Freispruch trotz großer Bedenken: Angeklagter muss trotzdem nochmal vor Gericht

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Werdohl - Einen überraschenden Freispruch gab es jüngst im Amtsgericht Altena.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten drei Einbrüche in die Wohnung einer türkischen Familie auf dem Bremfeld vorgeworfen, und tatsächlich sprach auch nach der Verhandlung sehr viel dafür, dass der 22-Jährige dort tatsächlich eingebrochen war, einen Schlüssel entwendet hatte und mithilfe dieses Schlüssels noch weitere zwei Mal in die Wohnung eingedrungen war.

„Es riecht, es stinkt“, stellte Richter Dirk Reckschmidt bei der Urteilsbegründung fest, und selbst Verteidiger Ralf Mitschke räumte ein, dass „einiges“ gegen seinen Mandanten spreche. Doch am Ende gab es einen Freispruch, weil die Geschichte, die der Angeklagte erzählte, nicht zu widerlegen sei.

Schlüssel in der Waschküche gefunden

Er habe den Schlüssel der dreifach aufgesuchten Wohnung in der Waschküche des Mehrfamilienhauses gefunden, erzählte der 22-Jährige. Daraufhin habe er dummerweise keinen Aushang gemacht, dass ein Schlüssel gefunden wurde und auch nicht bei seinen Nachbarn geklingelt.

Stattdessen begegnete er nach dem Aufschließen der Wohnung einem 72-jährigen Nachbarn, der lange in der Türkei gewesen und nun wieder in der Wohnung war. Dieser Zeuge erzählte vor Gericht die Geschichte vom Verschwinden dieses Schlüssels:

Einmal ohne, einmal mit Schlüssel

Zwischen dem 30. Juni und diesem 30. September 2015, an dem der Angeklagte angeblich „nur den Schlüssel zurückgeben wollte“, war zweimal in die Wohnung eingebrochen worden.

Beim ersten Mal wurde die Tür schwer beschädigt und nur notdürftig wieder hergerichtet. Bei dieser Gelegenheit seien ein Sat-Receiver, ein Haartrockner, ein Bügeleisen, ein paar Töpfe, Jacken und ein Ersatzschlüssel für die Wohnung gestohlen worden, berichtete der Zeuge.

Beim zweiten Mal sei der Einbrecher offenbar mithilfe dieses Schlüssels in die Wohnung gekommen und habe ein Smartphone und ein Armband mitgenommen.

"Was machst du hier?"

Der Zeuge erinnerte sich noch sehr gut an den 30. September, als der Angeklagte plötzlich vor ihm stand: „Dann sah ich diese Person mit schwarzen Handschuhen und fragte sie: Was machst du hier?“ Seinem Griff habe sich der Eindringling dann entrissen und sei weggelaufen.

Indizien gab es mithin reichlich, doch am Ende stand ein nur sehr mühsam nachvollziehbarer Freispruch. Für den Angeklagten sprach letztlich nur, dass die gestohlenen Gegenstände in seiner Wohnung nicht gefunden worden waren.

Mit Teleskop-Schlagstock zum Amtsgericht

Doch der 22-Jährige sorgte selber dafür, dass er in einigen Monaten wieder im Amtsgericht wird auflaufen müssen: An der Pforte stellten die Justizbeamten bei der Sicherheitskontrolle seinen Teleskop-Schlagstock sicher.

„Das ist ein verbotener Gegenstand und eine Straftat: unerlaubter Waffenbesitz“, klärte Richter Dirk Reckschmidt den Angeklagten auf.

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