Firma Lohmann in Werdohl: Kein Frieden im Jubiläumsjahr

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Die Werdohler Kokillengießerei Gebrüder Lohmann besteht sein 70 Jahren, seit 26 Jahren ist der Firmensitz im Industriegebiet Dresel. Hinter den Türen und vor Gericht verläuft seit über einem Jahr eine harte Auseinandersetzung zwischen dem Geschäftsführer und dem Betriebsrat. Geschäftsführer Hans Rohdenburg verhindert mit aller Kraft betriebliche Mitbestimmung.

Werdohl - Seit 70 Jahren besteht die Kokillengießerei Gebrüder Lohmann in Werdohl, betrieblichen Frieden im Jubiläumsjahr scheint es allerdings nicht zu geben.

Geschäftsführer Hans Rohdenburg verhindert mit aller Kraft betriebliche Mitbestimmung der etwa 100 Beschäftigten. Der erst vor einem Jahr gegen den Willen des Chefs gewählte Betriebsrat kann immer noch nicht arbeiten, Rohdenburg wurde gerichtlich gezwungen, PC und Schreibtisch bereit zu stellen.

Bis heute hat er sich nach Aussage des DGB nicht daran gehalten. DGB-Rechtsschutzsekretär Michael Mey: „Für das eigene Betriebsratsbüro haben wir ein Jahr lang geklagt. Wir müssen wohl den Titel vollstrecken.“

Dem Unternehmen Gebrüder Lohmann scheint es wirtschaftlich gut zu gehen, in den vergangenen Jahren wurden ständig investiert und erweitert. Die Aluminiumgießerei wurde 1946 durch Günter Lohmann in Kleinhammer gegründet, 1950 kam Bruder Karl-Heinz aus Kriegsgefangenschaft zurück in den Betrieb.

Umwandlung der Firma im Jahr 1989

In den Nachkriegsjahren wurden erweitert und aufgebaut, es kamen ein eigenständiger Werkzeugbau und die komplette mechanische Bearbeitung hinzu. 1979 wurden Gießerei und Werkzeugbau nach Dresel ausgelagert. 1989 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt, die bisherigen Kommanditisten Rolf Lohmann und Hermann Krins traten als Mitgesellschafter und Geschäftsführer ein.

1990 wurde in Dresel An der Tumpe neu gebaut und sämtliche Betriebsteile dorthin verlegt. Nach etwa 20 Jahren hatten die Inhaberfamilien Lohmann und Krins ein Nachfolgeproblem. Das lösten sie, indem Lohmann und Krins ihre Anteile an das Münsteraner Ehepaar Hans und Stephanie Rohdenburg verkauften. Hans Rohdenburg ist seitdem Geschäftsführer und Vertriebsleiter, seine Frau Stephanie Prokuristin.

Hans Rohdenburg wollte die Firma als Familienbetrieb weiterführen. Er hatte bis dahin in verschiedenen Firmen als Geschäftsführer in Deutschland und im Ausland gearbeitet. Bei der Übernahme der Werdohler Firma vor fünf Jahren ließ sich Rohdenburg mit folgenden Vorstellungen zitieren: „Soziale Verantwortung, Einbinden der Mitarbeiter bei Zielfestlegungen und deren Umsetzung, für die Mitarbeiter nachvollziehbare Geschäftsplanung und Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Firma.“ Sein Geschäftsführerbüro stehe den Mitarbeitern immer offen.

Anscheinend verbindet Hans Rohdenburg damit einen patriarchalen Führungsstil. Mit seinen Methoden steht er jetzt im Konflikt mit dem Betriebsverfassungsgesetz. Im vergangenen Sommer wollten Beschäftigte mit Unterstützung der IG Metall einen Betriebsrat gründen und luden unter Einhaltung aller Fristen zur Wahl eines Wahlvorstands ein. Hans Rohdenburg holte sich damals die Attendorner Kanzlei Schreiner und Partner ins Haus.

Laut DGB brüste sich diese Kanzlei damit, ausschließlich die Arbeitgeberseite zu vertreten. Die Lohmann-Beschäftigten ließen und lassen sich bis heute vom DGB-Rechtsschutz vertreten. Rechtsschutzsekretär Michael Mey aus Hagen führt weiterhin die juristischen Auseinandersetzungen mit Hans Rohdenburg. Demnach wurde von Anfang an mit härtesten Bandagen gekämpft. Mey: „Der Arbeitgeber warf den IG Metallern Knüppel zwischen die Beine, wo es nur ging.“

Der Wahlvorstand musste damals mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung vom Arbeitsgericht Iserlohn den Betrieb zur Herausgabe der Beschäftigtenliste zwingen. Nun lässt sich in Deutschland die Wahl eines Betriebsrates nicht verhindern, die betriebliche Mitbestimmung ist gesetzlich verankert.

"Es ist eine unendliche Geschichte"

Hans Rohdenburg kämpft dagegen an. Mey: „Der Geschäftsführer fand drei Beschäftigte, die sich vor den Karren spannen ließen und die kurzerhand ebenfalls zur einer Betriebsversammlung einluden.“ Das Arbeitsgericht Iserlohn entschied, dass die vom Arbeitgeber initiierte Betriebsratswahl sofort abzubrechen sei. Das reichte Rohdenburg nicht, er zog mit den Attendorner Anwälten vor das Landesarbeitsgericht Hamm – und unterlag auch hier. Die Beschäftigten wählten im August 2015 einen fünfköpfigen Betriebsrat.

„Es ist eine unendliche Geschichte“, sagte Rechtsschutzsekretär Mey auf Nachfrage unserer Redaktion. Seit einem Jahr ist die Gewerkschaft dabei, die gesetzlichen Ansprüche des Betriebsrates gegenüber dem Unternehmen gerichtlich durchzusetzen. Ein Jahr wurde für ein eigenes Betriebsratsbüro geklagt, das es aber immer noch nicht gibt. Mey: „Erst unter dem Druck von Klageverfahren übernahm Rohdenburg die Schulungskosten für die Betriebsratsmitglieder.“

Momentan liefen drei Verfahren gegen Rohdenburg wegen Missachtung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei der Einstellung von Arbeitnehmern und bei der Anordnung von Mehrarbeit. Hans Rohdenburg (56) lässt sich mittlerweile juristisch vom Arbeitgeberverband vertreten. Er war auf Nachfrage unserer Redaktion aktuell zu keinem Gespräch bereit.

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