Große Resonanz bei Arbeitstreffen der Flüchtlingshilfe

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Lothar Jeßegus, Leiter der Werdohler Flüchtlingshilfe, erläuterte, was alles von den Ehrenamtlern gemacht wird.

Werdohl - Plötzlich gab es Applaus im Gemeindehaus der Christuskirche. Gut 60 Anwesende zeigten spontan ihre Begeisterung. Dr. Richard Müller-Schlotmann, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, hatte beim Arbeitstreffen des Netzwerkes Flüchtlingshilfe Werdohl soeben verkündet: Fast alle heimischen Sportvereine hätten beschlossen, Kinder aus Flüchtlingsfamilien könnten kostenfrei an ihren Kursen teilnehmen. Zudem würde Sportkleidung für diese Menschen gesponsert.

Lothar Jeßegus, Kopf der Flüchtlingshilfe, hatte zunächst die Arbeitsbereiche des Netzwerkes vorgestellt. Dann hatten die zahlreichen Besucher der Veranstaltung einige Fragen. Jeßegus und Bodo Schmidt, Fachbereichsleiter der Verwaltungsabteilung Soziales und Wohnen, beantworteten diese.

So erfuhren die mehr als 60 Anwesenden, dass „das Netzwerk unter dem Dach der Ökumene“ stehe. Jeßegus betonte: „Wir arbeiten im kirchlichen Auftrag.“ Dabei seien die Ehrenamtler versicherungstechnisch abgesichert.

In Werdohl seien – Stand Mittwochabend – 230 Flüchtlinge untergebracht. Schon am gestrigen Donnerstag wurde aber eine weitere, siebenköpfige Familie erwartet. Sowieso seien die meisten Flüchtlinge im Familienverbund in der Stadt zwischen Lenne und Verse. Auch lebten viele alleinerziehende Mütter und Väter in Werdohl. Umso wertvoller scheint das Angebot des Stadtsportverbundes.

Jeßegus versuchte dann abzuschätzen, wie viele davon dauerhaft bleiben könnten: „Albaner und Kosovaren haben keine Bleibeperspektive. Bei den Afghanen werden etwa die Hälfte anerkannt. Bei den Syrern liegt die Quote etwa bei zwei Drittel.“

Fachbereichsleiter Schmidt betonte: „Es kommen keine Lawinen. Und in der Regel wissen wir drei Tage vorher, wer wann kommt.“ Die Werdohler Flüchtlingshilfe arbeite eng mit der Verwaltung zusammen. Wünschenswert sei aber noch ein Ehrenamtler, der für das Netzwerk eine Internetseite aufbaue, auf der stets aktuell Ansprechpartner wie aktuelle Bedarfe angegeben seien. Dringend benötigt würden derzeit Kalender, in welche die Flüchtlinge ihre Termine eintragen könnten.

Das Netzwerk Flüchtlingshilfe arbeite nach dem Leitmotiv „Hinsehen, hingehen, hinhören, helfen“. Angeboten würde zunächst das monatliche Begegnungscafé im Gemeindehaus der Christuskirche. Dort sollten Werdohler und Flüchtlinge miteinander ins Gespräch kommen.

Zweiter Einsatzbereich der Flüchtlingshelfer seien die Deutschkurse für Erwachsene. Diese seien schwierig, weil die Teilnehmer zum Teil Analphabeten seien, zum Teil aber auch Menschen, die in ihrer Heimat einen Hochschulabschluss gemacht hätten.

Drittens finde montags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr ein Treffpunkt am Kirchpfad 1 statt. Diese Treffen stünden unter dem Motto „Miteinander spielen und Sorgen teilen“. Auch gebe es an den Montagen stets eine separate Frauenrunde.

Vierter Punkt sei die Begleitung bei Behörden-, Arzt- und Krankenhausbesuchen. Jeßegus schilderte, dass er auch häufiger bei Noteinsätzen nachts in die Lüdenscheider Klinik fahre.

Fünftens würden Möbel und Kleidung für die Flüchtlinge benötigt. Zu Möbeln gehörten dabei auch Elektrogeräte wie Kühlschränke sowie Teppiche. Andreas Späinghaus nahm möglichen weiteren Helfern die Angst: „Die Flüchtlinge sind ganz tolerant, wenn wir unser Schulenglisch erst einmal wieder hervorkramen müssen.“

Sechstens würden immer wieder Fahrräder benötigt, um den Flüchtlingen Mobilität zu ermöglichen. Das Busfahren sei oftmals zu teuer für sie.

Das siebte Einsatzfeld der Neztwerkler heißt „Aktionen“. Dabei gehe es um Ausflüge mit dem Bürgerbus, Grillnachmittage sowie gemeinsame Fußballspiele.

Bei Punkt acht müssten Helfer juristische Kenntnisse haben. Sie können dann bei der Beratung im Asylverfahren und somit auch bei Besuchen bei Rechtsanwälten behilflich sein..

Neunter Arbeitsbereich: Diejenigen Flüchtlinge, die ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten hätten, würden gesondert betreut. Dabei gehe es um Integration und somit auch um Arbeitsvermittlung. Um etwaige Ausbildungen aus der jeweiligen Heimat der Menschen anerkennen zu lassen, müssten so etwa „Papiere gesammelt“ werden. Die Flüchtlinge müssten beim Gang zum Arbeitsamt oder Jobcenter begleitet werden; mit ihnen müssten Lebensläufe verfasst werden.

Zum Ende des etwa anderthalbstündigen Arbeitstreffens unterhielten sich die Anwesenden – darunter auch einige türkischstämmige Mitbürger – in Kleingruppen mit den Netzwerkern darüber, wie sie sich persönlich in der Flüchtlingshilfe einbringen könnten.

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