Großes Interesse an VHS-Integrationskursen

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Shalabi Shalabi aus Syrien und Grigoris Tzermakian aus Griechenland lesen einen Text aus dem Lehrbuch vor. Wie später in der Abschlussprüfung müssen sie dazu auch Fragen beantworten.

Werdohl - „Wie alt warst du, als du nach Deutschland kamst?“, fragt Deutschlehrerin Hacer Breil. „Als ich nach Deutschland kam, war ich 20 Jahre alt“, antwortet Simona Gagliano. Die Italienerin lernt seit fünf Monaten Deutsch in einem Integrationskurs der Volkshochschule (VHS) Lennetal und bereitet sich auf ihre Sprachprüfung vor.

Gemeinsam mit 17 weiteren Zuwanderern sitzt die junge Frau montags bis freitags jeweils fünf Stunden im Kursraum der VHS und lernt deutsche Vokabeln und Grammatik. Nach 600 Unterrichtsstunden absolvieren die Kursteilnehmer eine Sprachprüfung, in der sie Lese- und Hörverstehen beweisen, ein Bild beschreiben und dazu Fragen beantworten müssen. An den Sprachkurs schließt sich ein 60-stündiger Orientierungskurs an, in dem die Zuwanderer Grundlagen der deutschen Kultur, Geschichte und Gesellschaftsordnung kennenlernen, erläutert Thomas Gehling, derzeit Fachbereichsleiter für die Integrationskurse.

Im Sprachkurs stehen Alltagsthemen wie Arbeit, Einkaufen und Gesundheit auf dem Stundenplan. „Ziel des Kurses ist, dass die Teilnehmer danach ihren Alltag in Deutschland sprachlich bewältigen“, erläutert Hacer Breil die Themenauswahl. „Sie sollen ohne Angst einkaufen und zum Arzt gehen können.“

Außerdem lernt es sich leichter, wenn vertraute Situationen besprochen werden. Der Kurs von Hacer Breil nimmt gerade die Vergangenheitsformen Präteritum und Plusquamperfekt durch. Unter der Überschrift „Glücksmomente“ stehen dazu im Deutschbuch Geschichten von Leuten, die sich einen Gebrauchtwagen gekauft, ein Kind bekommen oder das entscheidende Tor in einem Fußballspiel geschossen haben – da findet sich jeder wieder.

Zwei Integrationskurse bietet die VHS Lennetal im Moment an – nicht genug, um alle Interessenten aufzunehmen. Die Volkshochschule sucht deshalb einen neuen Dozenten, der einen dritten Kurs anbieten möchte. Denn die Nachfrage wird immer größer: Nicht nur Zuwanderer, die vom Arbeits- oder Ausländeramt zur Teilnahme verpflichtet wurden, sitzen in den VHS-Räumen. „Viele gehen den Schritt auch freiwillig und melden sich bei uns“, sagt Thomas Gehling. „Manche werden sogar vormittags von ihrem Arbeitgeber freigestellt, damit sie am Integrationskurs teilnehmen können“, ergänzt Hacer Breil. - Von Constanze Raidt

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