Erziehungsprobleme, Mutter zu Besuch und mysteriöse Tote

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Dr. Wolfgang Burger ist Forscher, arbeitet mit radioaktivem Material. In seiner Freizeit schreibt er Kriminalromane.

Werdohl - „Meine Mutter schaute mich mit einem Blick an, als hätte ich erzählt, alle Heidelberger verspeisten mit Zwiebeln geschmorte Hunde zum Frühstück.“ Dr. Wolfgang Burger las am Sonntagmorgen im Kleinen Kulturforum aus seinem neuen Kriminalroman „Tödliche Geliebte“. Dabei bewies er ein gutes Gespür für ungewöhnliche Bilder. Und das gefiel dem Publikum.

Für seinen neuen Roman erhielt der Autor bereits den Spiegel-Bestseller-Preis. Im Zentrum der Geschichte steht Alexander Gerlach, ein Kriminaloberrat. Und mal ist die Sprache des Ich-Erzählers distanziert, zu einem Beamten passend, sachlich. Dann wechseln sich derartige Schilderungen ab mit einer detailverliebten, emotionalen Erzählweise.

Autor Burger – im wahren Leben Forscher im Bereich radioaktiver Elemente – trug all dies mit einer angenehmen Radiostimme vor. Schnell zog er sein Publikum ins Geschehen hinein. Die Romanfiguren schienen lebendig zu werden, Bilder entstanden vor dem geistigen Auge. Zwischen seine Lesestücken fasste der Hobby-Schriftsteller die Passagen des Buches, die er nicht vortrug, in druckreifer Form vor. Es entstanden keinerlei Brüche.

Gerlach ist alleinerziehender Vater zweier Töchter. Er ist zwiegespalten, wie viel Freiheiten er den 16-Jährigen geben kann und soll. Und so denkt der Kriminalist in einer Szene: „Meine Meinungen zu diesem Thema gehen weit auseinander.“ Doch damit nicht genug: In einer Wohnung in der Nachbarschaft liegt eine Leiche. Die Lebensgefährtin des Toten ist wie vom Erdboden verschluckt. Die eine Tochter des Kommissars hat plötzlich einen Freund. Und seine Mutter steht überraschend auf der Matte, weil sich der Vater mit 73 Jahren in eine Affäre gestürzt hat.

Das Publikum hörte gebannt zu, stöhnte, seufzte und kicherte – je nachdem, an welchem Punkt die Geschichte gerade angelangt war. Die Zuhörer im fast vollen Kleinen Kulturforum fieberten regelrecht mit. Und so war es dann auch bloße Kokettiere, als Autor Burger sie alle nach der Pause wieder begrüßte: „Oh, ich bin stolz, dass so viele da geblieben sind.“

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