Vortragsabend Werdohler Klimaschutzkonzept

Im Publikum saßen am Mittwoch hauptsächlich Fachleute aus Rat und Verwaltung.

Werdohl -   Vor allem Vertreter aus Politik und Verwaltung kamen am Mittwoch auf Einladung von Bürgermeisterin Silvia Voßloh in den Bürgerhaussaal, um sich über das Thema „Klimaschutzkonzept“ informieren zu lassen. Als Referenten standen David Sommer vom Energieberatungsunternehmen infas enermetric und Rüdiger Ropinski, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Rietberg, zur Verfügung.

Wie kann sich Werdohl fit machen, um den Klimawandel zu bremsen und sich gleichzeitig an dessen scheinbar unvermeidliche Auswirkungen anzupassen? Und wer sind in der Stadt die Hauptansprechpartner für die Entwicklung von Ideen und Konzepten zum Klimaschutz? Zur Beantwortung dieser Fragen stand geballtes Fachwissen zur Verfügung. Neben den Referenten waren Frederik Pöschel von der Effizienz Agentur NRW, Marcus Müller von der Energieagentur NRW und Thomas Pöhlker, Prokurist von infas enermetric, nach Werdohl gekommen.

David Sommer nannte noch einmal die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung: So sollen die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent sinken. Abgestuft soll der CO2-Ausstoß bis 2050 noch weiter abgesenkt werden. Unter dieser Maßgabe kommen in den Kommunen des Landes alle Arten von Energieverbrauch in den Blick. In Werdohl machen die großen Drei, Strom (33 Prozent), Heizöl/Diesel (20 Prozent) und Erdgas (18,5 Prozent), rund 71,5 Prozent des Energieverbrauchs aus. Sie verursachen 80 Prozent der Kohlendioxidemissionen.

Benzin und Steinkohle, Fernwärme und Holz folgen beim Verbrauch auf den weiteren Plätzen. Knapp 57 Prozent dieser Energie verbrauchen die Unternehmen, 24 Prozent die Haushalte, gut 19 Prozent der Verkehr. Die entsprechenden CO2-Emissionen liegen bei rund 64, 20 und 16 Prozent des Gesamtausstoßes. Damit sind Werdohls energieintensive Industrieunternehmen in besonderer Weise im Fokus der Berater. Gerade in Südwestfalen zeige sich, dass viele Unternehmen die Energieberatung der Effizienz Agentur NRW gerne in Anspruch nehmen, berichtete Frederik Pöschel von vorhandener Innovationsbereitschaft. Dass diese in erster Linie von betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten befördert wird, ist nachvollziehbar.

Viel hat sich in den vergangenen Jahren beim Thema Altbausanierung getan – nach wie vor stammt ein großer Teil eher wenig gedämmter Gebäude auch in Werdohl aus der Nachkriegszeit. Hier ist ein breites Betätigungsfeld für die privaten Haushalte, aber auch für Wohnungsgesellschaften und Hausbesitzer.

Über die Erfahrungen in einer Kommune, die 2010 einen Beschluss zu einer „energieautonomen und nachhaltigen Stadt im Jahr 2030“ verabschiedete, berichtete Rüdiger Ropinski, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Rietberg. Er nannte einige Bausteine, die dem Erreichen dieses Ziels dienen: die Förderung von Elektromobilität, die Förderung von Biogas- und Windenergieanlagen, die Mitwirkung der Kommune bei Neubauplanungen und der Optimierung von Wohnquartieren, Projekte zur Energieeffizienz in Unternehmen und Privathaushalten. Dass nicht alles Wünschbare sofort umsetzbar ist, musste auch Rüdiger Ropinski bedauernd einräumen: „Bei uns geht der Trend zum Drittauto.“

Letztlich sind es eben die Bürger vor Ort, die bei all diesen Maßnahmen mitgenommen werden müssen. „Wie schafft man das?“, lautete eine Nachfrage. Skepsis gab es beim Blick auf die begrenzten finanziellen Mittel der Kommune. Förderprogramme greifen hier sowohl der Stadt als auch Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen unter die Arme. „Sie glauben gar nicht, was für Fördermittel es gibt“, warf Frederik Pöschel von der Effizienz Agentur NRW ein und machte damit auf die zu oft verborgenen Trüffel im System der subventionierten Energiewende aufmerksam. „Manche Fördertatbestände gibt es nur drei Monate lang.“ Eine Energie- und Effizienzberatung für ein Unternehmen etwa wird mit 80 Prozent bezuschusst. „Das sind Maßnahmen, die sich sehr schnell rechnen.“

Gefragt sind nun alle Werdohler, die in verschiedenen Workshops sich des Themas „Energiesparen in unserer Stadt“ annehmen sollen. Der Stadtrat ist dabei an der Seite seiner Bürger – er soll das Integrierte Klimaschutzkonzept im Dezember verabschieden. Bis dahin tagen die Arbeitsgruppen: Sanieren im Bestand, Schulen und Kitas, Wirtschaft, Mobilität, Klimaorientierte Stadtentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit.

Von Thomas Krumm

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