Ammoniak in der Luft gemessen

Großbrand in Werdohl: Viele Verletzte durch Dämpfe befürchtet

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Bei einem Großbrand im Werdohler Industriegebiet Dresel wurden am Freitagmorgen drei Personen leicht verletzt.

[Update 20.30 Uhr] Werdohl - Ein Feuer hat am Freitag eine Produktionshalle der Entlackungsfirma AB-EK im Gewerbegebiet Dresel zerstört. Mindestens drei Mitarbeiter der Firma und drei Polizeibeamte erlitten leichte Rauchgasvergiftungen. Am Nachmittag wurden aber noch deutlich mehr potenziell Betroffene untersucht.

Wodurch das Feuer ausgelöst wurde, das sich am späten Vormittag von einer Maschine schnell auf die gesamte Halle ausbreitete, war bis zum Abend unbekannt. Allerdings hielt es 170 Feuerwehrkräfte, ein großes Aufgebot von Sanitätern und Ärzten sowie Vertreter verschiedener Behörden in Atem. Die Feuerwehr konzentrierte sich bei ihrem Einsatz von Anfang an darauf, eine Ausbreitung des Feuer zu verhindern. „Die brennende Halle war nicht mehr zu retten“, begründete Stadtbrandinspektor Manfred Theile. Gleich nebenan lagerten aber verschiedene Chemikalien, darunter Säuren. Auf diesen Bereich sollte das Feuer auf gar keinen Fall übergreifen, um keine ungewollten chemischen Reaktionen auszulösen.

Großbrand im Werdohler Industriegebiet Dresel

Obwohl die Feuerwehr anfangs Probleme mit der Löschwasserversorgung hatte (Theile: „Wir haben nicht die Menge bekommen, die wir erwartet haben.“), gelang es, den nicht vom Feuer betroffenen Teil der Firma zu retten. Im Laufe von etwa drei Stunden ließen die Brandbekämpfer etwa 700.000 Liter aus dem Trinkwassernetz und der Lenne auf die Flammen und die benachbarten Gebäude prasseln. Weil es sich mit Lösemitteln und anderen Chemikalien vermischte, musste es anschließend zur Entsorgung in Behälter abgepumpt werden.

Von dem Feuer und den Löscharbeiten ging überhaupt eine relativ große Gefahr für Umwelt und Gesundheit aus. Beispielsweise wurde befürchtet, dass Lösemittel in die Lenne und belastetes Löschwasser in die Werdohler Kläranlage gelangen könnten. Offenbar war aber beides zumindest nicht in größerem Umfang der Fall. Die Stadt Werdohl schaltete ein Pumpwerk ab, dass Abwasser in die Kläranlage befördert und die Feuerwehr dichtete Kanaleinläufe und ein Regenklärbecken ab, dessen Überlauf in die Lenne gemündet hätte. Trotzdem sei die Trinkwasserentnahme aus der Lenne in Nachrodt vorübergehend eingestellt worden, sagte Harro Feckler, Regionalbereichsleiter des Ruhrverbands. „Es ist glimpflich ausgegangen: Die Kläranlage wurde nicht wesentlich belastet“, atmete er am späten Nachmittag auf.

Aufgrund der enormen Rauchentwicklung setzte die Feuerwehr schon früh Messwagen und 40 Spezialisten ein, um die Luft in Werdohl und den umliegenden Städten zu kontrollieren. Messtechnisch habe keine Belastung nachgewiesen werden können, aber vor allem in Neuenrade sei die Geruchsbelästigung hoch gewesen, sagte Einsatzleiter Theile.

Problematischer wurde es, als gegen Ende der Löscharbeiten leichter Wind aufkam und sich die Rauchgase im Gewerbegebiet Dresel ausbreiteten. Die Messungen, die nun auch von einem Team des Landesumweltamtes vorgenommen wurden, ergaben jetzt einen erhöhten Ammoniakwert in der Luft. Das veranlasste die Feuerwehr dazu, das seltene Szenario „Massenanfall an Verletzten“ auszurufen. 180 Personen – Mitarbeiter von benachbarten Firmen, Einsatzkräfte und einige Anwohner – wurden auf einem eigens eingerichteten Behandlungsplatz an der Tennishalle Dresel sicherheitshalber von einem Nortarzt und Sanitätern der DRK-Ortsvereine Lüdenscheid und Altena sowie der Johanniter Lüdenscheid untersucht. Acht Personen wurden anschließend zur weiteren Behandlung Krankenhäusern zugewiesen.

Wegen der starken Rauchentwicklung wurde vorübergehend die Ruhr-Sieg-Strecke der Bahn und für rund sieben Stunden die Bundesstraße 236 gesperrt.

Die Brandursache war am Freitagabend noch ebenso unklar wie die Schadenshöhe. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

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