Vertrautes in schweißtreibenden Versionen

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Dicht gedrängt stand das überaus begeisterte Publikum vor der Bühne in Pöngses Wohnzimmer. Glückliche Gesichter verrieten: Martin Engelien und seine Mitstreiter hatten wieder einmal ganze Arbeit geleistet.

Werdohl - Volles Haus, beste Stimmung, und wieder hatte Klaus-Lage-Bassist Martin Engelien eine sehr interessante Truppe für den jüngsten Auftritt seiner Go-Music-Reihe im Alt Werdohl zusammengestellt.

Chuck Plaisance, dessen Lebensbogen von New Orleans bis Ibbenbüren reicht, sang mit einer Kraft, die das Wort Urgewalt in Sichtweite kommen lässt. Seine zwölfseitige Gitarre trug in Form von Schweißspuren deutliche Zeichen eines leidenschaftlichen Einsatzes.

Dirk Edelhoff stand dem kahlköpfigen Barden mit der E-Gitarre und ebenfalls viel Spaß am Spiel zur Seite. Martin Engelien wurde nicht müde zu erwähnen, dass Edelhoff derzeit aus Schwerte komme.

Schlagzeuger Thomas Lieven aus Grevenbroich lieferte zu all dem ein grandios vorantreibendes Rhythmus-Fundament, dessen Devise er auf dem T-Shirt trug: „The Tempo ist whatever I say it is“.

Die Musikkneipe Alt Werdohl war derart gut besucht, dass am Freitagabend ein Durchkommen zur Bühne eine Herausforderung darstellte. Kultwirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch’ Wohnzimmer platzte beinahe aus allen Nähten.

Musiker lassen die Sonne scheinen

Und so schien die Sonne in einer anmutigen Version von Creams „Sunshine of Your Love“, oder sie schien eben nicht in Bill Withers’ „Ain’t no Sunshine“.

Jethro Tulls „Locomotive Breath“ gab Martin Engeliens Bass viel Raum zur Entfaltung. Und Billy Idols „White Wedding“ hat immer eine große Durchschlagskraft. Der Punk-Sänger nahm damit Anfang der 80er-Jahre die Heirat seiner Schwester aufs Korn.

Viel Freude bereitete auch die Musik aus der Abteilung „heimliche Nationalhymnen“: Für die Niederlande trat Golden Earrings’ „Radar Love“ als ein wunderbares Spielfeld nicht nur für den Drummer an, und für die USA spielten die Herren Lynyrd Skynyrds’ „Sweet Home Alabama“ – ein Stück amerikanischer Heimatkunde aus der Nachbarschaft von Chuck Plaisance’ Heimat.

Spielfreude der Musiker wirkt mitreißend

Mit diesem Stück warf Ronnie Van Zant – Sänger von Lynyrd Skynyrd – 1974 einen Fehdehandschuh zwischen seine Band und Neil Young. Letzterer äußerte sich in den beiden Songs wie „Southern Man“ und „Alabama“ kritisch über den Südstaatenrassismus.

Dirk Edelhoff (von links), Thomas Lieven, Chuck Plaisance und Martin Engelien rockten am Freitag im Alt Werdohl. Dabei boten sie eine schweißtreibende Weltreise, bei welcher mal die Sonne schien – und mal auch nicht.

Van Zant nahm Anstoß an dieser Sicht der Dinge und reagierte in „Sweet Home Alabama“ mit einer Zeile, in der er – ins Deutsche übersetzt – erklärte: „Neil Young vergisst hoffentlich nicht, dass ein Südstaatenmann ihn hier nicht braucht.“

„Norlins“ sei die in den USA übliche Kurzform bei der Benennung der berühmten Stadt im Mississippi-Delta, erklärte Martin Engelien. In einem berühmten Song gab der Sänger der Stadt ihre für Europäer gewohnte Bezeichnung zurück: „A House in New Orleans“.

Dieses Lied – ursprünglich ein Folk-Song, der schon in den 30er-Jahren bekannt war – wurde 1964 in der Version der Band The Animals ein Hit. 1970 feierte die Gruppe Frijid Pink damit auch einen Erfolg.

Go Music im Dezember an einem Samstag

Es gab bei dieser Go Music also viel Vertrautes im Alt Werdohl – gespickt mit schönen Soli, Tempowechseln und reichlich schweißtreibender Spielfreude. Das nächste Konzert der Go-Music-Reihe findet dann übrigens ausnahmsweise an einem Samstag statt, dem 3. Dezember.

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