Hoffentlich sind die Balken gut

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Wirkt idyllisch, wird aber vermutlich zu einem Trauerspiel: Der Saal von St. Petrus Canisius ist seit zwei Jahren gesperrt, das darüberliegende Dach soll jetzt im September geflickt werden. Das Ensemble hat wohl eine Gnadenfrist bis 2020, danach wird es sehr unwahrscheinlich, dass die Gemeinde es weiter halten kann. In dieser Größenordnung wird es auch nicht mehr gebraucht.

Werdohl - In zwei Wochen soll die seit zwei Jahren anvisierte Reparatur des Daches der Kirche St. Petrus Canisius in Eveking beginnen. Da die Zukunft des gesamten Ensembles in Frage steht, hängt viel davon ab, was die Dachdecker unter den Schindeln finden. Kirchenvorstand Manfred Buchta: „Wenn die Balken angegriffen sind, ist es der K.o.-Schlag für die Kirche.“

Vor zwei Jahren wurde der große Pfarrsaal gesperrt, weil Schindeln vom Dach auf die Besucher fallen können. Das Absperrband über den Hof ist schon schwer verwittert. Zudem gibt es mehrere undichte Stellen im Dach. Diesen undichten Stellen will die Gemeinde jetzt endlich zu Leibe rücken, die Arbeiten sind finanziert und an ein Lüdenscheider Unternehmen vergeben. „Wir wollen damit zunächst einmal den Gebäudewert und die Substanz erhalten“, so Buchta. Mit Glück seien die Balken noch intakt und es werde ein paar Jahre Zeit gewonnen. An eine weitergehende Sanierung ist nicht zu denken.

Ein Gutachter hat berechnet, dass rund 500 000 Euro in das Ensemble gesteckt werden müssten, um es vernünftig herzurichten. Es ist aber noch nicht einmal mehr Geld dafür da, die Fenster im großen Gemeindesaal auszutauschen.

In diesem Jahr wurden alle Kirchengemeinden im Bistum Essen aufgefordert, sich auf die veränderten Anforderungen einzurichten und vor allem Geld zu sparen. Die Vorgabe ist, ab 2020 mit 39 Prozent weniger Zuschüssen vom Bistum auszukommen. Dass viele Strukturen nicht mehr benötigt werden, weil es immer weniger Katholiken, noch weniger Gottesdienstbesucher und immer weniger Priester gibt, steht auf der anderen Seite.

Bis Ende des Jahres muss auch die Pfarrgemeinde St. Michael den Ist-Zustand erfasst und beschrieben haben (wir berichteten). In der zweiten Phase bis Ende 2017 soll ein Handlungskonzept erarbeitet und als Votum mit dem Bistum vereinbart werden. Bis 2020 wird der finanzielle Ausgleich durch das Bistum hergestellt, danach treten die Kürzungen voll in Kraft.

Buchta ist zwar mit Leib und Seele ein Mann aus Eveking, aber er ist als Kirchenvorstand der Gesamtgemeinde St. Michael auch für das Wohl der Katholiken in Werdohl und Neuenrade verantwortlich. Natürlich werde gehofft, die Kirche in Eveking zu erhalten, so Buchta. Realistisch sei das wohl nicht, so der Kirchenvorstand. Die großen Räume seien auch tatsächlich nicht mehr nötig, das wurde beim Gemeindefest am Wochenende deutlich. „Wir kamen gut mit dem Platz am alten Kirchgebäude aus“, so Buchta. Langfristig könne man im Versetal an die Ökumene denken. Die Evangelische Kirchengemeinde hat bereits beschlossen, die Friedenskirche in Eveking zu erhalten. Vielleicht könnten die Gemeinderäume dort gemeinsam genutzt werden.

Buchta kennt die Zahlen: 2003 gab es in St. Michael 7967 Katholiken, zehn Jahre später waren es nur noch 6655. Das sind fast zwanzig Prozent weniger. Die Zahl der Gottesdienst-Feiernden ist noch drastischer gesunken: 2003 gab es 967 regelmäßige Besucher, 2013 waren es nur noch 638. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Priester: 2015 waren im Bistum 230 Priester beschäftigt, 2030 werden es nur noch 119 sein.

Keine guten Aussichten für St. Petrus Canisius also.

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