Fortschrittliche Jugendarbeit in der Ditib-Moschee fruchtet

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Auf dem Platz vor der Ditib-Moschee ging es zu wie bei einem Basar rund ums Kind – mit einem Unterschied: Kleidung, Spielzeug und Kinderwagen waren für Flüchlinge kostenfrei.

Werdohl - Etwas anders als sonst sah der Tag der offenen Tür bei der Ditib-Moschee an der Freiheitstraße am Samstag aus. „Es gibt Dinge, die sind jetzt einfach dringender – so kurz vor dem Winter“, sagte dazu Muhammet Güven, Vorsitzender der Ditib-Jugendabteilung.

Und so war unter den Gemeindemitglieder gesammelt worden: Gut erhaltene Kleidung, gebrauchtes Spielzeug und sogar fast neuwertige Kinderwagen standen auf der Fläche vor dem Gebetshaus, die sonst als Parkplatz genutzt wird. Eingeladen waren die Werdohler Flüchtlinge, sich davon zu nehmen, was sie brauchen konnten. Syrer, Iraker und auch Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien waren gekommen.

Der eigentliche Tag der offenen Tür fand im Gotteshaus statt. Jährlich findet dieser Tag am 3. Oktober statt. Jährlich gibt es ein zentrales Thema. Dieses Mal ging es um die Jugendarbeit in der Ditib-Gemeinde. Muhammet Güven ist 27 Jahre alt und damit nach der Gemeindesatzung gerade noch Teil der Jugend, denn die ist definiert als die Zeitspanne vom 14. bis zum 27. Lebensjahr.

Der Zustrom der Werdohler Bevölkerung war in diesem Jahr etwas zurückgegangen. Es fanden keine Führungen durch die Moschee statt. Aber in Einzelgesprächen erläuterte Muhammet Güven mit seiner Gattin Sebnem, die 2. Vorsitzende des Moschee-Vorstandes ist, die Bedeutung und die Struktur der Ditib-Jugendarbeit. Vorab: Die Teilnahme ist für alle Jugendlichen freiwillig.

Für Kinder – also Mädchen und Jungen bis 13 Jahre – gibt es in der Moschee an den Wochenenden sowie in den Ferien auch dienstags bis freitags Leseunterricht. Gelesen wird der Koran – auf Arabisch. Die Kinder lernen also eine andere Sprache sowie neue Schritzeichen kennen.

Dabei geht es nicht um den Inhalt des Korans. Muhammet Güven gesteht: „Ich selbst kann den Koran zwar vorlesen, um ihn zu verstehen, brauche ich aber eine Übersetzung ins Deutsche.“ In älteren Generationen sehe es noch anders aus, doch – so schätzt der Vorsitzende der Jugendabteilung – „nur drei bis fünf Prozent der Werdohler Gemeinde können den Koran beim Lesen auch verstehen.“

Diese Werte, so ergänzt Güvens Ehefrau Sebnem, „gehen nach oben“. Und das liege an dem Unterricht für die Ab-14-Jährigen. Sie lesen auch den Koran, studieren ihn aber intensiver, beschäftigen sich mit den Botschaften der Schrift.

Sebnem Güven erläutert: „Und der Erfolg unserer Jugendarbeit lässt sich auch auf das junge Alter unseres Hodschas zurückführen: Mit Kindern ist er ein Kind, mit den Großen ist er ein Erwachsener.“ Özgür Yalci ist erst 35 Jahre alt. Seit zweieinhalb Jahren ist er in Werdohl – und damit ist die erste Hälfte seiner Amtszeit herum. Ein Hodscha kann nicht wiedergewählt werden, bedauern Sebnem Güven und ihr Mann.

Der befindet: „Jeder Moslem sollte den Koran lesen und verstehen können.“ Es bleibt also noch viel zu tun. In Werdohl werde jedes Kind gemäß seinen Fähigkeiten individuell unterrichtet. Nach drei Jahren Wochenend-Unterricht beherrschen die Mädchen und Jungen die arabische Sprache mit ihren Schriftzeichen. Zur Ditib-Kindergruppe gehören bis zu 90 unter 14-Jährige, zur Jugendgruppe bis zu 40 der 14- bis 27-Jährige.

Und 60 bis zu 27-Jährige gehören zur Organisationsgruppe, die Aktionen für die Jugend vorbereitet. Da wird mal Fußball gespielt, dann ein Freizeitpark besucht. Es werden Seminare – mal auf Deutsch, mal auf Türkisch – angeboten. Es wird Playstation gespielt oder eine Tour nach Berlin unternommen. Auch Studienreisen gehören zum Angebot: Die nächste führt die Jugendlichen 2016 nach Bosnien-Herzegowina.

Zu den normalen Gebetszeiten sind die unter 28-Jährigen mit den Erwachsenen zusammen in der Moschee. Es werden aber auch separate Kinder- und Jugengottesdienste veranstaltet.

Sebnem und Muhammet Güven sind stolz: „Werdohl ist bei der Jugendarbeit ziemlich fortschrittlich. Lüdenscheid etwa ist da längst nicht so weit.“

Am Rande des Tages der offenen Tür beschwerten sich einzelne Gemeinde-Mitglieder über die Bauarbeiten am Brüninghaus-Platz. Diese haben die Verlegung einer Bushaltestelle zur Folge. Die Haltestelle sei nun direkt vor dem Moschee-Eingang. Müll, leere Alkoholflaschen und Lärm während der Gebetszeiten seien die unangenehmen Folgen.

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