In drei Stunden fertig für den Thron

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Zum perfekten Auftritt einer Majestät gehört auch Make-up: Jane Zawieja benutzt mehrere Lidschatten, um die Augen der Königin besonders zu betonen. Im Friseursalon ist Katja Külz-Frank trotz des Zeitdrucks noch ganz entspannt.

Werdohl - Montagnachmittag, 17.04 Uhr: Das Kleid sitzt. Trotzdem zupft Katja Külz-Frank hier und dort am glänzenden Stoff ihrer bordeauxroten Robe. „So langsam werde ich doch ein bisschen nervös“, bekennt die neue Königin des Werdohler Schützenvolkes.

Dann lächelt sie. „Heute Morgen beim Vogelschießen war es aber noch viel schlimmer“, stellt sie beinahe erleichtert fest. Und in den vergangenen Stunden zeigte sich die frisch gebackene Regentin überraschend locker und entspannt – trotz des eng gestrickten Zeitplans.

Denn die Verwandlung von der einfachen Schützin hin zur obersten Repräsentantin einer der größten Vereine der Stadt braucht ihre Zeit. Rückblick: Es ist 13.40 Uhr. Die letzten Gratulanten haben der Königin im Festzelt gerade ihre Aufwartung gemacht. Katja Külz-Frank kann durchstarten, hechtet – mit Krone und Königinnenkette – zu ihrem Wagen und fährt zum Haus ihrer Mutter Hannelore Külz am Repkering.

Dort ist ihr Schützenfestdomizil, denn die gebürtige Werdohlerin lebt schon seit vielen Jahren mit ihrem Mann und ihrer Tochter im Schwabenland. Werdohl – und vor allem der vierten Kompanie – hält sie trotzdem die Treue. „Ich liebe das Schützenfest und als Martin Pache mich gefragt hat, ob ich seine Königin werden würde, habe ich sofort ja gesagt“, erzählt sie, während ihre Mutter mit Reifrock und Kleid ins Wohnzimmer eilt.

Jetzt sitzt das Kleid perfekt. Die Regentin ist startklar und kann sich auf den Weg ins Rathaus machen.

Das Könginnenkleid hatte Katja Külz-Frank schon im März gekauft. „Schließlich musste ich vorbereitet sein, falls Martin es schaffen sollte“, sagt sie augenzwinkernd. Auch die Fingernägel sind schon im passenden Farbton lackiert. Trotzdem drängt die Zeit, denn die Robe passt noch nicht perfekt, die Träger im Nacken müssen gekürzt werden, der Reifrock ist zu weit. Hannelore Külz schüttelt missbilligend den Kopf: „Das hätte schon längst fertig sein können.“ Genau das wollte ihre Tochter aber nicht: „Wenn alles schon vorher fertig gewesen wäre, dann hätte es mit dem Vogel nicht geklappt“, entgegnet die Regentin, die inzwischen ihre Robe trägt. Hannelore Külz fixiert den Stoff mit Stecknadeln und plant währenddessen die nächsten Arbeitsschritte – schließlich soll das Kleid perfekt aussehen, muss also noch einmal aufgebügelt werden.

Es dauert ein Weilchen, bis die Frauen zufrieden sind. Schnell schlüpft die Königin wieder in Zivilkleidung und sitzt wenige Minuten später wieder im Auto. Es geht in die Nachbarstadt Plettenberg. „Die Freundin meines Bruders hat in Eiringhausen einen Friseursalon“, erklärt Katja Külz-Frank. Lachend fügt sie hinzu: „Eigentlich hat sie heute frei. Aber sie war vorgewarnt und ich habe ihr gerade eine Whatsapp-Nachricht geschickt.“

So soll die Krone sitzen: Friseurin Jane Zawieja hat der neuen Köngin im Handumdrehen eine Hochsteckfrisur gezaubert.

Um 14.40 Uhr betritt die Regentin den Salon Haarscharf, freut sich über Gratulationen und nimmt sofort vor dem Spiegel Platz. Friseurin Jane Zawieja hat die Hochsteckfrisur schon im Kopf. Toupierkamm und Lockenstab kommen zum Einsatz. Damit es noch schneller geht, greift auch Zawiejas Kollegin Kerstin Stütz zum Kamm. Viele Haarklammern sind notwendig, um der Krone den notwendigen Halt zu geben. Dann kündigt die Fachfrau „Haarsprayalarm“ an und verpasst der Frisur den letzten Schliff.

Die Königin nickt nach dem Blick in den Spiegel dankbar und anerkennend. Fertig ist sie aber noch nicht: Diverse Lidschatten, Eyeliner und Wimperntusche kommen noch zum Einsatz, bevor Jane Zawieja zufrieden ist und die Majestät um 15.30 Uhr ziehen lässt. Zurück am Repkering wartet Hannelore Külz schon auf ihre Tochter. Die Änderungen am Kleid sind fertig, doch bevor die Königin hineinschlüpft, gönnt sie sich noch eine Tasse Kaffee.

Nebenbei bemerkt sie, dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hat – und winkt ab: „Später auf dem Platz, jetzt nicht.“ In diesem Moment meldet sich wieder einmal das Handy. Die Hofstaat-Damen wollen wissen, wie es ihrer Königin geht und was sie gerade macht. „In aller Ruhe Kaffee trinken“, sagt Katja Külz-Frank lachend und tippt auf die Tastatur. Allerdings merkt man der sympathischen Wahl-Schwäbin die Anspannung mittlerweile an.

Es ist Zeit, das Kleid anzulegen: Um 17.30 Uhr trifft sich das Königspaar mit dem Hofstaat im Rathaus, um von dort aus zum Festzelt zu marschieren.

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