Ins Gefängnis für eine Pulle Schnaps: 26-jähriger Werdohler ist unbelehrbar

Werdohl - Am Anfang war ein Diebstahl einer Flasche Wodka für 4,99 Euro. Am Ende drohten zwei vollstreckbare Haftstrafen von insgesamt elf Monaten. Aber daran war nicht nur der Schnaps schuld.

„Ich war rappelvoll“, schilderte der 26-jährige Angeklagte im Amtsgericht Altena seinen Zustand, der sicherlich dazu beigetragen hatte, dass er die Flasche am 19. September im Werdohler Lidl-Markt in seinem Rucksack hatte verschwinden lassen. 

„Haben Sie ein Alkoholproblem?“, wollte Richter Dirk Reckschmidt wissen und hörte ein recht kraftvolles „Nein!“ Das war umso überraschender, als der Angeklagte ansonsten immer wieder gebeten werden musste, doch lauter zu sprechen. 

Haftstrafe von neun Monaten

Überzeugend war die Antwort dennoch nicht: Denn er musste einräumen, immer noch regelmäßig dem Alkohol zuzusprechen. Der Diebstahl allein wäre nicht so schlimm gewesen. Aber erst am 7. Juni 2016, zweieinhalb Monate vor dem Schnapsdiebstahl, war der Werdohler wegen eines „gemeinschaftlichen Diebstahls in einem besonders schweren Fall“ zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt und ausführlich über die Regeln einer Bewährungsstrafe belehrt worden.

Als Auflagen verhängte Richter Dirk Reckschmidt eine Alkoholentwöhnungstherapie und 150 Sozialstunden. Beides hatte der Angeklagte ignoriert. Und so kam es, wie es kommen musste: Staatsanwältin Ina Pavel beantragte eine Haftstrafe von zwei Monaten ohne Bewährung wegen des „absolut lächerlichen Wodka-Diebstahls. Der Bewährungsverlauf war einfach nur katastrophal.“ 

Anwalt seufzt über Ungerechtigkeit der Welt

Verteidiger Ralf Mitschke schloss sich ihr – mangels argumentativer Alternativen – an, seufzte aber über die Ungerechtigkeit der Welt: „Da geht so ein junger Mann wegen einer Pulle Schnaps für 4,99 Euro ins Gefängnis, und auf der anderen Seite kommt jemand aus dem Gefängnis und wird Präsident von Bayern München.“

Der Richter folgte den Anträgen und verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten Haft ohne Bewährung: „Das Problem liegt ganz woanders: Dass Sie mit aller Konsequenz gar nichts getan haben.“ Gleichzeitig empfahl er dem Angeklagten aber, die Zeit bis zu einer möglichen Berufungsverhandlung im Landgericht zu nutzen. 

Nötig sei eine stationäre Langzeittherapie zur Alkoholentwöhnung – möglichst weit weg von zuhause. Nur dann habe der 26-Jährige eine Chance, den zwei plus neun Monaten Haft aus den beiden Verurteilungen zu entgehen, lautete die Empfehlung.

Rubriklistenbild: © dpa

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