Entschleunigte Schlittenfahrt in der Musikschule

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Die Zauberlehrlinge, die jungen Streicher der Musikschule Lennetal, boten bei ihrem Auftritt zwar keine perfekten, aber sympathische Interpretationen.

Werdohl -   Es ist so bei Zauberlehrlingen: Noch klappt nicht alles, doch der alte Hexenmeister ist nicht fern, um das Ergebnis der Bemühungen noch weiter zu verbessern. Im Fall der jungen Streicher der Musikschule Lennetal ist das Lehrer Sebastian Hoffmann, der die Besucher am Freitagabend im Saal der Musikschule begrüßte. Was dann folgte, kündigte er als eine öffentliche Probe für den Auftritt am kommenden Sonntag an.

Mozart stand auf dem Programm – allerdings nicht der geniale Sohn Wolfgang Amadeus, sondern dessen Vater Leopold. In „Polonaise“. „Menuett“ und „Bourrée“ seines Konzertes polterte ein Gast, den Sebastian Hoffmann schon angekündigt hatte: „Ein gewisser Herr – bei uns kommt er schon am 4. Dezember“. Das war natürlich der Nikolaus, der eine stattliche Reihe von ansprechend gefüllten Tüten und eine Ansprache für jedes Kind mitgebracht hatte: gute Worte zum Fortschritt in Geigen-, Bratschen- und Cellounterricht, Bemerkungen zum Übergang in das Jugendsinfonieorchester und Mutmachendes im Allgemeinen. Das hatte etwas von einer nicht allzu strengen Zeugnisvergabe. Es war auch recht sympathisch, dass der Nikolaus nicht so schrecklich unfehlbar daherkam. Es dauerte eine Weile, bis er sich eingelesen hatte in seine zahlreichen Notizen zu den vielen Kindern. Die wiederum verschafften dem guten Mann auf seine Aufforderung hin immer wieder Verschnaufpausen und spielten einen weiteren Satz aus dem Konzert von Leopold Mozart. Zum Abschied deutete der große alte Mann noch an, dass auch er es nicht immer einfach hat: „Bevor ich meine weite Reise fortsetze, spielt ihr noch ein Stück.“

Musikalische Weltliteratur gab es im zweiten Teil des Konzertes, nachdem sich alle zum Wohl der Musikschule an Waffeln gestärkt hatten: einen Satz aus Antonio Vivaldis „Winter“. Die kalte Jahreszeit fröstelte sich irgendwie aus den vielen Streicherstimmen, die das gewünschte Ergebnis schon ahnen ließen. Passend zum Thema hatten die Zauberlehrlinge auch „die Antwort auf die Petersburger Schlittenfahrt“ mitgebracht. „Die Sauerländer Schlittenfahrt“ hatte Sebastian Hoffmann seine entschleunigte Fassung getitelt. Und dann wurde es noch festlicher mit dem „Aufmarsch der Weihnachtselfen“, in den sich das Lied „Morgen Kinder wird’s was geben“ schlich. Sebastian Hoffmanns Erklärung ließ aufhorchen: Um erfolgreich arbeiten zu können, dürfen die Weihnachtselfen nicht gesehen werden, wenn sie die Geschenke bringen. Das hieße ja: Sie sind zu Weihnachten präsent in jedem Haus, auch wenn wir sie glücklicherweise nicht sehen – eine schöne Gewissheit für das höchste Fest aller Kinder.

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