Nur ein Redner erinnert an die Anschläge von Paris

Am Ehrenmal im Ludwig-Grimm-Park legten Bürgermeisterin Silvia Voßloh und der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Ohrmann ebenso einen Kranz nieder wie Vertreter verschiedener Vereine und der Feuerwehr. Foto: Griese

Werdohl - In Werdohl haben am Samstag und Sonntag die Menschen der Opfer von Kriegen und Gewalttaten gedacht. Anlässlich des Volkstrauertages legten auch die Werdohler an Gedenkstätten Kränze nieder.

Einst selbst auf der Flucht, habe sie heute beim Ansehen der Nachrichten tagtäglich Bilder aus der Vergangenheit vor dem geistigen Auge, sagte Elisabeth Jährling bei der Kranzniederlegung der Heimatfreunde Schlesiens am Samstag. Und so hoffe sie, dass ihre Kinder und Enkel niemals Derartiges erleben müssten. Dann wünschte sie allen Anwesenden eine frohe und vor allen Dingen friedliche Vorweihnachtszeit. Die Landsmannschaft Schlesien war 1950 gegründet worden. Sie erstellte damals ein Mahnmal auf der Funkenburg, das Ende der 90er-Jahre durch jenes am Friedrich-Keßler-Platz ersetzt wurde.

Am Sonntagmorgen trafen sich Vertreter der Stadt und von Werdohler Vereinen am Ehrenmal im Ludwig-Grimm-Park. Pfarrer Martin Buschhaus zeigte sich in seiner Ansprache dankbar dafür, dass in Deutschland inzwischen drei Generationen leben, die von ihrer Geburt an nur Frieden erlebten. Der Volkstrauertag könne eigentlich in „Volksdanktag“ umbenannt werde, „weil heute zum Glück immer weniger Menschen Trauer tragen“, sagte er mit Bezug auf die Trauer um die in Kriegen ums Leben gekommenen Menschen.

„So schön das auch ist, birgt es doch die Gefahr von Oberflächlichkeit und Geschichtsvergessenheit“, warnte Buschhaus davor, den Frieden als Selbstverständlichkeit zu betrachten. In diesem Kontext stellte er fest, dass die Beteiligung an der Gedenkfeier – abgesehen von den offiziellen Vertretern – doch eher gering sei. Er regte an, zu diesem Anlass einen Geschichtslehrer zu Wort kommen zu lassen, der darüber berichten könne, was Jugendliche heute über den Krieg wissen und lernen. Auf die jüngsten Terroranschläge von Paris ging Buschhaus nicht ein.

Auch am Mahnmal auf dem Evangelischen Friedhof in Eveking fand eine Gedenkstunde mit Pfarrer Dirk Grzegorek statt, wobei die Beteiligung dort ebenso – nach Abzug aller Offiziellen – eher einen traurigen Anblick vermittelte. Abordnungen der Feuerwehr-Löschzüge Kleinhammer und Eveking, des TuS Versetal und Versetaler Schützenvereins sowie weiterer Vereine, einige wenige Kommunalpolitiker und vereinzelt auch Bürger gedachten der Opfer beider Weltkriege und der Vertreibung.

Grzegorek spannte den Bogen aber weiter. „Wir gedenken der Opfer aller Völker“, sagte er. „Zeitnah trauern wir vor allem um die Opfer der Anschläge in Paris“, ergänzte der Pfarrer. Umrahmt wurde die Gedenkstunde von Bläsern des Versetaler Musikzuges sowie den Männerchören Verse-/Ahetal und Werdohl, die das Schlusswort von Pfarrer Grzegorek mit dem Lied „Gib uns Herr den Frieden“ aufgriffen. Von Volker Griese, Rainer Kanbach und Michael Koll

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