Erinnerungslücken: Verfahren vorerst ausgesetzt

Polizei erntet Tritte bei Rettungsversuch

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Werdohl - Hoffentlich auf dem Tiefpunkt ihrer Geschichte bewegten sich die Mitglieder einer Werdohler Familie zwischen Mai und November 2015.

Gleich mehrfach gerieten zwei Brüder mit der Polizei aneinander. Bei einer dieser Gelegenheiten hätten sie den Beamten eigentlich einen roten Teppich ausrollen müssen. Denn die waren ausgezogen, den zum Suizid entschlossenen Bruder der Beiden zu retten.

Doch stattdessen ernteten die Polizisten Schläge, Tritte und beleidigende Worte, die so wenig originell waren, dass sie in den Akten verrotten mögen. Bei einer weiteren Begegnung soll einer der Brüder eine Beamtin angespuckt und ebenfalls auf unterirdischem Niveau beschimpft haben. Angeblich drohte er damit, seine Familie zu töten und ebenfalls Selbstmord zu begehen. Schlimmer geht es familiär kaum noch. Doch es gab im Amtsgericht Altena, wo sich die beiden Brüder wegen Beleidigung, Körperverletzung und versuchter Nötigung verantworten müssen, Hinweise, dass die Ereignisse die Angeklagten nicht unbeeindruckt gelassen hatten.

„Ich habe mich in Therapie begeben, bin jetzt clean und hoffe, dass ich mildernde Umstände bekomme“, sagte der Ältere (28) und beschrieb seine Situation zum Tatzeitpunkt: „Ich war zu jedem Tatzeitpunkt unter Drogen- und Alkoholeinfluss.“ Er hatte die Dinge offensichtlich nicht weiter treiben lassen.

Sein kleinerer Bruder konnte sich an die Ereignisse ebenfalls nur noch „verschwommen“ erinnern. Aber auch ihm war auf irgendwelchen Wegen klargeworden, „dass die Beamten zum Schutz von meinem Bruder gekommen waren“. Der – so die erleichterte Auskunft der Brüder – konnte glücklicherweise trotz der erbitterten Gegenwehr gerettet werden und ging ebenfalls für Monate in Therapie. Da die Angeklagten nur lückenhafte Erinnerungen an das möglicherweise strafwürdige Geschehen hatten, setzte Richter Dirk Reckschmidt das Verfahren vorläufig aus. Zur erneuten Verhandlung sollen die Polizeibeamten geladen werden, da deren Erinnerungsvermögen nicht durch Alkoholgenuss getrübt sein dürfte.

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