50 Flüchtlinge weniger / Keine Zuweisungen

Deipschlade bleibt erstmal leer

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So sah es im August vergangenen Jahres in der Funkenburg aus, als der ehemalige Kindergarten in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt wurde. Das Haus steht momentan leer, die Stadt will es als Notunterkunft und Puffer vorhalten.

Werdohl - Die Zahl der in Werdohl lebenden Flüchtlinge unter städtischer Betreuung ist von 345 auf 295 zurückgegangen. Im März und April hat es keine einzige Zuweisung gegeben. Das hat zur Folge, dass das Übergangswohnheim Deipschlade im Augenblick nicht hergerichtet werden muss.

Anfang März hatte die Bürgermeisterin auf Druck der WBG zu einer Bürgerinformation eingeladen. Die Fachbereichsleiter Grabs und Schmidt hatten ebenso wie Voßloh um Verständnis dafür gebeten, dass das Gebäude Deipschlade zeitlich dringend hergerichtet werden müsse. 250 000 Euro sind für die Ertüchtigung veranschlagt, im Extremfall will man dort bis zu 80 alleinstehende Männer unterbringen.

„Ich weiß nicht, ob wir ganz darum herum kommen werden“, sagte am Dienstag Fachbereichsleiter Bodo Schmidt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Aber ich bin wirklich sehr froh, dass wir bislang noch nicht mit der Sanierung angefangen haben.“ Wenn der Beschluss zum Ausbau der Deipschlade (SPD/CDU/FDP dafür, WBG dagegen) vier Wochen früher getroffen worden wäre, hätte die Stadt schon mit der Sanierung begonnen. „So hoch war der Druck zu der Zeit“, sagt Schmidt heute. Die Flüchtlingssituation habe sich für viele überraschend völlig gewandelt. Nach dem Andrang bis zum Jahreswechsel war es im Januar und Februar sehr ruhig weitergegangen, im März und April seien gar keine Menschen mehr gekommen.

Im Gegenteil: Die Zahl der Flüchtlinge, die im Einflussbereich der Verwaltung lebt, hat sich in den beiden vergangenen Monaten vom Höchststand mit 345 Menschen auf aktuell 295 reduziert. Knapp 30 von ihnen sind als anerkannte Asylbewerber zum Jobcenter gewechselt, viele von ihnen sind aus den Unterkünften in Wohnungen umgezogen und können jetzt auf Arbeitssuche gehen. Die Stadt teilt sich die soziale Betreuung dieser Menschen mit dem Jobcenter. Eine Person wurde abgeschoben, einige seien freiwillig zurückgekehrt, knapp 20 seien einfach aus Werdohl verschwunden. „Untergetaucht“, sagt Bodo Schmidt.

Das hat Folgen für die Unterbringungssituation der 295 Männer und Frauen in Werdohl. Die Funkenburg, zwischenzeitlich mit bis zu 18 Menschen belegt, ist komplett freigezogen. Dieses Gebäude soll als Notunterkunft vorgehalten werden, falls es wieder zu unerwartet hohen Zuweisungen komme.

Im Gebäude Grasacker wohnt eine Arbeitskolonne von 13 Personen, die gemeinnützige und zusätzliche Arbeit für die Stadt verrichten. Die meisten seien freiwillig aus anderen Unterkünften in die Stadt in die Nähe der Arbeitsgelegenheit gezogen, so Schmidt. Sie müssen früh aufstehen und haben ein Bedürfnis nach Nachtruhe – was in den Übergangswohnheimen so nicht immer gewährleistet ist. Auch in der Freizeitgestaltung seien sich diese 13 Leute nähergekommen, so dass eine gemeinsame Unterbringung gewünscht war und aus Sicht der Verwaltung Sinn macht.

Viele Flüchtlingsfamilien wohnen mittlerweile in Wohnungen überall im Stadtgebiet. Es habe vor allem im Versetal freie Wohnungen von Unternehmen gegeben, so Schmidt, auch seien der Stadt ausreichend Privatwohnungen zur Miete angeboten worden. Tatsächlich hat die Stadt im Übergangswohnheim im Winkel freie Kapazitäten. Zudem gebe es noch verfügbare Wohnungen. Von daher werde die Deipschlade „erstmal nicht“ benötigt. Jetzt müsse der Sommer abgewartet werden, der eventuell eine Veränderung der Flüchtlingsrouten bringe.

Die Arbeit der Abteilung Soziales und Wohnen konzentriere sich jetzt mehr auf die Integration der Menschen. Viele seien aus vielerlei Gründen erschöpft in Deutschland angekommen. Schmidt: „Die haben sich jetzt akklimatisiert, für sie soll jetzt endlich das normale Leben hier bei uns losgehen.“

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