Irisches Konzert der Extraklasse in Werdohl

Zwei Zugaben forderten die begeisterten Zuschauer von den beiden irischen Musikern ein.

Werdohl - Wie so oft in den vergangenen mehr als 30 Jahren hatten es die Werdohler Irlandfreunde durch Sponsoring möglich gemacht, dass die Fans der irischen Musik am Samstag in der Bäckerei im Bahnhof ein Konzert der Extraklasse erleben durften.

Zu Gast waren mit Eleanor Shanley und Charlie McGettigan zwei Spitzenmusiker von der sogenannten Grünen Insel, deren Lieder – so stellte Kulturforums-Vorstandsmitglied Annette Wolf in ihrer Begrüßung fest – vielseitig und wandelbar sind, aber immer die irische Seele erkennen lassen.

Bevor die Bühne allerdings Eleanor und Charlie gehörte, durfte eine Ehrung für Gottfried „Gotti“ Brinkmann nicht fehlen. Er sei, so Annette Wolf, ein Irlandfreund Erster Klasse, und das Publikum hörte die Geschichte, wie es zu der nun schon fast lebenslangen Leidenschaft Brinkmanns für Irland gekommen war. Schuld war Ende der 1970-iger Jahre eine Zeitungsnotiz mit dem Kernsatz „Sir Henry ist tot“. Gemeint war ein 24 Kilo schwerer, kapitaler und listiger Hecht, den keiner an den Haken bekam. Altersschwäche brachte ihn zur Strecke.

„Gotti“ wiederum war Angler, doch ihm war es in heimischen Gewässern nie gelungen, einen solchen Hecht zu fangen. Es war ihm deshalb klar: Er musste in Irland sein Glück als Angler versuchen. Inzwischen war er 124 Mal auf der Insel mit dem Kleeblatt als Wahrzeichen – als Angler und als Freund der irischen Lebensfreude und vor allem der dort gepflegten Folk-Musik. Seit damals war es ihm und seinen Mitstreitern gelungen, etliche namhafte Künstler nach Werdohl zu holen.

Während Eleanor Shanley Premiere in Werdohl feiern durfte, war es für Charlie McGettigan der inzwischen sechste Auftritt auf Einladung der Irlandfreunde. Beide präsentierten ein rund zweistündiges Konzert der leiseren Töne. Die sensibel herausgelockte Klangfülle zweier Konzertgitarren und zwei aufeinander eingespielte Stimmen führten für das Publikum zu einem Erlebnis, das nach jedem Song und am Ende sowieso den Beifall mehr als verdient hatte. Keine Fiddle, keine Flöte, keine Mundharmonika und auch keine Bodhron waren nötig, um den irischen Touch der Lieder zu betonen.

Das galt für das irische Traditional „If I were a blackbird“ ebenso wie für das lyrische Lied „I sail away to the sea“. Glockenklar hell, sanft und mit Herz – so präsentierte sich Stimmwunder Eleanor in ihren Beiträgen. Charlie hörte sich dagegen schon fast etwas positiv brummig an – aber wunderbar irisch. Mit „Remember Nora“ skizzierte das Duo unter anderem ein zart vorgetragenes Bekenntnis zur Liebe.

Bei Bob Dylans Ballade „The answer my friend is blowin’ in the wind“ war das Publikum aufgefordert, den Refrain mitzusingen – genau wie bei „I forgive him, I go with him wherever he goes“. War das beim Dylan-Song einfach, so blieb die Schar der erlesenen Mitsänger im zweiten Fall doch eher begrenzt.

Ein Ausflug ins Repertoire der Beatles war unumgänglich, und auch Elvis wurde thematisiert – allerdings in Form der Geschichte einer Frau, die sich in den King verliebt hatte. Die Affaire eines Mannes mit der Frau des besten Freundes wurde aufgearbeitet, und schließlich präsentierte Charlie McGettigan ein Lied, das er für seine Kinder geschrieben hatte. Zwar hoffe er, dass sie den richtigen Weg finden, hieß es darin, doch was auch immer geschehe: „Wir sind für euch da“.

Keine Frage: Kurz vor dem Finale musste auch der Song kommen, mit dem Charlie gemeinsam mit Paul Harrington (Piano) 1994 den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute ESC) gewonnen hatte. Der Titel „Rock’n Roll Kids“ ist seither eine Legende, genau wie „Forever young“ von Alphaville. Das war’s freilich noch nicht. Ohne zweimalige Zugabe durften diese beiden herausragenden Botschafter irischer Folkmusik die Bühne nicht verlassen. Ein toller Abend!

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