Erstes Begegnungscafé der Flüchtlingshilfe

+
Safwan Al Ghazi wünschte sich von Bürgermeisterin Silvia Voßloh Unterstützung, damit die Flüchtlinge ein Sozialticket bekommen.

Werdohl - „Als ich zuletzt in diesem Raum war, wurde hier Blut gespendet“, sagte Safwan Al Ghazi auf Englisch. „Wir Asylbewerber wussten davon leider nichts. Bitte informiert uns über Blutspendetermine. Das wäre für uns die perfekte Gelegenheit, danke zu sagen.“ Mit einem eindringlichen Appell wandte sich der 32-jährige Syrer im Rahmen des ersten Begegnungscafés der Flüchtlingshilfe an die Werdohler.

„Ich danke den deutschen Behörden, dass sie uns hier aufgenommen haben. Und ich danke den Werdohlern. Wir alle wissen, dass die Stadt keine Anstrengung gescheut hat, um uns zu helfen“, sprach Safwan Al Ghazi auch für die übrigen rund 30 Flüchtlinge, die am Donnerstagnachmittag ins evangelische Gemeindehaus gekommen waren. Ebenso viele Werdohler nahmen am Begegnungscafé teil, das die Flüchtlingshilfe künftig an jedem zweiten Donnerstag im Monat ausrichten will.

„Wir haben hier Gäste aus 13 Nationen“, sagte Organisator Lothar Jeßegus, dessen Begrüßungsrede ins Englische, Französische und Arabische übersetzt wurde. „Ich freue mich vor allem, dass wir jetzt auch Kontakt zu Familien haben.“ Die Flüchtlinge bräuchten vor allem Hilfe im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen. Das Begegnungscafé solle Gelegenheit geben, Kontakte zu knüpfen, Informationen auszutauschen und auch gemeinsame Freizeitaktivitäten zu planen.

Kein Sozialticket für Asylbewerber

Nach einer Vorstellungsrunde, bei der die Asylbewerber unter viel Applaus ihre ersten Deutschkenntnisse anwenden konnten, ergriff Safwan Al Ghazi das Wort. „Wir könnten viel zurückgeben“, betonte der Syrer mehrfach. Die Asylbewerber seien sehr dankbar dafür, dass die Werdohler ihnen Deutsch beibrächten. Aber viele Flüchtlinge sprächen mehrere Sprachen und seien gut ausgebildet. Ihre Sprachkenntnisse würden sie gern an die Werdohler weitergeben, schlug der 32-Jährige vor, der seit drei Monaten in Werdohl ist.

Der Syrer hatte jedoch auch ein paar Anliegen, die er mit Hilfe von Marili Zemke als Übersetzerin vortrug. So wünschten sich viele Asylbewerber, dass die Deutschkurse der Flüchtlingshilfe häufiger stattfinden sollen, damit sie schnellere Fortschritte machen können.

„Ist die Bürgermeisterin da?“, wollte Safwan Al Ghazi wissen und wandte sich direkt an Silvia Voßloh. „Wir hätten gerne ein Sozialticket, um Freunde und Familie in anderen Städten zu besuchen. Ich weiß, dass es eine politische Entscheidung war, es den Flüchtlingen nicht zu geben. Können Sie sich an die Verantwortlichen wenden? Das würde eine große Last von unseren Schultern nehmen.“

Die Bürgermeisterin, die offenbar nicht im Thema war, antwortete nicht persönlich, sondern verwies an Bodo Schmidt von der Abteilung Soziales. Diese Frage sei kreisweit zu lösen, sagte Schmidt. „Es war tatsächlich eine politische Entscheidung, den Flüchtlingen das Ticket aus Kostengründen nicht zu geben. Leider sehe ich da keine Möglichkeit.“ Allerdings bekämen die Asylbewerber, die für die Stadt arbeiten, ein Ticket. Eine Bürgerin schlug vor, die Werdohler könnten den Flüchtlingen ja Fahrräder geben, die sie nicht mehr brauchten. So könnten sie wenigstens vom Wohnheim an der Osmecke in die Stadt kommen.

Bei Kaffee, Kuchen und frischen Waffeln knüpften die Gäste anschließend erste Kontakte. Wer mochte, konnte auch Gesellschaftsspiele oder an einem Kickertisch spielen. - Von Constanze Raidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare