Im Kindergarten Gernegroß werden neun Flüchtlingskinder betreut

„Sie sollen Kinder sein dürfen“

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„In unserer Kita ist es bunt“, sagt Silke Wiederspahn-Hopmann. Die Kinder kommen aus vielen Ländern, Verständigungsprobleme untereinander haben die Mädchen und Jungen trotzdem nicht.

Werdohl - „Am liebsten würde ich sie alle aufnehmen“, sagt Silke Wiederspahn-Hopmann. Die Leiterin der Kindertageseinrichtung Gernegroß spricht von den Mädchen und Jungen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Einige haben grausame Erlebnisse zu verarbeiten. „Trotzdem sind sie inzwischen alle hier angekommen“, freut sich die Werdohlerin.

Neun Flüchtlingskinder – aus Afghanistan, Syrien, Albanien und dem Irak – besuchen die Kita Gernegroß. „Allerdings sprechen wir hier nicht von Flüchtlingskindern“, sagt Wiederspahn-Hopmann. Sie erklärt: „Es sind ganz einfach Kinder und genau das sollen sie auch wieder sein dürfen.“ Gemeinsam mit ihrem Team hat sie einen Weg gesucht und gefunden, mit der Situation der Mädchen und Jungen umzugehen. Das Wichtigste bringt Silke Wiederspahn-Hopman auf den Punkt: „Die Kinder müssen sich angenommen fühlen. Dazu gehört eine ganze Menge Fingerspitzengefühl.“

Um zu wissen, warum sich ein Kind aggressiv oder ängstlich verhält und entsprechend reagieren zu können, sei es einfach notwendig, die Hintergründe zu kennen. „Wir wissen, was die Kinder in ihrer Heimat oder während der Flucht erlebt haben. Es gab Gespräche mit den Eltern, wir hatten Hilfe von Dolmetschern“, schildert die Leiterin der städtischen Einrichtung. Leicht sei der Kita-Alltag für die neun Neuzugänge dennoch nicht immer zu bewältigen. Dabei spiele nicht nur die Vorgeschichte der Kleinen eine Rolle. „Für sie ist alles neu: die Sprache, die Gerüche, die Geräusche und das Essen“, verdeutlicht Wiederspahn-Hopmann. Sie ergänzt: „Außerdem sind viele aus Großfamilien herausgerissen worden.“ Aus diesen Gründen sei es sehr wichtig, dass sich die Erzieherinnen Hintergrundwissen über die jeweiligen Herkunftsländer aneignen: „Nur so können wir verstehen, was es eigentlich für die Kinder bedeutet, jetzt hier bei uns zu leben.“ Gerade vor diesem Hintergrund möchte das Gernegroß-Team den neun Kindern und ihren Familien das Gefühl vermitteln, „dass sie keine Exoten sind“. Im Treppenhaus der Kita sind Fotos zu sehen, die den Alltag in Sri Lanka zeigen – zwei Gernegroß-Kinder, die schon längst in Werdohl heimisch sind, kommen aus diesem Land. Das Sprachproblem sei im Gegensatz zu kulturellen Unterschieden eher nebensächlich. „Ich bin manchmal total überrascht, wie schnell diese Kinder Deutsch lernen“, erzählt die Kita-Leiterin. „Man merkt, dass auch die Eltern der Mädchen und Jungen hochmotiviert sind. Und sie werden von den ehrenamtlichen Helfern in Werdohl hervorragend betreut.“

Was den Umgang der Kinder untereinander angeht, seien Sprachbarrieren ohnehin kein Thema. „Sie spielen miteinander, die Verständigung klappt einfach irgendwie“, weiß Wiederspahn-Hopman aus Erfahrung. 102 Mädchen und Jungen besuchen momentan die Kita Gernegroß. „Damit sind wir knapp überbelegt“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Sie sagt: „Weitere Kinder können wir einfach nicht aufnehmen.“ Für die Werdohlerin ist es ganz wichtig, sowohl allen Kindern und deren Familien, als auch ihren Mitarbeitern gerecht werden zu können.

Gemeinsam mit ihrem Team freue sie sich über jedes kleine Erfolgserlebnis mit den Neuzugängen – aber natürlich auch mit allen anderen Kindern: „Wir konzentrieren uns natürlich nicht auf die neun Kinder und setzen unsere Arbeit wie bisher fort. Hier soll keiner zu kurz kommen“, unterstreicht Silke Wiederspahn-Hopmann.

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