Gebäude Im Winkel 32 wird wieder Flüchtlings-Unterkunft

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230 000 Euro muss die Stadt in das Gebäude Im Winkel 32 stecken, um daraus eine menschenwürdige Unterkunft zu machen. „Glücklich ist mit dieser Lösung niemand“, sagt Fachbereichsleiter Bodo Schmidt. Aber eine Alternative gibt es nicht.

Werdohl - Das ehemalige Übergangswohnheim Im Winkel 32 wird wieder als Unterkunft für Flüchtlinge hergerichtet. Auch im ehemaligen Kindergarten Funkenburg will die Stadtverwaltung bald Asylbewerber vorübergehend unterbringen.

Die beiden Gebäude umzubauen und zu renovieren, wird insgesamt rund 268 000 Euro kosten.

Wie Fachbereichsleiter Bodo Schmidt am Montag mitteilte, trafen Bürgermeisterin Silvia Voßloh, die stellvertretenden Bürgermeister sowie die Vorsitzenden der Ratsfraktionen am Freitag eine entsprechende Dringlichkeitsentscheidung.

„Wir sehen große Probleme am nahen Horizont auftauchen“, begründet Schmidt diesen Beschluss. Die Verwaltung wolle keine Zeit verlieren und nicht bis zu den ersten Sitzungen von Rat und Hauptausschuss im September warten.

Immerhin werde es etwa fünf Monate dauern, bis das Gebäude Im Winkel bezugsfertig ist. Für die Funkenburg rechnet der Verwaltungsmitarbeiter mit vier bis sechs Wochen.

Derzeit sind in Werdohl rund 160 Flüchtlinge untergebracht. „Die Zahl ändert sich eigentlich täglich“, sagt Bodo Schmidt. So sei gerade am Montag eine vierköpfige Familie angekommen.

Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr betreute die Stadt noch etwa 130 Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber. Weil im Februar die Plätze im Wohnheim an der Osmecke knapp wurden, beschlossen Politik und Verwaltung, das Haus am Grasacker 31 zum Wohnheim umzubauen.

Bis zu 16 Flüchtlinge sollen demnächst vorübergehend einen Schlafplatz im ehemaligen Kindergarten Funkenburg bekommen.

Doch auch diese neuen Kapazitäten sind bald erschöpft: Drei bis sechs Personen würden der Stadt Werdohl inzwischen pro Woche zugewiesen, teilt die Stadtverwaltung mit. Im Übergangswohnheim Im Winkel 32 sollen daher 60 bis 70 Plätze „für eine mittelfristige Unterbringung“ entstehen, in der Funkenburg „bis zu 16 Schlafplätze für eine kurzfristige Unterbringung“, heißt es in der Pressemitteilung der Verwaltung.

Das Gebäude Im Winkel muss komplett entkernt und renoviert werden. Entsprechend hoch fallen die Kosten aus: Rund 230 000 Euro plant die Verwaltung dafür ein. „Wir wollen das so herrichten, dass es wirklich eine menschenwürdige Unterkunft wird“, betont Bodo Schmidt.

Schon im Februar stand zur Debatte, dieses Wohnheim wieder nutzbar zu machen. Damals entschied der Bau- und Liegenschaftsausschuss jedoch, wegen der schlechten Bausubstanz nur im äußersten Notfall darauf zurückzugreifen.

In den kommenden Wochen lässt die Verwaltung zunächst das Grundstück rund um das Haus auf Vordermann bringen. Bis die Handwerker mit den Arbeiten im Gebäude anfangen können, werde es mindestens einen Monat dauern, schätzt Schmidt.

Eingeplantes Geld reicht nicht

Auch auf dem Grundstück der Funkenburg geht es mit Grünschnitt los. Den übernehmen Asylbewerber, die bei der Stadt eine Art Ein-Euro-Job haben. Sie werden außerdem die künftigen Schlafräume aufräumen und reinigen. Anschließend werden Handwerker zwei Küchen ein- und die Toilettenanlagen umbauen.

Seit Mai wohnen Flüchtlinge auch im Gebäude am Grasacker 31. Doch diese zusätzlichen Kapazitäten sind inzwischen ausgereizt.

Mit etwa 38 000 Euro rechnet die Verwaltung für dieses Gebäude. Das Geld für die Umbaumaßnahmen wird überplanmäßig bereitgestellt.

Auch ohne diese Kosten machen sich die ständig steigenden Flüchtlingszahlen finanziell drastisch bemerkbar: 830 000 Euro sind im Haushalt 2015 allein für den Lebensunterhalt der Flüchtlinge eingeplant. Davon bezahlt die Stadt Lebensmittel, Kleidung, Hausrat sowie Arztbesuche.

„Es ist noch Geld da, aber das wird nicht bis zum Jahresende reichen“, fasst der Fachbereichsleiter zusammen. Bisher habe das Land NRW 278 000 Euro zum Lebensunterhalt der Asylbewerber beigesteuert, es werde aber mehr Geld kommen. „Das brauchen wir dann auch dringend“, sagt Schmidt.

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