Frank Bossong arbeitet als Landschaftswächter

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Frank Bossong – ehemaliger Werdohler Förster – lebt nach wie vor in der Stadt und übt das Ehrenamt des Landschaftswächters aus. Seine derzeitige Amtszeit läuft noch bis Ende 2020. Auf dem Laptop am heimischen Küchentisch schaut er nach, wo in Werdohl Biotope sind.

Werdohl - Zu Beginn des Jahres wurde Frank Bossong in seine zweite – jeweils fünfjährige – Amtszeit als Landschaftswächter gewählt. Der ehemalige Förster Werdohls ist seit Anfang 2013 beschäftigt beim Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberg, wohnt aber weiterhin in der Stadt an Lenne und Verse. Die Aufgabe als Landschaftswächter indes ist ein Ehrenamt.

Im Märkischen Kreis gibt es 19 Landschaftswächter. Sie werden auf Vorschlag der Landschaftsbeiräte von der Unteren Landschaftsbehörde ins Amt berufen. Bossong ist für die gesamte Stadt Werdohl zuständig. Einmal jährlich trifft er sich im Lüdenscheider Kreishaus mit seinen 18 Kreis-Kollegen zum Austausch.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) bietet zudem Fortbildungen für Landschaftswächter an. Diese braucht Bossong zumeist aber nicht. Als ehemaliger Förster verfügt er über ein breites fachspezifisches Wissen. Für die Berufung zum Landschaftswächter ist dieses aber keine Voraussetzung. Kandidaten benötigen keine Qualifikation – lediglich „ein Faible für Umwelt und Natur“, wie Bossong es formuliert.

In Ausübung seines Amtes kann sich der 46-Jährige Werdohler bei Bedarf mit Hilfe eines grünen Papier-Lichtbild-Ausweises legitimieren. Darauf steht: „Der Inhaber dieses Ausweises ist als Mitglied der Landschaftswacht Beauftragter (...) des Märkischen Kreises als untere Landschaftsbehörde. Ihm ist (...) das Betreten von Grundstücken zu gestatten.“

Bossong stellt aber sogleich klar: „Dabei geht es nicht um Privatgrundstücke. Ich bin ja zum Beispiel nicht zuständig für die Frage, ob Sie im Garten einen Swimming-Pool bauen dürfen. Dafür gibt es Baugenehmigungen.“ Dann erläutert der Landschaftswächter: „Ich bin auch kein Ordnungshüter, sondern lediglich ein Verbindungsglied zur Unteren Landschaftsbehörde und ein Dienstleister – jemand, der den Bürger aufklärt.“

Sein Aufgabengebiet umfasse die „offene Landschaft“. Bossong verdeutlicht: „Angesichts dessen, dass Werdohl zu rund 60 Prozent aus Wald besteht, gibt es davon hier also gar nicht so viel.“ Für den Wald ist Bossongs Nachfolger – Förster Kevin Hauser – zuständig. „Er ist also mein Partner“, sagt der 46-Jährige.

Dass er selbst vor Ort einmal Förster war, sei für ihn nun von Vorteil: „Ich kenne mich hier aus und mir sind auch alle Ansprechpartner noch bekannt.“ Und so kann Bossong den Bürgern auch immer wieder Rat und Tipps geben.

Seine Aufgabengebiete umfassen bauliche Maßnahmen in der offenen Landschaft, Beeinträchtigungen von Biotopen und Naturschutzdenkmälern, Aufstellen von Werbetafeln in der Natur, Entsorgung von Erdreich in der Landschaft und vor allen Dingen Müllablagerungen. Rund 80 Prozent seiner Tätigkeit hängen mit illegalen Unrat-Entsorgungen zusammen.

Der Ex-Förster klagt: „Es sind immer wieder dieselben Abzweigungen in den Wald hinein, wo Leute ihren Abfall abkippen.“ Findet er wieder einmal etwas, so informiert er den städtischen Bauhof.

Bossong braucht für seine Tätigkeit als Landschaftswächter im Wesentlichen „offene Augen“. Er erklärt: „Ich gehe, wenn ich privat mit dem Hund einen Spaziergang mache, mal kurz bei einem Biotop vorbei.“

Trifft er beispielsweise einen Müll-Ablader auf frischer Tat an, so versucht er diesen zunächst dazu zu bewegen, „seinen ganzen Schrott“ wieder mitzunehmen. „Das reicht mir dann als kleiner Warnschuss, wenn ich jemanden das erste Mal erwische. Ich will ja schließlich nur Verständnis für die Natur aufbauen.“

Bei Unbelehrbaren sehe das dann schon anders aus: „Andernfalls drohe ich ihm an, sein Autokennzeichen zu fotografieren und ihn zu melden.“ Bossong hat keine Befugnisse, Strafen auszusprechen. Er trägt weder Handschellen noch eine Waffe bei sich. „Das ist alles ganz unspektakulär. Ich nehme keinen fest. Die Untere Landschaftsbehörde leitet dann gegebenenfalls ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.“

Bossong berichtet: „Werdohl hat zwei schützenswerte Waldflächen: Nordhelle und in Teindeln. Um die kümmert sich der Förster.“ Zwar gebe es ein Naturschutzgebiet in Werdohl – Wilhelmsthal –, aber dieses werde bewirtschaftet vom Naturschutzzentrum des Kreises in Lüdenscheid, falle also auch in nicht in den Aufgabenbereich des örtlichen Landschaftswächters.

Bossong fährt fort: „Die auf Stadtgebiet darüber hinaus ausgewiesenen Biotope unterstehen bisher keinem besonderen Schutz. Allerdings: Das Biotop-Kataster wird derzeit überarbeitet.“ Das Biotop-Kataster kann der Ex-Förster stets über ein Geo-Portal auf seinem Laptop oder Smartphone abrufen. Er verfügt über ein entsprechendes Passwort für den Zugang.

„Auch um die Flussläufe muss ich mich nicht kümmern“, erläutert er weiter. „Da sind die Zuständigkeiten durch die Flächennutzungspläne geklärt.“

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