Erwerbslosenberatung: Immer mehr Menschen suchen Hilfe

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Ute Zorn hat im Sozialen Beratungszentrum zunehmend mit Zuwanderern zu tun. Solche Beratungsgespräche seien aufgrund der Sprachbarrieren besonders zeitaufwendig, sagt sie.

Werdohl - „Der Beratungsbedarf steigt ständig“, stellt Ute Zorn fest. Immer mehr Menschen melden sich bei der Diplom-Pädagogin, die im Auftrag der Diakonie Mark-Ruhr in Werdohl in der Erwerbslosenberatung tätig ist.

„Als ich hier im Sozialen Beratungszentrum im Februar 2011 mit der Arbeit begonnen habe, gab es für arbeitslose Menschen kaum Angebote im südlichen Märkischen Kreis,“ erinnert sich Ute Zorn. Inzwischen gebe es ein flächendeckendes, kostenfreies Beratungsangebot in Nordrhein-Westfalen, das wesentlich mit Hilfe von Landesmitteln und Fördergeldern aus dem Europäischen Sozialfond bereitgestellt werden könne. 

Dass der Beratungsbedarf dennoch wächst, hänge auch mit neu hinzugekommen Zielgruppen zusammen. „Zugewanderte nehmen die Beratung immer öfter in Anspruch,“ nennt die Werdohlerin ein Beispiel. Gerade diese Beratungsgespräche seien oftmals zeitaufwendig. „Wenn es nicht möglich ist, sich in englischer Sprache zu verständigen, kommt ein Dolmetscher mit“, berichtet sie. 

Menschen aus diesem Personenkreis könne sie oft bei der Formulierung von Bewerbungsschreiben oder der Gestaltung eines Lebenslaufes unterstützen. Aber auch ältere Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und sich noch einmal neu bewerben müssten, nähmen diesbezüglich Hilfe in Anspruch. 

Die Menschen, die sich an der Schulstraße von Ute Zorn beraten lassen, sind ebenso unterschiedlich wie ihre Anliegen. Alleinerziehende, Berufsrückkehrer, ältere Arbeitnehmer, Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge und Menschen mit Behinderungen gehören ebenso dazu wie junge Leute, denen die berufliche Orientierung fehlt. „Meistens sind es Langzeitarbeitslose. Und oftmals sind es finanzielle Gründe, die sie in die Beratung treiben“, stellt die Diplom-Pädagogin fest. Denn im Alltag mit dem auszukommen, was nach der Berechnung des Arbeitslosengeldes II gezahlt wird, sei alles andere als einfach. „Deshalb wollen viele wissen, ob sie auch tatsächlich die Leistungen bekommen, die ihnen zustehen. Schließlich geht es ums Existenzminimum“, unterstreicht Zorn. 

Natürlich werde bei der Berechnung der Leistungen niemand absichtlich benachteiligt, klärt sie auf. „Es ist ganz einfach so, dass es kompliziert ist, einen Antrag auf Leistungsbewilligung auszufüllen“, erläutert die Beraterin. Und wer beispielsweise einen Mehrbedarf aus Unwissenheit nicht angebe, dem werde zu wenig Geld ausgezahlt. 

Und bei fehlenden Angaben komme es nicht selten zu einer verspäteten Auszahlung. Ein Fall ist Ute Zorn in diesem Zusammenhang besonders im Gedächtnis geblieben: „Es handelte sich um eine junge, hochschwangere Frau, die kurz vor Weihnachten noch kein Geld vom Jobcenter bekommen hatte und dringend darauf wartete. Ich war wirklich froh, dass ich ihr helfen konnte.“ 

Sie habe einen guten Draht zum Jobcenter – und zu vielen anderen Institutionen im Kreis, sagt Ute Zorn. „Weil die Probleme der Ratsuchenden so vielfältig sind, ist die Einbindung in Netzwerke für mich extrem wichtig“, unterstreicht sie. So seien beispielsweise Schuldnerberatung, Volkshochschule und Krankenversicherungsträger weitere Gesprächs- oder Kooperationspartner. 

Das Einzugsgebiet der Erwerbslosenberatung erstreckt sich von Neuenrade bis Meinerzhagen, wobei der größte Teil der Ratsuchenden aus Werdohl und den umliegenden Orten komme. „Werdohl hat einen Standortvorteil: das soziale Beratungszentrum,“ sagt Zorn, und verweist auf die weitere Angebote – unter anderem der Awo, der Caritas und der Diakonie –, die Hilfesuchende an der Schulstraße in Anspruch nehmen können.

Die Erwerbslosenberatung in Werdohl (Schulstraße 2) findet zu folgenden Zeiten statt: dienstags von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 9 bis 14 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr. Um Wartezeiten zu vermeiden, empfiehlt Ute Zorn eine vorherige Terminabsprache unter Tel. 0 23 92 / 72 18 68.

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