Woge stellt sich einer Zukunftsaufgabe

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Quartiersmanagerin Silke Kreikebaum stellte den Gästen die Arbeit, die Projekte und die Kooperationspartner des Nachbarschaftshilfezentrums in Ütterlingsen vor. Sie zeigte aber auch einen Schwachpunkt auf.

Werdohl -   Das Nachbarschaftshilfezentrum Kunterbunt in Ütterlingsen genießt einen guten Ruf. Der reicht sogar bis nach Ostwestfalen, weshalb am Dienstag Gäste aus dieser Region zu Gast waren, um sich darüber zu informieren, warum es so gut läuft im Werdohler Westen. Allerdings kam auch ein Manko an Tageslicht.

Vertreter des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostwestfalen (ZIG OWL) hatten sich gemeinsamen mit anderen Experten aus der Region im Gemeinschaftsraum des Nachbarschaftshilfezentrums (NHZ) an der Danziger Straße zu einem Workshop getroffen. Die gute Arbeit, die im Ütterlingser Quartier geleistet werde, hatte sich offensichtlich herumgesprochen. „Das hier ist ein Best-Practice-Beispiel“, urteilte Marcel Frischkorn, Projektmanager beim ZIG in Bielefeld. Das so genannte „Bielefelder Modell“, das ein selbstbestimmtes Wohnen auch im Alter vorsieht und auch in Ütterlingsen umgesetzt wird, war für die Ostwestfalen natürlich nichts Neues. „Wir wollen aber einmal sehen, wie das hier in der Praxis umgesetzt wird“, erklärte Frischkorn.

Quartiersmanagerin Silke Kreikebaum stellte die Arbeit, die Projekte und die Kooperationspartner vor, vor allem aber erläuterte sie, mit welchen Mitteln und Methoden in Werdohl an einem seniorenfreundlichen Wohnumfeld gearbeitet wird. Beispielsweise könnten in dem Pflegestützpunkt an der Danziger Straße bis zu zwölf schwerstpflegebedürftige Menschen leben. Ambulante Pflege, kleine Hilfen, Notrufe oder Mittagessen können aus dem benachbarten Wohngemeinschaftshaus bezogen werden. Für andere Mieter werden die Wohnungen an die individuellen Bedürfnisse angepasst, so dass die Bewohner möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen können. Durch einen Nachbarschaftstreffpunkt fördere die Wohnungsgesellschaft (Woge), die das NHZ betreibt, den sozialen nachbarschaftlichen Zusammenhalt zwischen den Mietern. Kreikebaum: „Mittlerweile ist das hier ein sehr schöner und lebendiger Stadtteil.“

Doch die Quartiersmanagerin verschwieg auch nicht, dass es noch Probleme gibt. Zwischen Pflegediensten, Ärzten und Woge gebe es bisher wenig Kommunikation, die Stadt könne aufgrund ihrer finanziell angespannten Situation in dieser Hinsicht auch keine Unterstützung leisten. Die Woge stehe deshalb in Gesprächen mit der Hochschule für Gesundheit in Bochum, um ein Gesundheitsnetzwerk aufzubauen.

Positiv-Beispiel Arnsberg

Wie andere Städte auf den demographischen Wandel reagieren, zeigte Martin Polenz von der Fachstelle „Zukunft Alter“ der Stadt Arnsberg auf. Die 70 000-Einwohner-Stadt im Hochsauerlandkreis wolle die Veränderungen, die der wachsende Anteil betagter Menschen an der Bevölkerung mit sich bringe, aktiv mitgestalten, betonte er. 

„Wir wollen gute Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Altern schaffen“, erklärte Polenz. Ziel sei es aber nicht etwa, eine „Stadt für alte Leute zu bauen“. Vielmehr gehe es um Anpassungsmaßnahmen, die allen Bewohnern zugute kommen sollen. Die Stadt Arnsberg, die als Vorreiter bei solchen Bemühungen gilt, habe das Ziel ausgegeben, zu einer demenzfreundlichen Kommune zu werden, in der Demenzkranke nicht unbedingt in Pflegeheimen untergebracht werden müssten, sondern auch am normalen Leben teilnehmen könnten. Dazu habe die Stadtverwaltung eine Stabsstelle eingerichtet, es werde ein Austausch zwischen den verschiedenen Fachbereichen organisiert, erklärte der Leiter des Arnsberger Demenz-Projektes.

Was den Aufbau von Netzwerken angeht, empfahl Polenz, nicht nur an die klassischen professionellen Anbieter wie Ärzte und Pflegedienste zu denken. In Arnsberg sei ein Netzwerk vieler, auch zivilgesellschaftlicher Akteure der Schlüssel zum Erfolg. Erziehungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche, Arbeitgeber, Kirchengemeinden, Sportvereine, Kulturschaffende, Wohnexperten, Verkehrsbetriebe und Einzelhandelsverbände solle man mit ins Boot nehmen, wenn es darum gehe, Menschen ein möglichst langes Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Dabei könnten die Partner des Netzwerkes je nach Projekt durchaus variieren.

Bei den Teilnehmern des Workshops stießen die Arnsberger Bemühungen auf reges Interesse. Dieses Modell lasse sich grundsätzlich in jeder Kommune verwirklichen, glaubte ZIG-Projektmanager Marcel Frischkorn. Auch in Werdohl, wo schon Menschen vorhanden seien, die sich um vieles kümmern. „Was hier fehlt, ist nur die kommunale Ebene“, schätzte Frischkorn die Lage ein und sprach damit Silke Kreikebaum aus dem Herzen. Wenn Werdohl schon kein Geld aufwenden könne, so würde sie sich doch mehr ideelle Unterstützung wünschen. Die Lösung der Probleme im Zusammenhang mit einer älter werdenden Bevölkerung, möglichst im Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Akteure, hält sie für eine Zukunftsaufgabe: „Der demographische Wandel geht ja nicht ausgerechnet an Werdohl vorbei!“

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