„Ich hätte Schweini zuhause gelassen“

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Tobias Böhm wohnt am Rutenpaul. Sein Zuhause ist in diesen Wochen sowas wie eine innerfamiliäre EM-Zentrale – und das weithin sichtbar.

Werdohl - Sollte jemand noch nicht gewusst haben, dass die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich gestartet ist: Wenn er am Rutenpaul vorbeifährt, sieht er es. Tobias Böhm hat mit seinem Bruder Marco Böhm und seinem Schwager Christopher Dinter das Haus, in dem sie wohnen, geschmückt. Etliche Deutschland-Fahnen und eine Tricolore sprechen eine deutliche Sprache: Dort wohnen Fans.

Tobias Böhm erläutert: „Wir spielen alle im Versetal Fußball oder haben das mal gemacht. Und wir finden unseren Hausschmuck schön.“ Vor zwei Jahren zur WM haben die vier erstmals das Gebäude mit Flaggen und Wimpeln verziert. Der vierte im Bunde – Tim Böhm – fiel dieses Mal bei der Schmückaktion aus: Er steckt in den Vorbereitungen für seine in einigen Tagen stattfindende Hochzeit.

Vor dem auffällig dekorierten Haus steht im Garten ein Pavillon. Bei den EM-Spielen am Wochenende und zusätzlich bei allen Partien mit deutscher Beteiligung trifft sich die ganze Familie zum Open-Air-Fußballgucken. Tobias Böhm verrät: „Dann sind hier sicherlich 15 Leute und feuern das Team an.“

Er sei BVB-Fan, verrät der junge Mann: „Und Marco Reus ist mein Lieblingsspieler.“ Deshalb finde er es auch gut, dass Joachim Löw den Jungstar nicht mit zum Turnier genommen hat. „Er soll seine Verletzung erst einmal auskurieren und lieber zur neuen Bundesliga-Saison wieder fit sein.“

Dennoch ist Tobias Böhm nicht unbedingt einverstanden mit der Kaderplanung des Bundestrainers: „Ich verstehe nicht, warum er Marcel Schmelzer nicht mitgenommen hat? Der hat doch eine gute Saison gespielt. Und Bastian Schweinsteiger hätte ich zuhause gelassen. Der hat doch kaum Spielpraxis.“

Insgesamt trete für Deutschland „eine ziemlich junge Mannschaft“ in Frankreich an. „Da müssen wir erst einmal sehen, wie die ins Turnier starten.“ Zwar wünscht sich Tobias Böhm ein Endspiel am 10. Juli von Deutschland gegen Frankreich, aber er ist sehr skeptisch. „Das wird keine leichte EM“, ist er sich sicher.

Gerne würde er einmal zu einem Turnier fahren, um ein Spiel live im Stadion zu sehen, „aber nicht jetzt nach Frankreich“, betont er. Die Angst vor dem Terror sei schlicht zu groß. Zuletzt – am 7. September 2014 – war er in Dortmund beim Spiel Deutschland gegen Schottland.

Übrigens: Während Tobias in der Liga schwarz-gelb bevorzugt, ist sein bald heiratender Bruder Tim glühender Anhänger des FC Schalke 04. Bei der EM allerdings freuen sie sich gemeinsam über die Tore der bundesdeutschen Kicker. Tobias betont: „Fußball ist sowie so ein Instrument der Integration – gerade bei solch einem Turnier.“ Die Äußerungen eines Politikers gegen Jerome Boateng hätten ihn jüngst wütend gemacht, hebt Tobias Böhm abschließend noch hervor.

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