Hähnchenspektakel im Versetal

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Noch-Regent Michael Grünhagen (links) und Uwe Bettelhäuser sorgen stets für Nachschub am Grill. Sie stecken die frischen Hähnchen auf die Spieße und holen die fertigen ab.

Werdohl - „Da darfst Du gleich auch mal eine halbe Stunde lang auf die Hüpfburg.“ Das sagte nicht etwa eine stolze Mutter zu ihrem braven Sohnemann. Nein. Das war am Samstagmittag aus dem Munde des Versetaler Schützenoberst Frank Herber zu hören. Und derart angesprochen hatte er seinen scheidenden Schützenkönig.

Der Noch-Regent Michael Grünhagen hatte – gemeinsam mit Uwe Bettelhäuser – eine neue Lage frischen Geflügels vorbereitet, die soeben beim Hähnchenspektakel auf den überdimensionierten Grill kam. Und Grill-Chef Herber lobte seinen König: „Michael, die hast Du aber gut aufgesteckt.“

Die Stimmung war offenkundig prächtig. Das lag nicht zuletzt an der trockenen Witterung. Im Vorjahr hatte es wie aus Eimern geschüttet. Die Kunden – teils aus den Niederlanden, andere kamen etwa aus Gummersbach und Wuppertal – fuhren mit dem Auto direkt an den Grill heran, um ihre Hähnchen möglichst trockenen Fußes „einzufangen“.

Als Folge daraus hatte Uwe Bettelhäuser in diesem Jahr erstmals nicht 1200 Broiler bestellt, sondern lediglich 1100. Doch Herber rechnete gleichwohl vor: „Wir haben in den fünf Jahren, die wir die Veranstaltung nun schon übernommen haben, bereits 6000 Flattermänner gegrillt. Das ist mehr als jeder andere in seinem ganzen Leben.“

Seit einem halben Jahrzehnt lockt das Spektakel rund um die Hähnchen nun schon nach Altenmühle. Und die Fangemeinde wird nicht kleiner. Oberst Herber und sein Team begannen am Samstagmorgen um 7 Uhr mit dem Anfeuern des Grills. „Um 7.30 Uhr standen die ersten schon vor uns und fragten, wann die Hähnchen denn fertig seien.“ Das dauerte allerdings noch bis mittags.

Und dann wechselten sie in schneller Folge eins ums andere den Besitzer. Im Akkord steckten König Grünhagen und Besteller Bettelhäuser weitere Exemplare auf die Grill-Spieße, fügten sie in den XXL-Grill ein, der für 180 „Flattermänner“ Platz bietet und hoben eine Lage goldbraun gerösteter „Mannis“ von den Kohlen. „Damit wir uns die Namen der Hähnchen merken können“, erläuterte Grünhagen, „heißen sie bei uns einfach alle ‘Manni’.“

Den begeisterten Käufern ist wohl zumeist der Name ihres Broilers ziemlich egal. Der Geschmack steht im Vordergrund. Und Herber weiß: „Das Geheimnis ist unsere Gewürzmischung.“ Doch so lieb ihn wohl auch mancher Spektakel-Fan angeschaut haben mag: „Die Rezeptur davon verrate ich nicht.“

Nicht hinter dem Berg hielt der Chef-Griller allerdings mit seiner Wut auf die Werdohler Marketing GmbH: „Die haben was gegen unser Engagement im Versetal“, ist er überzeugt. „Das war schon bei unserem Wichtelmarkt so“, grollte er. „Der ist dem Wöste ein Dorn im Auge“, ergänzte er mit Blick auf Marketing-Geschäftsführer Ingo Wöste. Dieser habe den Versetalern angeboten, sich in den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt einzugliedern. Herber: „Aber das wollen wir gar nicht. Bei uns ist es doch viel gemütlicher.“ Und am Wochenende verärgerte den Schützenoberst das Brückenbürgerweinfest: „Das hat die Marketing GmbH doch jetzt extra auf das Wochenende unseres Hähnchenspektakels gelegt“, schimpfte er.

Am Sonntagmorgen wurde der zweite Tag des Hähnchenspektakels mit einer Matinee eröffnet. Das Frühkonzert wurde gestaltet von der Einigkeit Werdohl. Hernach gab es, wie am Samstag auch schon, für alle, die kein Hähnchen wollten, auch ein riesiges Kuchenbuffet sowie Pommes und Curry- oder Bratwürste. - Von Michael Koll

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