Werdohler soll illegal Strom abgezapft haben

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Symbolfoto

Werdohl - Es ist eine schon etwas ältere Geschichte, die immer mal wieder im Amtsgericht Altena auftaucht. Sie spielt in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Werdohl. Einer der Mieter betrieb von dort aus einen schwunghaften Handel mit Karosserie-Teilen für die berühmten fahrenden Enten der Firma Citroën.

Nach seinen Angaben ist es mittlerweile zwei Jahre her, dass der Vermieter ihm mit dem Hinweis auf angeblich ausstehende Mietzahlungen den Zutritt zu seinem Mietobjekt verwehrte. Da er nicht nur Ersatzteile für „Enten“, sondern auch seine persönliche Habe dort deponiert hatte, stand der mittlerweile 64-jährige Mann plötzlich vor dem Nichts. Alle Versuche, sein Eigentum wiederzubekommen, scheiterten bis heute. Mittlerweile kümmert sich seine Anwältin Stephanie Mertens auf zivilrechtlichem Wege um die Rückgabe des Eigentums ihres Mandanten – einschließlich persönlicher Dokumente.

Vermieter setzt den Mann vor die Tür

Der 64-Jährige aus Sundern musste sich am Dienstag im Amtsgericht Altena seinerseits als Angeklagter dem Vorwurf der „Entziehung elektrischer Energie“ stellen. Mithilfe eines zusätzlichen Kabels sollte er im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 21. August 2014 die Stromversorgung des Gebäudes so angezapft haben, dass er elektrische Energie am Stromzähler vorbei nutzen konnte. 4637 Kilowattstunden sollte er angeblich auf diesem Wege entwendet und dadurch beim Energieversorger einen Schaden von rund 1200 Euro verursacht haben.

Der Staatsanwalt wies in seiner Anklage zudem darauf hin, dass das illegal verlegte Stromkabel einen zu kleinen Durchmesser gehabt habe, was zu einer „nicht zu unterschätzenden Brandgefahr“ geführt habe.

Schon vorher die Berufung angekündigt

„Es wurde da tatsächlich illegal Strom abgezapft“, bestätigte der Angeklagte im Amtsgericht und bestritt gleichzeitig energisch, dass er mit diesem Treiben irgendetwas zu tun gehabt habe. In einer längeren internen Beratung kamen auch Richter und Staatsanwalt zu dem Ergebnis, dass an den Vorwürfen gegen den Angeklagten nicht all zu viel dran war. Es gab zwar keinen Freispruch, aber die Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen wurde dem Angeklagten durch die Übernahme der Kosten für seine Rechtsanwältin schmackhaft gemacht.

Denn eigentlich war er gegen einen zuvor ergangenen Strafbefehl mit einer klaren Devise angetreten: Mit etwas anderem als einem Freispruch wolle er das Amtsgericht nicht verlassen – ansonsten gehe er in Berufung. Diese Kraft kann er sich nun aufsparen für den kommenden Zivilprozess, um endlich sein Eigentum einschließlich der Fahrzeuge und Karosserieteile zurückbekommen.

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