Freispruch für 19-jährigen Werdohler

Am Auge gekratzt

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Werdohl - Wollte ein 19-jähriger Werdohler Polizisten beleidigen, als er am 23. Dezember einem Streifenwagen begegnete?

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft sollte er den Beamten auf der Feldstraße den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt und sie dadurch „in ihrer Ehre herabgesetzt“ haben.

„Ich habe mich mit dem Mittelfinger am Auge gekratzt“, wiederholte der Angeklagte dreimal mit fast identischen Worten eine Geschichte, über die nur sein Auge Grund gehabt hätte, sich zu beschweren – wenn sie denn wahr gewesen wäre.

Einer der beiden beteiligten Polizisten schilderte das Geschehen: „Beim Erblicken des Streifenwagens hat er gestellt gelacht, in den Wagen geschaut und sich mit dem Mittelfinger – wie man so sagt – am Auge gekratzt.“

Diese Unbestimmtheit der Geste ließ sich nicht wegdiskutieren, und das Gericht zog die einzig mögliche Konsequenz: „Es lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass der Angeklagte das als ehrverletzende Geste gemeint hat“, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest und sprach den 19-Jährigen frei. Doch der Richter schickte noch eine sich aufdrängende Vermutung über die Wahrheit hinterher: „Im Grunde genommen wissen wir hier alle, was passiert ist.“

Dass sich der Angeklagte wegen dieser Geschichte vor dem Jugendschöffengericht wiederfand, verdankte er seinem Vorstrafenregister, das er jährlich mit Einträgen wie Beleidigung, Betrug und Sachbeschädigung gefüllt hatte.

Einen seriösen Anlass für eine Fortsetzung dieser Sammlung scheint der 19-Jährige in keiner Weise zu haben: Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung will er nun noch ein anspruchsvolles Studium draufsetzen. Doch all das scheint nicht davor zu schützen, immer noch den Rabauken spielen zu müssen.

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