Gottesdienst mit Flüchtlingen: „Wohl dem, der barmherzig ist“

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Grillhähnchen und Bratwürstchen – je nach Geschmack – ließen sich die Besucher nach dem Gottesdienst schmecken.

Werdohl - „Unsinn“ sei es, hob Pfarrer Martin Buschhaus in seiner Predigt am Sonntagmorgen hervor, „zunächst an sich selbst zu denken“. Das tue sowieso jeder.

Buschhaus argumentierte weiter: Gott gehöre an die erste Stelle in eines Jeden Leben. Und darüber hinaus solle der Mensch auch seinem Nächsten helfen. Der „Nächste“ sei mal ein Familienmitglied, mal einer aus der Gemeinde, mal auch ein Fremder und mal gar ein Feind – immer derjenige, der am meisten Hilfe bedürfe.

Es gelte, Notleidende zu unterstüzen. „Wer das aber aus bloßem Humanismus tue“, mahnte Pfarrer Buschhaus, „bei dem ist der Akku schnell leer.“ Barmherzigkeit solle vielmehr „aus Freude über das Evangelium“ geschehen.

Anderthalb Stunden zuvor hatte der Gottesdienst begonnen mit einer Begrüßung in fünf Sprachen: deutsch, englisch, französisch, hebräisch und albanisch. Denn dieses Mal waren auch die in Werdohl untergebrachten Flüchtlinge eingeladen. Die Kirche war voll. 220 Besucher wurden gezählt. Auch über weite Teile des weiteren Vormittags wurde die Mehrsprachigkeit aufrecht erhalten.

Nach der Begrüßung wurde zunächst eine Diaschau über die Arbeit der Werdohler Flüchtlingshilfe präsentiert. Die Kollekte zum Schluss war zu Gunsten eben jener Vereinigung.

Pfarrer Dirk Grzegorek ging auf den Psalm 112 ein: „Wohl dem, der barmherzig ist“, heißt es dort. „Ich mag das Wort Flüchtlinge aber nicht“, betonte der Geistliche. „Es sind Menschen.“ Weiter kritisierte Grzegorek: „Und ihr Strom überfährt uns nicht. Das sind nur Formulierungen, die Angst machen sollen.“

Alpträume und Selbstmordgedanken

Mitarbeiter der Werdohler Flüchtlingshilfe trugen dann drei Geschichten vor, die Menschen erlebt haben, welche unterdessen zwischen Lenne und Verse Zuflucht fanden – Menschen aus Syrien, Afghanistan und aus dem Kosovo.

In den berührenden Wortbeiträgen war die Rede vom ewigen Warten auf die Annahme der Asylanträge, von Alpträumen und Schlaflosigkeit, von der Sehnsucht nach der zurück gelassenen Familie, die in tödlicher Gefahr ausharre, von glühender Hoffnung, von Korruption, Mord und dem Verlust geliebter Angehöriger und von Suizidgedanken. Klar wurde, dass dies Menschen sind, die sich und ihr Leben gerade nicht allzu sehr lieben.

Pfarrer Buschhaus stellte zu Beginn seiner folgenden Predigt klar: „Die wichtigste Frage ist: ‘Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen?’“ Nach einer Pause schob er nach: „...es sei denn, es gibt keinen Himmel.“ Der Weg sei, barmherzig zu sein.

Wird dem ein oder anderen Flüchtling damit auch nur ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert, entsteht vielleicht sowas wie der sprichwörtliche Himmel auf Erden. Damit ist möglicherweise schon ein erster Schritt getan.

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