaft ist in Werdohl eine Teamleistung. Der Hofstaat ist immer mit im Boot, und es bleibt dem König überlassen, ob er sein Bier auf dem Thron trinkt oder unten in der Halle“, sagt Schreiber.

Königsball mit Martin und Katja

Die Kosten für die Königs- und die Hofstaatkutsche trage der Verein. „Und wir nehmen keinen Einfluss darauf, wie aufwändig die Kleider der Frauen sein müssen“, weist der Vorsitzende darauf hin, dass auch diesbezüglich der Kostenrahmen von den Regenten selbst gesteckt werden könne.

Ob die Öffnung des Königsschießens für alle Kompanien noch einmal in großer Runde diskutiert wird, kann der Vorsitzende noch nicht absehen. „Das hängt von unseren Mitgliedern ab“, sagt Schreiber. Der erweiterte Vorstand und der Beirat des Vereins treffen sich am Mittwoch, 29. Juli, um 19.30 Uhr im Restaurant Vier Jahreszeiten zur „Meckersitzung.“

Vorab zieht Schreiber schon eine kurze Bilanz: „Es war ein tolles Fest, aber es war einfach viel zu heiß.“ Die Hitze habe viele von einem Besuch des Werdohler Hochfestes abgehalten. „Sogar die befreundeten Vereine hatten Probleme, aufgrund der Hitze Abordnungen zu motivieren, in unser Zelt zu kommen.“

Wie sich das Ausbleiben zahlreicher Gäste wirtschaftlich auf den Verein auswirkt, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen, erklärt Schreiber. Bis zum Treffen am 29. Juli könnten aber entsprechende Zahlen vorliegen.

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