Gefälschte Unterschriften: 22-Jährige lässt Unternehmen zahlen

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Werdohl - Das Schicksal von Millionen junger Menschen ereilte im Herbst 2014 auch eine damals 22-jährige Werdohlerin: „Ich wurde von meiner Mutter auf die Straße gesetzt und hatte keine Geld.“

In dieser Lage kam sie auf die interessante Idee, für fällige Überweisungen die Kontonummer eines im Internet agierenden An- und Verkaufsshops zu nutzen.

Mitsamt der gefälschten Unterschrift des Firmengründers von ReBuy reichte sie diese Überweisungsträger bei der Commerzbank ein und wälzte auf diese Art und Weise Kosten für einen Mobilfunkvertrag und eine Zahlung an das Eisenbahnunternehmen Abellio auf andere ab.

Eine weitere betrügerische Zahlung für im Internet bestellte Parfümerieartikel bestritt die junge Frau gestern im Amtsgericht Altena, woraufhin dieser Vorwurf fallengelassen wurde. Ebenso wurde das Strafverfahren wegen einer zunächst nicht bezahlten Maklerrechnung in ihrer neuen Heimat jenseits von Werdohl eingestellt. Denn dieser Betrag war mittlerweile vollständig beglichen.

"Ich hatte kriminelle Freunde"

Doch es blieben drei betrügerische Überweisungen übrig und die Frage, wie es zu so einem professionellen Vorgehen kommen konnte. „Ich hatte kriminelle Freunde, die sich mit so etwas auskennen“, begründete die Angeklagte ihr Insiderwissen über die betrogene Internet-Firma.

Sie selber habe weder Personalcomputer noch Handy und kenne sich mit so etwas nicht aus: „Jemand“ aus ihrem einstigen Umfeld habe ihr die nötigen Daten auf einem Zettel zukommen lassen, und sie habe dieses Wissen dann tatsächlich genutzt.

600 Euro Strafe für die Angeklagte

Für den dreifachen Betrug und die Urkundenfälschung gab es schließlich eine Gesamtstrafe von 60 Tagessätzen, deren Höhe die noch immer schwierige finanzielle Situation der mittlerweile 23-Jährigen widerspiegelte: Insgesamt 600 Euro muss die Angeklagte berappen.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass sie bisher nicht vorbestraft war. Ob vielleicht ihr Freund diese 600-Euro-Strafe bezahlen könne, wollte die junge Frau zum Abschied wissen.

Richter Dirk Reckschmidt wusste von der Ungerechtigkeit, die finanzielle Sanktionen begleitet: „Es ist bei Geldstrafen immer so, dass die ganze Familie bestraft wird.“

Und er gab der jungen Frau noch einen dringenden Rat mit auf den Weg: „Lassen Sie nicht wieder die Firma ReBuy bezahlen!“

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