Als katholische Kirche lebendig bleiben

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Pfarrer Irenäus Wojtko hatte zusammen mit dem Koordinierungskreis der Katholischen Kirchengemeinde Werdohl/Neuenrade in das weltliche Haus Werdohl eingeladen, um den Umstrukturierungsprozess möglichst transparent zu machen.

Werdohl/Neuenrade - „Wie können wir als Kirche die kommenden zehn, zwanzig Jahre lebendig bleiben“, überschrieb Pater Irenäus Wojtko zu Beginn des Abends in der Gaststätte Haus Werdohl die Fragestellung, die über allem stehe. Koordinierungsausschuss-Mitglied Hans-Jürgen Stracke ergänzte: „Der jetzt angestoßene Diskussionsprozess muss Ende 2017 abgeschlossen sein.“

Stracke konkretisierte jedoch: „Schon nach den Herbstferien ist eine Klausurtagung geplant, auf welcher die Ideen schriftlich zu einem Votum zusammengefasst werden sollen.“ Das „Votum“ ist der Umsetzungsplan für die Umstrukturierung, der dem Bistum Essen vorgelegt werden soll (wir berichteten).

Ina Kramer, vom Bistum eingesetzte pastorale Begleiterin des Umstrukturierungsprozesses in Altena, Nachrodt-Wiblingwerde, Plettenberg, Neuenrade und Werdohl, betonte: „Es geht eben auch darum, die Kosten bis 2030 um 50 Prozent zu senken.“ Kramer kommt aus dem Bistum Paderborn, wo sie auch lebt. Sie ist freiberufliche Supervisorin.

Im Rahmen des Umstrukturierungsprozesses der Katholischen Kirchengemeinde Werdohl-Neuenrade hatte der Koordinierungsausschuss ins Haus Werdohl eingeladen. Dort sollten am Montagabend drei Arbeitsgruppen gebildet werden. Mehr als 50 Interessierte waren gekommen.

Die erste Arbeitsgruppe trägt den Titel „Menschen“ und hat zum Inhalt die pastorale Seelsorge der Jugend-, Familien- und Seniorenarbeit. Die zweite firmiert unter dem Motto „Vernetzung“ und behandelt den Kontakt zu anderen Christen, zu Muslimen, zur Stadt, zum Vereinleben, zur Flüchtlingshilfe und zu den Schulen. Die dritte behandelt den Komplex „Finanzen“.

Gemeinsame Nutzung

Die Anwesenden teilten sich zu nahezu gleichen Teilen in die ersten beiden Gruppen auf und stiegen in getrennten Räumen in die Diskussionen ein. In der Gruppe „Vernetzung“ gab es sogleich eine erste konkrete Idee: Um bestehende Gotteshäuser auch in den Stadtteilen zu erhalten, könnten diese von beiden christlichen Konfessionen gemeinsam genutzt werden. Die Reaktionen innerhalb der Gruppe zeigten: Was für die einen auf der Hand liegt, wird von anderen als Provokation empfunden und auch so benannt.

Pater Kamil bedauerte: „Ich sehe heute Abend hier nur Gesichter, die aus dem Gemeindeleben bekannt sind. Aber wir müssen doch auf die Menschen draußen zugehen und sie fragen, was sie brauchen.“ In der Folge kam die Idee einer Fragebogenaktion auf. Eine Anwesende glaubte nicht an die Kraft einer solchen Umfrage: „Wenn bei einem Menschen der Glaube auf der Strecke geblieben ist, können wir uns abstrampeln wie wir wollen.“

Eine weitere Diskussionsteilnehmerin warf ein, dass es derartige Aktivitäten vor zehn Jahren schon einmal gegeben habe. „Da wurde als Ergebnis des Prozesses etwas aufgeschrieben und ins Regal gestellt. Und da steht es noch heute“, gab sie zu bedenken.

Mehr als ein Sozialverein

Deshalb hakte Pater Irenäus ein: „Wenn wir nicht kreativ sind, etwas Neues schaffen, geht das noch zehn Jahre gut und dann haben wir die große Beerdigung.“ Dabei gehe es darum, das Christ-Sein und Gründe dafür in den Vordergrund zu stellen: „Jeder macht etwas Gutes, Karitatives. Und für Bockwurst und Kartoffelsalat muss ich nicht zum Pfarrgemeindefest gehen. Wenn da nicht mehr ist, sind wir doch nur ein Sozialverein.“

Der Pater stellte die Frage in den Raum: „Ist meine Kutte ein Zeichen – oder nur ein Karnevalskleid?“ Der Christ neige doch dazu, seinen Glauben zu verstecken. Er habe sich zu sehr an die Gesellschaft angepasst. „Die Moslems gehen auf die Barrikaden, wenn ihre Religion verlacht wird – und wir tun nichts“, mahnte er an.

In der zweiten Gruppe „Menschen“ wurden nahezu dieselben Inhalte mit sehr ähnlichen Ergebnissen besprochen. Inhaltlich darüber hinausgehend gab es dort die Vorschläge, Stadtteilspaziergänge und Workshops zu veranstalten, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die nicht ins Gemeindeleben eingebunden seien. Es reiche eben nicht, diese Menschen einzuladen, man müsse zu ihnen hingehen.

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