Nachwuchshoffnung unter Kaninchenzüchtern

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Mehr als 45 Minuten pro Tag muss Lisa Jacoby für Käfig-Säuberung und Fütterung ihrer Lieblinge nicht aufbringen. Deshalb bleibt auch noch Zeit für andere Hobbys.

Werdohl - Nachwuchssorgen gibt es bei allen Vereinen. Obwohl: Es gibt eine Ausnahme. Die heimischen Kaninchenzüchter vom Verein W 445 haben drei aktive Jugendliche in ihren Reihen: Neben zwei 17-Jährigen gehört dazu die erst 14-jährige Lisa Jacoby aus Pungelscheid.

Mit acht Jahren trat Lisa in den Verein ein und ist seither auch als Züchterin aktiv. Ihr größter Erfolg ist der Gewinn der Jugend-Kreismeisterschaften vor drei Jahren. Insgesamt fünf Pokale stehen in ihrem Kinderzimmer. „Einen Pokal zu bekommen, macht mich schon stolz. Es ist das Gefühl, etwas geschafft zu haben.“ Selbstbewusst ergänzt sie: „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann schaffe ich das auch meistens.“ 

Viel mehr sei für sie aber auch nicht möglich: Die Teilnahme an Landes- oder Bundesmeisterschaften koste recht hohe Gebühren, von den Fahrt- und Übernachtungskosten einmal abgesehen. Doch die Kreismeisterschaft noch einmal zu gewinnen, sei schon noch ein Ziel, gesteht Lisa. Im vergangenen Jahr hat es nur für die Vizemeisterschaft gereicht. Die nächste Kreisschau findet Ende November/Anfang Dezember statt. 

„Bis ich acht Jahre alt war, habe ich immer die Kaninchen von meinem Opa gestreichelt“, berichtet die Jugendliche. Opa Peter ist seit 53 Jahren im Werdohler Kaninchenzuchtverein aktiv. Und auch Lisas Vater hat einst einmal diese Tiere gezüchtet. Die Leidenschaft dafür scheint den Jacobys also im Blut zu liegen. „Und das Vereinsleben ist immer lustig“, hat die Jugendliche festgestellt. So nehme sie seit Jahren auch begeistert an den Nachtwachen teil, wenn in der unteren Jahnturnhalle die jährliche Ausstellung der Werdohler Kaninchen stattfindet. 

Peter Jacoby, der hier ein Schwarzlohkaninchen auf dem Arm hält, springt ein, wenn Enkelin Lisa sich einmal nicht um die Tiere kümmern kann.

Lisa überlegt. „Ich mag einfach Kaninchen“, sagt sie. Warum sie aber nicht nur welche hält, sondern auch schneeweiße Zwergwidder züchtet, vermag sie auch nach längerem Grübeln nicht recht zu erklären. Kuscheltiere leben in Opas Keller, der im selben Haus wie Lisa und ihre Familie wohnt, nicht. Nur eines der acht Tiere ist zutraulich und lässt sich bereitwillig vom Teenager streicheln. Die anderen sind sehr schreckhaft, verstecken sich in den hinteren Ecken ihrer Käfige. Vielleicht liege es an Lisas Ehrgeiz. Die Lehrer in der Schule hätten ihr sogar schon manchmal gesagt, sie sei „zu ehrgeizig“.

Sieben Jungtiere hat Lisa aus dem vorigen Wurf. Namen bekommen die längst schon nicht mehr. Das hat die 14-Jährige früher einmal anders gehalten. „Aber es sind ja doch jedes Jahr andere Tiere“, winkt die Jugendliche ab. Die Kaninchen-Mama hat sie abgegeben. Um ihre künftigen Tiere noch schöner werden zu lassen, züchtet sie weiter mit Weibchen aus dem jeweils aktuellen Wurf. Nur, wenn nichts Schönes dabei ist, kauft sie auch mal ein Kaninchen hinzu – zuletzt vor zwei Jahren. Der Rammler bleibt über Jahre derselbe. Der hat sich quasi bewährt. 

Mit derartigen Entscheidungen ist die 14-Jährige auch schon am Ende ihres Einflusses auf die Zuchtergebnisse. Zwar bekommen die Tiere neben frischen Möhren und Heu eine Spezialnahrung – Kraftfutter sei eben kein Mastfutter – und nicht einfach Küchenabfälle, aber mehr als 45 Minuten an jedem Abend für die Fütterung und die Käfig-Säuberung muss Lisa nicht aufwenden, um ihre Zwergwidder zu versorgen. 

Vor Ausstellungen kommt nochmal etwas Extra-Arbeit auf die junge Pungelscheiderin zu: Die Krallen der Kaninchen müssen dann gekürzt werden. Außerdem gilt es, dunklere oder zu lange Haare aus dem sonst schneeweißen Fell der Pracht-Exemplare mit einer Pinzette herauszuzupfen. 

Die jüngsten Ergebnisse ihrer Zucht sind nunmehr vier Monate alt. Bis zum Alter von einem halben Jahr spricht die Fachfrau von Jungtieren. Kaninchen müssen mindestens sechs Monate leben, um ausgestellt werden zu dürfen. „Es macht einfach Spaß, sich um die Tiere zu kümmern“, sagt Lisa. Wenn sie aber einmal keine Zeit hat, kümmert sich Opa Peter – und umgekehrt. 

Lisa hat durchaus noch andere Hobbys: Sie trifft sich gerne mit ihren Freunden und tanzt seit einem Dreivierteljahr als Cheerleaderin. Momentan ist ihr Knie noch ein wenig lädiert. Und danach muss sie sich einen neuen Verein suchen, weil ihr alter sich gerade aufgelöst hat. Aber sie will damit weiter machen. Und die 14-Jährige spielt auch Keyboard: „Wenn ich ein Lied höre, das mir gefällt, bestelle ich mir im Internet die Noten und spiele es nach.“ 

Was sie mal beruflich machen möchte, wisse sie noch nicht. „Erst einmal mache ich mein Abi“, stellt sie aber klar. Ihre Lieblingsfächer in der Schule seien Sport und Englisch. Berufs-Züchter gebe es überdies nicht. Anders als etwa Rinder versprechen Kaninchen keinen wirtschaftlichen Erfolg. Dennoch schließt Lisa Jacoby nicht aus, später einmal noch mehr Tiere zu halten. Aber sie bleibe definitiv bei den weißen Zwergwiddern. „Ich hatte mal ein Jahr lang Zwergwidder Havanna mit braun-schwarzem Fell, aber die waren mir zu zappelig. Und die Weißen sind optisch auch schöner.“ Doch egal welche Farbe das Fell hatte, ein Kaninchen zu essen, kommt ihr nicht in den Sinn: „Das kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Lisa und schüttelt sich. 

Peter Jacoby hält übrigens nur wenig davon, wenn Eltern ihren Kindern Kaninchen als Haustiere zu Weihnachten schenken: „Wenn die Tiere den Mädchen oder Jungen lästig werden, also spätestens im folgenden Sommer, bringen die Eltern sie mir dann“, hat er bereits erfahren.

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